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26.06.2009

Für jeden ist etwas dabei

Babenhausen Chaos, Gewalt, Perspektivlosigkeit: So wird die Hauptschule in den Medien dargestellt, finden die Babenhauser Hauptschüler. Und geben Contra. "Wir wollen zeigen, dass die Hauptschule auch Gutes hat", sagte die Schülerin Verena Stölzle im Gespräch mit unserer Zeitung.

Wenn sie negative Nachrichten über ihre Schulart hört, ärgert sie sich sehr: "Das fällt auf die Schüler zurück", meint die 16-Jährige. "Dabei haben wir im Endeffekt dieselben Chancen wie Realschüler".

Chancen durch Mittlere Reife

Verena besucht die zehnte Klasse im M-Zug. Derzeit lernt sie für ihre Mittlere Reife. Ihre Zukunftsaussichten: positiv. Genau wie die der anderen Schüler des M-Zugs. "Es gibt keinen, der in der Luft hängt", sagt Rektor Josef Pfeifer. "Alle haben eine Ausbildungsstelle oder einen Platz an einer weiterbildenden Schule bekommen".

Für jeden ist etwas dabei

Magdalena Sauter beispielsweise beginnt eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. "Man hat dieselben Perspektiven wie nach der Realschule", sagt sie. Katrin Hörmann will Laborantin werden. Sie ist von der Real- auf die Hauptschule gewechselt: "Zuerst hatte ich Angst davor", meint sie "dass ich schlechtere Jobaussichten habe". Jetzt hat sie eine Lehrstelle - und ist froh über den Wechsel.

Klassenleiter ist Bezugsperson

Ähnlich ging es Sebastian Martin. Der einst schlechte Realschüler ist jetzt Schulsprecher an der Hauptschule. Der 17-Jährige hat von dem profitiert, was Fachleute "Klassenlehrerprinzip" nennen. "Man lernt besser, wenn man nur einen Lehrer hat, den man dafür besser kennt", sagt er. Das findet auch die 16-jährige Katrin: "Auf der Realschule ist man sich fremder, hier hat man einen direkten Ansprechpartner".

Positiv finden die vier Jugendlichen auch, dass jeder Hauptschüler entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert wird. "Da ist für jeden was dabei", meint Sebastian. Die Besten können im M-Zug die Mittlere Reife erlangen, Schüler der Regelklasse bekommen den normalen oder qualifizierenden Hauptschulabschluss.

Für Lernschwache gibt es die Praxisklasse. "Man schaut auf das handwerkliche Können der Schüler, auch wenn sie schlechte Noten haben", sagt Verena. "Es ist gut, dass gefördert wird, was man kann".

Gewalt an ihrer Schule haben die vier noch nicht erlebt: "Schlägereien gibt es hier nicht", meint Magdalena. Rangeleien kämen überall vor. Gewalt sei vor allem ein Problem in den Großstädten, glauben die vier.

Dass sich dieses schlechte Bild auch auf sie überträgt, finden die Schüler nicht in Ordnung. Sie wollen etwas dagegen tun: Darstellen, wie die Hauptschule wirklich ist. Sich präsentieren. Politiker einladen. "Wir müssen uns öffnen", so Konrektor Wolfgang Ostermann.

Eine Öffnung zur Wirtschaft hin hat bereits stattgefunden. Es gibt viele Anknüpfungspunkte; verpflichtende Praktika sind nur einer davon. "Die Schüler in einen Beruf vermitteln, das ist eines unserer großen Ziele", meint der Rektor.

Katrin hat ihre Arbeitgeber im Praktikum mit ihrer Leistung überzeugt: "Sie haben gesagt, dass sie das von einer Hauptschülerin nicht erwartet hätten".

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