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Nachruf

18.06.2011

Franz Dömel ist Elbogen immer treu geblieben

Das Goethe-Denkmal in der Partnerstadt: Franz Dömel ist es zu danken, dass die Figur Elbogen erhalten blieb. Von Dömel selbst, der kürzlich als ältester Deutscher Elbogens gestorben war, stand kein Bild zur Verfügung.
Bild: Foto:

Illertissens Partnerstadt hat ihren ältesten Deutschen zu Grabe getragen

Elbogen/Illertissen In Illertissens Partnerstadt Elbogen/Loket sind vor Kurzem der im Alter von 94 Jahren gestorbene Franz Dömel und wenige Tage vor den Pfingstfeiertagen nun auch seine 86-jährige Ehefrau auf dem Bergfriedhof zu Grabe getragen worden. Dömel war der älteste Deutsche seiner Geburtsstadt an der Eger, die er auch im Zuge der Vertreibung nicht verlassen durfte und auch nicht wollte. Als Illertissen über den Journalisten Wilfried Läbe 1995 als Patenstadt heimatvertriebener Elbogener erste Kontakte zu tschechischen Bewohnern in Loket suchte, war Dömel ihm ein hilfsbereiter Partner.

Den Stürmen der Weltgeschichte getrotzt

Wer damals auch immer Elbogen besuchte, der traf auch Franz Dömel. Der gelernte Elektriker hatte allen Stürmen der Weltgeschichte getrotzt und verbrachte die Herbsttage seines bewegten und erlebnisreichen Lebens bis zu seinem 80. Lebensjahr tagtäglich in den historischen Räumen des Elbogener Rathauses. Dort, wo heute die Stadtbibliothek untergebracht ist und bis zur Jahrtausendwende Trinkbecher, Urkunden, Bilder ein beredtes Zeugnis Elbogener Traditionen gaben, verkaufte Dömel an Stadtbesucher böhmische Souvenierkunst. Er passte genau dort hin, wo Wissensdurstige Wissenswertes über die Geschichte der Illertisser Partnerstadt erfahren wollten.

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Franz Dömel war im fünften Haus östlich des Elbogener Rathauses, wo heute seine Tochter das Restaurant „Atmosphära“ betreibt, 1923 als eines von elf Kindern eines deutschen Vaters und einer tschechischen Mutter geboren worden. Und gerade deshalb wusste er um die Launen der politischen Systeme. Als Kind ging er zunächst in den deutschen Kindergarten Elbogen, danach in die tschechische Schulklasse seiner Heimatstadt, obwohl bei ihm zu Hause deutsch gesprochen wurde. Als 15-jähriger musste er dann täglich von Elbogen nach Karlsbad fahren, um dort das Elektrohandwerk zu erlernen.

Während des Nationalsozialismus, so erzählte er häufig, musste er tunlichst vermeiden, tschechische Laute von sich zu geben. Aber Franz Dömel blieb als Urgestein seiner Heimatstadt treu. Er heiratete seine Frau aus Leipzig und arbeitete im städtischen Elektrowerk an der Eger. Auch wenn die damalige Zeit für ihn und seine Familie nicht immer leicht war, so hat er sie nie aus seiner Erinnerung verdrängt.

Im Jahr 1990 hatte sich Dömel sehr gefreut, als er nach der Grenzöffnung viele alte Bekannte wieder treffen konnte. Dabei konnte er immer und immer wieder feststellen, dass vielen ehemaligen Elbogenern die Fremde zur Heimat geworden war, ohne dass die Heimat zur Fremde wurde.

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