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Illertissen

30.10.2017

Gegen ein Bollwerk des Katholizismus

Am 31. Oktober vor 500 Jahren soll Martin Luther seine Thesen in Wittenberg angeschlagen haben: Das löste die Reformation und damit die Spaltung der Kirche aus. Vielerorten wird dieses Jubiläum gefeiert. Im Altlandkreis Illertissen ist von davon jedoch wenig zu spüren. Und dafür gibt es Gründe.
Bild: Günther Jansen (Symbol)

Die Reformation begann vor 500 Jahren. Warum es die Bewegung in der Region nicht leicht hatte: eine Spurensuche.

von Ralph Manhalter

Am 31. Oktober vor 500 Jahren soll Martin Luther seine Thesen in Wittenberg angeschlagen haben: Das löste die Reformation und damit die Spaltung der Kirche aus. Vielerorten wird dieses Jubiläum gefeiert. Im Altlandkreis Illertissen ist von davon jedoch wenig zu spüren. Und dafür gibt es Gründe. Die Ursachenforschung führt zurück ins Jahr 1555, zum Augsburger Religionsfrieden, der den Anhängern Luthers die Ausübung ihrer Religion zugestand. Allerdings war der Friede eigentlich kein Friede, sondern nur ein Aufschub des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten, der im Dreißigjährigen Krieg (1608 - 1648) große Teile Süddeutschlands blutig entvölkerte.

Zumindest auf dem Papier schrieben in Augsburg Kaiser Ferdinand I. und die Reichsstände (weltliche und geistliche Fürsten mit einem Sitz im Reichstag) das berühmte Cuius Regio Eius Religio (Wessen Gebiet, dessen Religion) fest, wonach sich die Untertanen konfessionell ihrem Landesherrn anzupassen hatten. Begeistert von den reformatorischen Gedanken – wenn auch in erster Linie aus politischen denn aus theologischen Gründen – konvertierten die Reichsstädte recht bald zum neuen Glauben. Ulm schloss sich ab 1530 mehrheitlich der Reformation an, Memmingen folgte nach einem Rekatholisierungsversuch wenig später. In der Illertisser Umgebung sah das anders aus: Dort verfügten weder die Reichsstadt Ulm, noch die Reichsstadt Memmingen über die Landeshoheit, so dass an eine flächendeckende Übernahme des Protestantismus nicht zu denken war. Anders verhielt es sich lediglich in den Gemeinden Balzheim, Wain oder Lauben, die entweder Bestandteil eines reichsstädtischen Gebietes waren oder deren Ortsherrschaft aus protestantischen Patriziern bestand.

Die hiesigen Landesherren verblieben hingegen beim alten Glauben, auch wenn der eine oder andere durchaus mit den revolutionären Ideen sympathisiert haben mag. Somit stellte sich nach dem Religionsfrieden die Glaubensfrage öffentlich gar nicht mehr. Überliefert ist aus der Herrschaft Illereichen, dass sich zu Beginn der Reformation zwei Pfarrer der neuen Lehre angeschlossen hatten – was bei den einheimischen Bauern etwas Widerhall fand. Allzu lange dürften sie jedoch nicht gepredigt haben, denn schon wenig später akzeptierte der Landesherr Hans von Rechberg nur noch Vikare ohne Daueranstellung.

Ein Bollwerk des Katholizismus bildete auch das Fuggerische Schloss in Babenhausen mit der angrenzenden Kirche. Nachdem die Kirche St. Anna in Augsburg zusammen mit der Fuggerischen Familiengrablege 1525 protestantisch wurde, wählte der Babenhausener Landesherr Anton Fugger die Schlosskirche St. Andreas als Ruhestätte. Nach seiner Frau und einem Kind wurde er selbst 1560 in „gut katholischer Umgebung“ bestattet.

Ein allmählicher, wenn auch langsamer Zuwachs an protestantischer Bevölkerung ergab sich erst im Rahmen der Industrialisierung. Im 19. Jahrhundert wanderten aus anderen vorwiegend fränkischen Teilen Bayerns Menschen evangelischen Glaubens nach Schwaben aus. Hier und da entstanden die ersten protestantischen Gotteshäuser, nachdem in den Jahren zuvor Seelsorger aus weiter entfernteren Orten die Glaubensminderheiten mitbetreuten. So versorgte der evangelische Pfarrer aus Lauben eine Handvoll Glaubensbrüder in Babenhausen, wozu er damals eigens mit einer Kutsche anreiste um den Gottesdienst im Rathaus zu feiern.

Die gewichtigste Umschichtung erfolgte mit den Vertreibungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Nun strömte eine Vielzahl von Bürgern aus traditionell protestantischen Ostgebieten in die Gemeinden der Region. Neue Kirchen wurden errichtet, andere umgewidmet.

Allerdings blieb das Land zwischen Iller und Günz durch und durch katholisch geprägt: Die Reformation scheint ohne wesentliche Spuren an Illertissen, Babenhausen und Umgebung vorbeigegangen zu sein.

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