Illermusikfestival

14.06.2016

Fünffach virtuos

Zu fünft ein ganzes Orchester vertreten, dafür ist das Philharmonische Streichquintett Berlin berühmt und bekannt. Im Rahmen des Illermusikfestivals wurden sie für ihre Art, schwere Musik locker und witzig zu präsentieren, mit stehendem Beifall und Zurufen belohnt.
Bild: R. Langhans

Die Berliner Philharmoniker reißen in der Kollegshalle ihr Publikum vom Hocker

Um auch die Sparte Klassik beim Illermusikfestival anzubieten, konnte Fritz Unglert vom Freundeskreis Kultur im Schloss das Philharmonische Streichquintett Berlin für ein Konzert nach Illertissen holen. Sollten die zahlreichen Besucher im Festsaal des Kollegs schwere musikalische Kost befürchtet haben, durften sie sich angenehm überrascht sehen: Die fünf Spitzenmusiker mischten auf: Schön dosiert vom gleichmäßig dahinziehenden Notturno als Auftakt bis zu furiosen, virtuos gespielten Stücken, zuallerletzt im Affentempo runtergerissen eine Polka. Der Dank waren Zurufe und stehende Ovationen.

„Wie könnte sonst Illertissen dem Ruf einer Kulturstadt gerecht werden“, sagte Unglert und traf mit dem Quintett, das der Freundeskreis nicht im Programm hatte, die richtige Mischung: Klassische Streicher, die so leidenschaftlich spielen wie spritzig und keck. Schade, das wäre auch was für Jüngere gewesen.

Das Philharmonische Quintett Berlin ist für seine Besetzung berühmt, da mit Violine eins (Thomas Timm) und zwei (Romano Tommasini), Viola (Wolfgang Talirz), Violoncello (Tatjana Vassilieva), Kontrabass (Janusz Widzyk) jede Streichergruppe mit einer Stimme vertreten ist. Anders als im Quartett kann das Ensemble wie ein Orchester im Kleinen auftreten, da alle Register besetzt sind – mit dem Vorteil, besser aufeinander eingehen zu können, gerade bei Soloauftritten.

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Das Konzert begann mit einem in orchestraler Ausgewogenheit vorgetragenen Notturno in H-Dur für Streichquintett von Antonin Dvorak (1841-1904). Dem folgte ein, in den jeweiligen Stimmen sehr lebhaft gespieltes Streichquintett in Es-Dur. Dabei räumte Dvorak, selbst Bratschist, seinem Instrument nach einem Cello-Auftakt viele gefällige Passagen ein. Wolfgang Talirz verstand es, auf der Viola seine Führungsrolle mit Witz und Charme auszuspielen und die Geigen regelrecht abzuhängen. Desgleichen bei Andante e Rondo Ongarese von Carl Maria von Weber (1786-1826), indem Talirz der Viola als der behäbigen großen Schwester der Violine in virtuoser Technik und Schnelligkeit ebenso helle Töne entlockte, um dann auf die tiefste sonor klingende C-Saite zu wechseln.

Beim Andante cantabile aus dem Streichquartett D-Dur von Piotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) stellte Tatjana Vassilieva so melodiös wie virtuos das große Tonspektrum am Cello vor. Und bestätigte damit den Vergleich warmer Celloklänge mit der menschlichen Stimme. Pizzicato-Passagen der Geigen untermalten diesen Effekt, knisternde Pausen akzentuierten. Gelegenheit zur Steigerung wie hohe Triller bot Dvoraks Rondo g-Moll mit volkstümlichen Anklängen.

Einen starken Auftritt bot Janusz Widzyk mit seinem Kontrabass bei „La Sonnambula, Variazioni di Bravura“ von Giovanni Bottesini (1821-1889), wofür er nach vorne trat. Mit Bravour exerzierte er auf einem Meter Griffbrettlänge Tonakrobatik, ließ die Finger kreuz und quer über die Spielfläche hüpfen, bis zu Flageoletttönen übers schwarze Ende hinaus. Ein wunderbares Bild, wobei die übrigen Streicher den Fingertanz im Takt begleiteten.

Zum Ausklang spielten sich dann doch die Geigen in den Vordergrund. Für „La Ronde des Lutins“ von Antonio Bazzini (1818-1897) ließen sie Finger fliegen und Bögen flitzen mit aller nur erdenklichen Spieltechnik. Als Zugaben präsentierten sie die Arie des Lensky aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“ und in atemlosem Tempo die Polka „Eingesendet“ von Josef Strauss.

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