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Altenstadt

23.01.2019

Fünf Jahrzehnte närrisches Treiben in Altenstadt: Wie alles begann

Auch Arthur Rau (links) schlüpfte zum Umzug ins Kostüm. 1985 war er Schotte.
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Auch Arthur Rau (links) schlüpfte zum Umzug ins Kostüm. 1985 war er Schotte.

Zum 50. Mal schlängelt sich heuer der Gaudiwurm durch den Ort. Arthur Rau erinnert sich im Interview, wie Fußballspieler den Grundstein für den "Altenstadtr Faschingsomzug" legten.

Herr Rau, Sie sind jetzt 82 Jahre alt und waren von Anfang an bei den Faschingsumzügen in Altenstadt dabei. Wie ging das damals denn los?

Arthur Rau: Seinen Anfang nahm der Umzug in den Fußballspielen maskierter Altenstadter Mannschaften. Auf zwei bunt geschmückten Wagen ließen wir Spieler uns dabei zum alten Fußballplatz, der war damals beim Fabrikbach, fahren. Die Musikgesellschaft Illereichen-Altenstadt gesellte sich dazu. Einen solchen „Umzug“ gab es beispielsweise bereits 1963. Im Jahr 1968 wurde dann offiziell mit Plakaten zum großen Faschingsumzug eingeladen. (Anmerkung: Robert Kramer, der damalige Jugendleiter des Fußballvereins, war 1968 der maßgebliche Initiator. Der Erlös der Veranstaltung war für eine Familie bestimmt, die ihren Vater verloren hatte.)

Dann hat der Altenstadter Umzug seinen Ursprung quasi auf dem Fußballplatz?

Rau: Ja, bei uns Fußballspielern. Wir trafen uns im damaligen Vereinsheim und beratschlagten „Machen wir heuer wieder ein Faschingsspiel?“.

Warum zogen die Spieler damals mit bunten Wagen zum Fußballplatz?

Rau: Man könnte sagen, wir wollten damit dem sportlichen Faschingsereignis einfach einen optisch passenden Rahmen geben.

Erinnern Sie sich an einen dieser „kleinen“ Umzüge?

Rau: Ja – im Jahr 1963 saß ich ganz vorne auf dem Traktor. Ich erinnere mich genau, was ich anhatte, nämlich eine weiße lange Unterhose meiner Oma.

Als was haben Sie sich denn da verkleidet mit der Unterhose ihrer Großmutter?

Rau: Nichts bestimmtes. Damals hat einfach jeder etwas verrücktes angezogen, irgend ein Teil, das er daheim rumliegen hatte.

Wie war es dann 1968? Kamen Zuschauer?

Rau: Ja, viele Leute standen an der Straße.

Wie ging es weiter?

Rau: Irgendwann gab es keine Fußballspiele mehr und der Umzug rückte in den Mittelpunkt, denn immer mehr Vereine machten mit. Der Umzug startete in den ersten Jahren beim Gasthaus „Sonne“, dann beim Rathaus und später auch in Illereichen. Lange Zeit wurde er am Faschingssamstag abgehalten. Wegen Terminüberschneidungen verlegten wir ihn auf den Sonntag vor dem Faschingssonntag. (Ergänzung IZ: Als Organisatoren der Anfangszeit sind Alfred Reiser, Erwin Steinhauser, Ernst Wüst, Herwig Groh und Arthur Rau bekannt).

Wie lange waren Sie Mitorganisator?

Rau: Ich habe zwar zwischendurch mal eine Pause eingelegt, doch beim 40. Jubiläum war ich noch einer der Hauptorganisator des Umzugs.

Der Fasching in Altenstadt ist zwischenzeitlich als Treffpunkt für Randalierer in Verruf geraten. Die Polizei kam gleich mit einem Gefangentransporter... Wie haben Sie das erlebt?

Rau: Es war tatsächlich viel Polizei da. Aber ich war ja immer unterwegs und hab mit den anderen Organisatoren geschaut, dass der Umzug läuft. Wenn was passiert ist, hab ich das auch erst aus der Zeitung erfahren. Aber eigentlich hatte ich nicht das Gefühl, dass es in Altenstadt viel schlimmer war, als anderswo, wo die Leute viel Alkohol getrunken haben. Inzwischen hat sich aber alles beruhigt und da kann man recht froh darüer sein.

Wenn Sie zurückblicken: Was ist vom Fasching von damals geblieben und was gehört mittlerweile der Vergangenheit an?

Rau: Geblieben ist etwa das Logo, das ich irgendwann einmal selbst entworfen haben. Bekannte Gruppen aus der Anfangszeit waren die Steckafrösch, Griasrugler, Marktpfeifer oder Loimbolla. Die gibt es nicht mehr. Ebenso wie die „Großen Künstler“ zu denen auch ich gehörte. Unser Narrenruf „Arrewie Arrewa“ ist geblieben, auch wenn er gekürzt wurde.

Wie war denn die ungekürzte Form?

Rau: Die ging „Arrewi Arrewa, arre wum bum ba, Altastadt, Altastadt, ra ra ra!“

Schauen Sie sich den Umzug in Altenstadt noch immer jedes Jahr an?

Rau: Ich freue mich immer wieder das zu sehen. Und man trifft dort ja immer viele Freunde und Bekannte – auch wenn viele Leute von früher heute leider nicht mehr dabei sein können.

Interview: Zita Schmid

Mehr Bilder von der vergangenen Umzüge gibt es in dieser Bildergalerie:

Momentaufnahmen von den Altenstadter Umzügen der vergangenen Jahrzehnte
18 Bilder
Buntes Jubiläum in Altenstadt: So war der Umzug früher
Bild: Sammlung Familie Rau, Repro: Zita Schmid


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