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Babenhausen

12.08.2018

Fugger-Museum: Reise durch 600 Jahre Geschichte

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4 Bilder
Ein Rundgang durch das Fugger-Museum im Babenhauser Schloss lohnt sich: Jeder der zwölf Räume bietet eine Vielzahl von Blickfängen.
Bild: Claudia Bader

Im Fugger-Museum im Babenhauser Schloss entdecken Besucher so manche Kostbarkeit. Ein Rundgang.

Der erste Blick lässt ein gerahmtes Bild vermuten, zusammengesetzt aus einer Vielzahl kleiner und großer Wappen. Beim Näherkommen erkennt der Betrachter aber, dass die mit Ornamenten umrankten Embleme die Schubladen eines großen Hängeschranks zieren. Die einzelnen Fächer sind mit den Namen deutscher Städte beschriftet, etwa Memmingen, Kempten, Lindau, Augsburg und Frankfurt, aber auch einst wichtiger Handelsmetropolen wie Antwerpen, Bologna und Florenz. Das auffällige Exponat ist ein Korrespondenzschrank aus dem 16. Jahrhundert, welcher der Familie Fugger gehört. Er ist eine von vielen Kostbarkeiten, die das Fugger-Museum im Westtrakt der Babenhauser Schlossanlage zu bieten hat.

Die in zwölf Räumen präsentierte Ausstellung erzählt vom Aufstieg dieser bemerkenswerten Familie, die eigentlich mit Jakob Fugger begann und sich schon bald in drei Linien aufspaltete: Fugger-Kirchberg, Fugger-Glött und Fugger-Babenhausen. Der Schwerpunkt der Sammlung im Museum liege auf der Babenhausener Fugger-Linie, welche schon 1803, kurz vor dem Ende des Heiligen Römischen Reiches, den Fürstentitel verliehen bekam, wie Markus Graf Fugger erklärt. Er ist der jüngere Bruder von Hubertus Fürst Fugger und betreut das Fugger-Museum seit vielen Jahren.

Neben einigen Erwerbungen ist ihm vor allem die chronologisch ausgerichtete Neuordnung der Sammlung zu verdanken, welche die Besucher zu einem Rundgang durch die Familiengeschichte der Fugger einlädt. Durch ihre einflussreiche Stellung in Wirtschaft, Politik und Kultur der Renaissance hat die Familie die Geschicke Europas maßgeblich geprägt.

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Gegründet wurde die Sammlung 1885 durch Fürst Leopold von Fugger-Babenhausen. Sie war jedoch zunächst in Augsburg ausgestellt und siedelte erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Babenhausen über. Dort fand sie im ältesten Teil des Schlosses Platz – im sogenannten Rechberg-Flügel. 1955 erfolgte dann der Umzug in den geräumigeren Westflügel. Dort konnten auch einige Originalzimmer, beispielsweise der imposante Ahnensaal, einbezogen werden, in dem an die 100 Porträts der Familie hängen. Die meisten entstanden im 16. und 17. Jahrhundert. Von Jakob Fugger „dem Reichen“, dem berühmten Bankier der Päpste und Kaiser, zeigt das Museum unter anderem Spielbrettsteine und zwei große Bildnismedaillons mit den Profilen Jakobs und seiner Gemahlin Sibylle Artzt.

Auch die angrenzenden Räume beherbergen beeindruckende Gemälde, Möbel und Tapisserien. Ein Sortiment Münzen samt Prägestempel dokumentiert, dass die Fugger im Jahr 1534 das Münzrecht von Kaiser Karl V. erhielten – das ist die Befugnis, Münzen zu prägen und das Geldwesen im eigenen Herrschaftsbereich zu regeln. Ins Auge fallen auch Kupferbarren aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurden 1981 aus einem in der Elbe versunkenem Schiffswrack geborgen, weiß Markus Graf Fugger.

Das älteste Exponat im Fugger-Museum weist auf ein Ereignis hin

Das sicher älteste Exponat aus der reichen Sammlung ist ein unscheinbares Stück Barchent aus dem 15. Jahrhundert. Das mittlerweile etwas brüchig gewordene Gewebe stammt aus einer Zeit, als die Fugger biedere Weber in Augsburg waren und noch nicht über ein riesiges Fernhandels- und Bergwerksimperium verfügten, mit dessen Hilfe sie später Kaiser und Könige finanzieren konnten. Mit dem schon etwas vergilbten Stück Stoff hat es eine besondere Bewandtnis. Wie der sorgfältig aufgemalten Inschrift zu entnehmen ist, wurde es von der Augsburger Weberzunft einbehalten, weil sich bei der „Beschau“ herausgestellt hatte, dass an der Kette insgesamt 20 Fäden fehlen. Dies ist ein Beweis, wie streng die Bräuche damals waren. Auch der Name des säumigen Webmeisters ist vermerkt: Anton Fugger.

Geschützt in gläsernen Vitrinen, ist in einigen Museumsräumen auch eine Vielzahl alter Landkarten, Stadtpläne, Urkunden und Bücher platziert. Angefangen bei von Hand geschriebenen Kräuterfibeln über Werke, die über das damalige „Gestütwesen“ belehren bis hin zu Büchern über Astronomie und Astrologie. Markus Graf Fugger macht auf eine polemisch formulierte Schrift aufmerksam, welche die Bedrängnis der evangelischen Bevölkerung durch das Restitutionsdelikt erkennen lasse.

Besucher des Fugger-Museums sollten Zeit einplanen

Diese von Kaiser Ferdinand II. am 6. März 1629 erlassene Verordnung legte fest, dass der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden sollte. Diese Verordnung setzte damit die katholische Interpretation des Augsburger Religionsfriedens aus dem Jahr 1555 durch und markierte den Höhepunkt der kaiserlichen Macht im Dreißigjährigen Krieg.

Für einen Besuch im Fugger-Museum sollte man Zeit mitbringen. Denn nicht nur hinter auffälligen, sondern auch manchen zunächst unscheinbar wirkenden Exponaten verbergen sich teilweise spannende Geschichte und Hinweise auf historische Ereignisse. So sollten die Jagd- und Kriegsutensilien – etwa eine Rüstung, Stilette, Lanzen und ein Landsknechtdolch – und eine Kutschenuhr genau betrachtet werden. Auch venezianische Spitze und ein Backgammon-Spiel aus dem 18. Jahrhundert, kunstvolles Porzellan und Glas aus Schleswig und Böhmen sowie kirchliche Bilder, Statuen und Kreuze sind zu bewundern – und machen den Museumsrundgang zum Erlebnis.

Lesen Sie außerdem, was sich in Zukunft am Fuggerschloss in Babenhausen ändern könnte.

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