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Illertissen

07.07.2016

Gartenserie: Auch mit 70 lohnt es, einen Garten anzulegen

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2 Bilder
Edeltraud und Dieter Baur in ihrem eineinhalb Jahre alten Gartenparadies, wo vieles wachsen darf wie es will. Das spart Arbeit und bringt Überraschungen, denn nur so kamen die beiden zu ihrer prächtigen Anlage.
Bild: Langhans

Binnen zweier Jahre haben Edeltraud und Dieter Baur ein blühendes Paradies hochgezogen. Worauf es ankommt:

Auch mit 70 Lenzen ist es nicht zu spät, einen Garten anzulegen – die neue Grünanlage von Edeltraud und Dieter Baur gibt dafür ein blühendes Beispiel. Vor zwei Jahren hat der heute 72-jährige Illertisser begonnen, sein Grundstück mit dem benachbarten zu verbinden und daraus ein Blumenparadies geschaffen mit Freitreppe, Ruinenplatz, Brunnen und vielen romantischen Blickfängen. „Das lohnt sich auch noch in unserem Alter“, versichern die zwei, nachdem sie sich aus der Stadtpolitik ins Grüne zurückgezogen haben.

Wenn die Freunde vom Gartenbauverein nach Sinn und Zweck ihrer „grünen Investition“ fragen, haben die Baurs gleiche mehrere Antworten parat: Geht es darum, trotz kürzer werdender Lebenserwartung von einem neuen Garten zu profitieren, so zitiert Dieter Baur Martin Luther: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“ Und Ehefrau Edeltraud versichert, wenn sie auf die, im 1300 Quadratmeter großen Areal anfallende Arbeit angesprochen wird: „Ich bin nicht die Sklavin meines Gartens.“ Nicht alle Freizeit schenken sie ihrem grünen Paradies. Letztlich betrachten sie dieses sogar als eine Art Investition, und das hängt mit dem Grundstück selbst zusammen. Der Hausherr hat das baufällige Elternhaus geerbt, die Familienmitglieder ausgezahlt, alles bis auf eine noch brauchbare Hütte abgerissen und daraus eine Garten- und Ruinenlandschaft gestaltet.

Dieter Baur hat gemauert und Strukturen geschaffen, während seine Frau Flohmärkte für dazu passende Raritäten abklapperte. Dieses Tun bedurfte der groben Planung. Aber mit Weitsicht gingen sie das Pflanzen an, vor gerade mal eineinhalb Jahren.

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Heute ist das Paradies zugewachsen, Baur kann an kurzstämmigen Bäumchen erste Äpfel ernten, und in den Gemüsebeeten wird das ganze Jahr über gepflanzt und geerntet. Der Trick dabei, der eigentlich keiner ist, heißt: „Nur soviel in die Erde geben, wie gegessen werden kann, also in angemessenen Zeitabständen je zwei oder drei Salatköpfe, ein oder zwei Bohnenpflanzen und so weiter. Generell ersparen sich die Baurs Zeit und Mühe, indem sie nicht gegen sondern mit der Natur wirtschaften. Bestes Beispiel ist ein Pfirsichbäumchen mit schönsten Früchten, das von selbst aufgegangen ist und weiterwachsen durfte, weil Baur neugierig geworden war: „Ich wollte wissen, was daraus wird und habe den Weg einfach um das Bäumchen herum gebaut.“

Ähnlich erging es Edeltraud Baur mit ihrer Blumenpracht. Sie wollte frei gebliebene Flächen neben ihren kleinen Lavendelstöcken bedecken und säte Blumen. Sie samten aus und führten heuer zu einem Blütenmeer, dem die Blumenfreundin Einhalt gebieten wird, damit ihr Lavendel nicht untergeht. Eingerahmt von verschlungenen Wegen und überragt von mediterran anmutendem Mauerwerk, deren Balken über der Sitzecke demnächst vom blühenden Blauregen überwuchert sind, bietet sich dem Betrachter eine wilde Schönheit. Rasen findet in dem neuen Garten so gut wie keinen Platz, dafür aber mit Mauerpfeffer überwachsene Rasensteine für eine flexibel zu handhabende Einfahrt oder Abstellfläche. Hier ist tatsächlich Unkraut-Rupfen vonnöten, doch Edeltraud Baur trägt’s mit Fassung: „Wer in Urlaub fahren will, investiert dafür auch Zeit, Geld und muss einiges in Kauf nehmen, bis er am Ziel ist.“ Wenn sich die Baurs auf ihrer Terrasse zwischen Ruinen sonnen oder vielleicht Kaffee trinken am Bistrotisch beim alten Gartenhäuschen, ist es Urlaub. Und sie haben vieles zu entdecken in dem sich täglichen wandelnden Paradies, wo Edel- und Buschrosen, alte und neue Sorten, gefüllt oder nicht, verschwenderisch blühen und duften. Es scheint, als ob die nur entlang der Wege und Plätze regulierte Pflanzen- und Gräservielfalt eigenen Gesetzen gehorchte, um ein harmonisches Bild zu ergeben. Lieblingsgewächse und -Plätze für Schmetterlinge, Vögel, Bienen und Insekten wirken wie kleine Naturschutzgebiete und bieten dem Betrachter ein geschäftiges Hin- und Her.

Während Dieter Baur sein grünes Wissen gerne aus Büchern bezieht, holt sich seine Frau ihre Anregungen beim Anschauen. Dazu kommt ihre gemeinsame Erfahrung, um zu behaupten: „Für einen Garten ist es nie zu spät, schon wegen der Gesundheit durch frische Luft, ein Gewinn, der sogar noch vor der ersten Ernte zu haben ist.“

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