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Bellenberg

25.02.2015

Geheimzutat Kuchentratsch:  Mit dem eigenen Startup zum Erfolg

Selbstgemacht – vom Konzept bis zum Kuchen: In der Kuchentratsch-Küche werden Erfahrungen ausgetauscht und viel geredet.
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Selbstgemacht – vom Konzept bis zum Kuchen: In der Kuchentratsch-Küche werden Erfahrungen ausgetauscht und viel geredet.

Im Kampf gegen Altersarmut stemmt Katrin Blaschke aus Bellenberg gemeinsam mit einer Freundin ein gewaltiges Projekt.

Man nehme eine Handvoll Bäckerinnen aus Leidenschaft, zwei junge Unternehmerinnen mit viel sozialem Engagement und Einfühlvermögen. Dazu kommt eine Prise Unternehmergeist und schon erhält man einen großen Kuchen von dem viele eine Scheibe abhaben können – vor allem Menschen, die nicht mehr am Berufsleben teilnehmen, dafür aber eine Liebe zum Backen mitbringen können.

Die Bellenbergerin Katrin Blaschke hat mit ihrer Freundin Katharina Mayer in deren Heimatstadt München ein kleines Unternehmen gegründet: Kuchentratsch. Damit kämpfen sie gegen Altersarmut und Vereinsamung. Sie wollen älteren Damen zeigen, dass sie gebraucht werden und holen sie deshalb in eine Küche, um gemeinsam zu backen und die leckeren Happen zu verkaufen. Omas Hände zaubern eben den besten Kuchen, sagt Blaschke und erklärt, wie die beiden auf ihre Unternehmens-Idee gekommen sind.

„Katharina hat auf ihrer Brasilienreise durch die Straßenverkaufsstände inspirieren lassen.“ Die ältere Generation bereitet die Süßwaren her, die jüngere verkauft. Dort liegen also die Wurzeln von Kuchentratsch. Zusammen mit Katrin wurde an der Idee gefeilt. Sie wollten den Omas eine Aufgabe geben, eine, in der sie Spezialisten sind, eine Tätigkeit, an die sie gewohnt sind.

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Und so war es schnell geschehen. Die Damen kommen öfter aus ihren Wohnungen heraus, bringen sich ein und reden miteinander. Bei Katharina und Katrin werden sie seit Juni 2014 eingesetzt und verdienen so ein paar Euro zur Rente dazu. Blaschke erzählt von Erlebnissen aus der Küche: „Es entstehen tolle Gespräche und alle haben eine Gemeinsamkeit: das Backen. Da gibt es keine Hemmungen einfach mal zu reden.“

Die Mädels von Kuchentratsch haben sich beim Studium in Innsbruck kennengelernt. Mayer studierte Nonprofit- Sozial- und Gesundheitsmanagement und Blaschke Kommunikation und IT. Beide schlossen ihren Bachelor ab und zogen nach München.

Sie bringen alles unter einen Hut. Für ihre Idee mieten sie derzeit noch eine alte, triste Kantinenküche an. Ein bis zwei Mal in der Woche treffen sie sich mit vier bis fünf Seniorinnen, um Russischen Zupfkuchen, Apfelkuchen oder auch mal Kuchen im Glas zu backen. Selbstgemacht und mit Zutaten von regionalen Lieferanten. Die Eier zum Beispiel, die kommen aus Tiefenbach. Verkauft werden die süßen Stückchen dann unter anderem an Münchner Cafés.

Die kleine Küche gehört bald der Vergangenheit an. Blaschke und Mayer packen ein großes Projekt an. Sie wollen ihre eigene Backstube in München, in der bis zu zehn Personen auf einmal backen können. Die Schlüssel für die Räume haben sie bereits und auch Fliesen wurden schon verlegt – vom heimischen Fliesenleger Müller aus Unterroth. Wände werden eingezogen und in Backöfen, Kühlschränke oder eine Sofaecke mit Teeküche soll investiert werden. Dafür sammelt das Start-Up Geld im Internet: bei der Crowdfunding-Plattform startnext. Denn so eine Backstube finanziere sich nicht von selbst und müsse erst einmal gestemmt werden, so Blaschke. 26 Tage lang darf noch gespendet werden, dann endet das Projekt im Netz. Die 25-Jährigen brauchen insgesamt 35000 Euro, 2631 sind es bisher. Erreichen sie ihr Ziel nicht, gehen die Spenden an die Personen zurück. Die beiden sind nervös. Sie wissen, dass es schwierig ist, solch eine hohe Summe aufzubringen. Doch die Hoffnung bleibt. „Auch wenn es nicht klappt, wollen wir weitermachen“, sagt Blaschke fest entschlossen. Inzwischen sei so viel investiert worden und die Seniorinnen sollen auch nicht mehr auf ihren Job verzichten müssen.

Der süße Duft von gekochten Äpfeln liegt in der Münchner Küche. Vier Frauen backen Kuchen, tauschen sich aus. Ohne sie funktioniert hier nichts. Bisher wurden über 600 Kuchen gebacken. Blaschke und Mayer haben ein Ziel: Sie wollen die Backstube Kuchentratsch fest in München etablieren. Und wenn das Projekt funktioniert, soll neuen Anlaufstellen in anderen großen Städten nichts mehr im Weg stehen.

Jeder Bäcker hat seine Geheimzutat. Vielleicht ist es bei Kuchentratsch das Helfen und Helfen lassen. Verraten wird das nicht.

Kuchentratsch im Internet unter www.kuchentratsch.de

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