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Illertissen

15.06.2017

Flüchtlinge auf Wohnungssuche

Die Füchtlinge, die im ehemaligen Lechwerke-Gebäude gewohnt haben, pflegen längst einen familiären Umgang miteinander und machen gemeinsame Unternehmungen. Unser Bild zeigt sie mit Edwin Sannwald (vorne mit kurzer Hose) bei einem Ausflug mit der Öchsle-Bahn, den das Landratsamt finanziert hat. Jetzt suchen einige von ihnen eine Wohnung.
Bild: Lothar Flittner

In Illertissen wollen 54 anerkannte Asylbewerber in eine eigene Bleibe umziehen. Drei von ihnen stellen sich beim Pfarrfest von St. Martin vor und helfen beim Geschirrdienst mit.

Bei den Illertisser Flüchtlingen rührt sich was – wie und auf welche Weise, das soll am bevorstehen Pfarrfest von St. Martin am morgigen Donnerstag bekannt werden. Die Verlautbarung könnte beispielsweise heißen: „Suchen kleine Wohnung für Dreier-WG, bieten Mithilfe im Haushalt“. Die Verfasser werden beim Fest vor Ort sein, zum Kennenlernen gewissermaßen, und tatkräftig bei der Essensausgabe mithelfen.

Es sind anerkannte Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia, die mit Fotos und Kurzporträt auf einer Plakatwand ihr Anliegen öffentlich machen. Edwin Sannwald vom Pfarrgemeinderat, der bei der Bewirtung für das Pfarrfest auf die Unterstützung der Flüchtlinge zählt, sagt: „Sie haben den Mut, ihre Träume und Sehnsüchte öffentlich zu machen.“ Sannwald, der im Helferkreis für Flüchtlinge engagiert ist, hofft, dass die Drei mit ihrem Vorpreschen vielleicht eine Welle auslösen können in Illertissen. Dass sich weitere anerkannte Flüchtlinge beherzt auf die Wohnungssuche begeben und Illertisser Vertrauen fassen, den jungen Menschen eine Chance zu geben. Sannwald: „Ich denke, gerade ältere Menschen könnten davon profitieren, wenn ihnen jemand Sachen hochträgt, den einen oder anderen Dienst abnimmt, der jungen Leuten leicht fällt.“ Am Ende könnten gar schöne Gemeinschaften entstehen.

Von den in Illertissen wohnenden Flüchtlingen befinden sich 151 in laufenden Verfahren. 54 Personen in den vom Landkreis zur Verfügung gestellten Unterkünften gelten als sogenannte Fehlbeleger. Das heißt, ihr Status ist anerkannt, sie sind gehalten, eigene Wohnungen zu suchen.

Die Zeit drängt also etwas, weiß Sannwald, sobald sie in ihren Unterkünften nur noch geduldet sind. Dass Veränderungen bevorstehen, zeige sich auch daran, dass Wohnplätze zusammengelegt werden. Für Flüchtlinge sei das oft schwer zu verstehen.

In Illertissen waren die 19 Bewohner im alten LEW-Gebäude zehn Tage vor ihrem Umzug ins ehemalige Gesundheitsamt benachrichtigt worden. „Das haben wir auch im Helferkreis nicht für gut befunden“, so der Unterstützer, „zumal wir die neuen Zimmer nicht vorab anschauen konnten.“ Betroffen waren Eritreer und Somali, die großteils schon 2014 nach Illertissen gekommen und somit gut integriert sind. Nun teilen sie sich das Erdgeschoss, wo ihnen zwei Duschen, zwei Toiletten und drei Kochmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Die Bewohner über ihnen im ersten Stock kommen aus Afghanistan, Pakistan und Syrien. Außerdem sei damit zu rechnen, dass weitere Flüchtlinge in Dach- und Kellergeschoss eingewiesen werden. Helfer Sannwald beobachtet, dass sich die unterschiedlichen Nationalitäten mit Respekt begegneten. Indem aber immer noch Neulinge dazu zögen, die sich zwangsläufig fremd sind, sieht Sannwald Konfliktpotenzial. Weitere Flüchtlinge in Illertissen wohnen in Häusern an der Mozartstraße und im Ortsteil Jedesheim sind einige Familien untergebracht. Sannwald weiß von großen Unterschieden, was den Grad der Integration anbelangt und die Bereitwilligkeit, sich dabei helfen zu lassen. Je nach Perspektive – auf Anerkennung oder Abschiebung – zeige sich das Engagement bei Deutschkursen, im Schul- oder Berufsleben. Dabei setzt der Helfer großes Vertrauen in seine Schützlinge: „Wer eine Wohnung sucht, strebt nach Selbstständigkeit, bei der er vom Helferkreis weiterhin unterstützt wird.

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