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Illertissen

03.11.2017

Gebirgsjäger lösen Verein auf

Anton Raible, Helmut Stehle und Alois Stimpfle (hinten von links) übergeben Albert Vogt und Max Kanz (rechts), zweiter und erster Vorsitzender des Heimatvereins, ihre Fahne.
Bild: Regina Langhans

Die Kreiskameradschaft kann nicht mehr fortbestehen. In der Region ist das kein Einzelfall. Die Ehemaligen sagen, was jetzt mit ihrem Vereinseigentum geschieht.

Die Kreiskameradschaft der Gebirgsjäger Illertissen ist nunmehr Geschichte. Nach 58 Jahren hat sich der Verein aufgelöst. Daher übergaben der bisherige Vorsitzende Helmut Stehle, Kassier Anton Raible sowie Alois Stimpfle, Kassenprüfer und ehemaliger Fähnrich, ihre Fahne dem Heimatverein Illertissen zur Aufbewahrung. Ihm haben sie auch einen Teil ihres Vereinsvermögens vermacht, weiter profitieren der Grünten-Denkmal-Erhaltungsverein Sonthofen und der Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Die Illertisser Kreiskameradschaft teilt ihr Los mit anderen Soldaten- oder Veteranenvereinen: Es rücken zu wenig jüngere Mitglieder nach. So haben die Gebirgsjäger bereits am 22. April die Auflösung ihres Vereins beschlossen – weil niemand das Amt des Vorsitzenden übernehmen wollte. Der Beschluss ist jetzt vollzogen. Mit 58 Mitgliedern stand der Verein – so mag es scheinen – nicht ganz schlecht da. Doch Helmut Stehle wollte sich nach 17 Jahren nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung stellen. Er bedauert, dass sich kein einziger auch nur für irgendein Amt bereit erklärt habe. Stehle gehört mit seinen 76 Jahren schon zu den Jüngeren des überalterten Vereins. Anton Raible, seit 25 Jahren Kassier, ist 94 Jahre alt und Alois Stimpfle, vormals 15 Jahre Fähnrich, 89 Jahre.

Der Verein wurde im Oktober 1959 in der Schlossbräu-Gaststätte in Illertissen gegründet. Raible erinnert sich gut: „Der ganze Saal war voll.“ Ein besonderer Gast sei General Rudolf Konrad aus München gewesen, der Gründervater des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“. Als ehemaliger Kriegsteilnehmer erklärt Raible die Ziele des neuen Vereins: „Uns Heimkehrern ging es um die Pflege der Kameradschaft und das Verarbeiten der Kriegserlebnisse.“ Im Verein habe es nur Kameraden gegeben, nicht mehr Politiker. Im Jahr 1968 hätten sie ihre Fahne geweiht – eine kunstvolle Stickarbeit von Klosterfrauen in Ingolstadt. Die Kreiskameradschaft hatte sich zur Pflicht gemacht, bei allen lokalen Veranstaltungen mit Fahnenabordnungen vertreten zu sein: vor allem am Volkstrauertag, zu Feiern am Soldatenfriedhof Reutti oder Soldatenwallfahrten nach Matzenhofen. Sodann unternahmen sie Ausflüge, waren jedes Jahr bei der Brendtenfeier in Mittenwald anzutreffen, ebenso bei Kameradschaftstreffen in Sonthofen. Die Ex-Mitglieder verteilen sich auf Illertissen, Vöhringen, Bellenberg, Winterrieden, Ebershausen, Breitenthal. Um nicht ganz den Kontakt zu verlieren, wollen sie sich in einer Stammtischrunde treffen. Helmut Stehle findet es schade, wenn ihre Anliegen nicht mehr außen getragen werden, wie es durch den Verein möglich war. Er hat Verständnis für den Wandel der Zeit – indem etwa immer weniger Fahnenträger wochentags für Beerdigungen zur Verfügung stünden – nicht aber für ein Vergessen der Erinnerungskultur. Um so mehr zollt Stehle seinen langjährigen Vorstandskollegen Respekt und Anerkennung, da sie zum vergleichsweise langen Erhalt ihrer Kameradschaft beigetragen hätten.

Das handgearbeitete Aushängeschild der Gebirgsjäger haben die Heimatvereinsvorsitzenden Max Kanz und Albert Vogt bei den historischen Fahnen im Depot gelagert. Es soll im Rahmen geplanter Sonderausstellungen zu sehen sein. Für Max Kanz sind Vereinsauflösungen ungewohnt. Zwar hätten sich kürzlich die Eisstockschützen aufgelöst, doch sonst sind ihm aus jüngerer Vergangenheit keine bekannt.

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