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Babenhausen

03.12.2019

Gartenbauverein droht nach mehr als 120 Jahren das Aus

Vieles gibt es für Alfons Müller und Gerda Ellmann in dem alten Protokoll- und Chronikbuch zu entdecken. Es reicht bis in das Gründerjahr 1898 zurück.
Bild: Fritz Settele

Alfons Müller hört nach 36 Jahren als Vorsitzender des Vereins in Babenhausen auf – und findet keinen Nachfolger.

Als Alfons Müller vor rund 36 Jahren Vorsitzender des Babenhauser Obst- und Gartenbauvereins wurde, hatte er gewiss nicht gedacht, dass er dieses Amt sein halbes Leben lang innehaben würde. Im kommenden Frühjahr jedoch soll endgültig Schluss sein. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich allerdings äußerst schwierig. Sollte sich bis zur Jahresversammlung Mitte März niemand finden, droht dem Verein die Auflösung.

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Der 72-jährige Alfons Müller – im Fuggermarkt bekannt als „Stadtgärtner“ – hat sich seinen Entschluss nicht leicht gemacht. Doch da er aus gesundheitlichen Gründen bereits sein Marktratsmandat, das er 28 Jahre lang innehatte, niedergelegt hat, folgt nun der nächste konsequente Schritt. So tritt er, wie bereits in der Frühjahrsversammlung des Obst- und Gartenbauvereins Babenhausen angekündigt, bei den anstehenden Vorstandswahlen nicht mehr an. Und auch seine Stellvertreterin Gerda Ellmann, mit der er zusammen eine Art „Doppelspitze“ bildete, zeigt sich gegenüber unserer Redaktion amtsmüde.

Neue Ideen sind gefragt - etwa in Sachen Digitalisierung

Doch alle Gespräche, die die beiden mit potenziellen Nachfolgern führten, blieben erfolglos. Niemand scheint in die sicher großen Fußstapfen von Alfons Müller treten zu wollen. Dabei stünden Teile des jetzigen Vorstands – wenn gewünscht – weiterhin an deren Seite. „Die Lage ist ernst“, sagt Müller.

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Es bestünde jetzt die Chance, einen Wandel in der Vereinspolitik zu vollziehen. „Die Vereinsarbeit gehört in jüngere Hände mit neuen Ideen.“ Müller denkt dabei nicht zuletzt an den Umgang mit Neuen Medien und eine digitale Vernetzung samt Internetauftritt.

Auch Gerda Ellmann beobachtet ein Umdenken in der jüngeren Generation: „Die Zeiten haben sich geändert und der Umweltgedanke hat inzwischen einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft.“ Müller ergänzt: „Während früher fast jeder Häuslebesitzer einen Obst- und Gemüsegarten hatte, stellen diese angesichts der kleineren Grundstückszuschnitte heute schon eher eine Seltenheit dar“. Auch die früher beliebten Baumschnittkurse gehörten inzwischen der Vergangenheit an. Es gelte nun, „mit neuen Konzepten“ junge Familien für den rund 180 Mitglieder zählenden Obst- und Gartenbauverein zu gewinnen.

Es wäre traurig, so Ellmann und Müller übereinstimmend, müsste sich der Verein mangels Vorstand auflösen. Schließlich war er schon 1898 als Obst- und Bienenzuchtverein gegründet worden. Im Dritten Reich wurden Mitte der 1930er-Jahre – staatlich verordnet – zwei Vereine daraus, wobei zum Obstbauverein später der Bereich Gartenbau kam. Eine Besonderheit: Das Protokoll- und Chronikbuch ist von den Gründerjahren bis heute lückenlos erhalten, auch wenn Nachfolgebände angelegt wurden.

Neuer Vorstand oder Auflösung des Vereins – vor diesen Alternativen stehen die Mitglieder nun. So lautete derzeit die Devise: „Doppelspitze sucht Nachfolger!“

Info:Wer sich für den Erhalt des Obst- und Gartenbauvereins einsetzen und für ein Führungsamt zur Verfügung stellen will, kann sich an Alfons Müller und Gerda Ellmann wenden. Auch Personalvorschläge können gemacht werden.

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