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Illertissen/Neu-Ulm

23.10.2020

Geht das Hamstern wieder los? Das sagen Händler im Landkreis Neu-Ulm

Ein Déjà-vu der Corona-Hochphase im Frühjahr: Wieder stößt man beim Einkaufen vermehrt auf leere Regale. Wird beim Einkaufen wieder gehamstert?

Plus Viele haben es bemerkt: Die Regale für manche Produkte leeren sich schneller als gewohnt. Wird wie im Frühjahr gehortet? Das sagen lokale Supermärkte und Läden.

Klopapier. Allein dieses Wort genügt, um Erinnerungen an leere Regale und die Corona-Einschränkungen im Frühjahr zu wecken. Und obwohl die Erfahrung eigentlich gelehrt haben sollte, dass das Klopapier nicht ausgehen wird: Auch jetzt im Herbst scheinen manche Kunden lieber mal eine zusätzliche Packung in den Einkaufswagen zu legen. Geht das Hamstern etwa wieder los? Oder täuscht der Eindruck, den mancher dieser Tage im Supermarkt um die Ecke gewinnt?

Aldi Süd und Feneberg bestätigen einen Anstieg der Nachfrage

Aldi Süd betreibt in Altenstadt ein Zentrallager. Eine Sprecherin des Konzerns teilt auf Nachfrage mit: „Aktuell verzeichnen wir in unseren Filialen erstmals wieder einen leichten Anstieg der Nachfrage nach vereinzelten Produkten.“ Um welche es sich genau handelt, lässt sie offen und schiebt stattdessen nach: „Wir möchten betonen, dass es für Hamsterkäufe keinerlei Anlass gibt.“ Wie sich die Nachfrage vor Ort entwickelt, werde aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Monate sehr genau beobachtet, um etwaige Lieferengpässe zu vermeiden. Sowohl der Konzern an sich, als auch die einzelnen Filialen vor Ort richten ihre Produktbestellungen danach aus. Aldi Süd sieht sich gut vorbereitet: „Wir erwarten derzeit keine Einschränkungen bei der Verfügbarkeit.“

Die Lebensmittelkette Feneberg mit Zentrale in Kempten betreibt unter anderem Filialen in Weißenhorn und Babenhausen. Eine Sprecherin bestätigt die steigende Nachfrage: „Wir können wieder erste Tendenzen in diese Richtung beobachten.“ Das treffe vor allem auf die bereits im Frühjahr rege gekauften Produkten wie Klopapier zu.

Hamsterkäufe sorgten im Frühjahr für leere Regale in der Region.
Bild: Sophia Huber

Im Kellmünzer Dorfladen ist von Hamsterkäufen nichts zu spüren

In der Netto-Filiale in Illertissen sind am Freitagnachmittag nur wenige Menschen unterwegs. Ob die Kassiererinnen vermehrt Hamsterkäufe registrieren? „Oh ja“, sagt eine Mitarbeiterin. „Die Leute kaufen ein wie verrückt.“ Vor allem Küchenpapier, Hefe, Milch. Ihre Kollegin sieht das anders: „Ich finde, es hält sich noch im Rahmen.“

Im Kellmünzer Dorfladen nimmt momentan alles seinen gewohnten Gang; dass größere Mengen als üblich eingekauft werden, davon sei nichts zu spüren, berichtet Anna Rapp, eine der ehrenamtlichen Geschäftsführerinnen. Allerdings, so räumt sie ein, hätten die Hamsterkäufe den Dorfladen im Frühjahr etwas zeitverzögert erreicht. „Als in anderen Geschäften die Waren ausgegangen waren, kamen die Leute zu uns“, erinnert sie sich. Trotzdem seien begehrte Produkte wie Klopapier, Hefe, Mehl oder Nudeln fast ununterbrochen vorhanden gewesen; leere Regale habe es im Dorfladen nicht gegeben, so Rapp. Im Ausnahmefall sei eine kurzfristige Lücke bis zur nächsten Lieferung entstanden, berichtet die Geschäftsführerin. Generell sieht Rapp für panikartige Hamsterkäufe keine Veranlassung. Von einem Toilettenpapierhersteller beispielsweise wisse sie, dass die Lager voll seien. Auch das des Dorfladens sei in vielfacher Hinsicht gut bestückt.

Keine Engpässe in den Lieferungen: Hamsterkäufe sind auch in Illertissen nicht nötig

Dass Menschen in Krisenzeiten zu Hamsterkäufen neigen, weiß Rapp noch von der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986. Damals arbeitete sie in einem Discounter. Die Leute hätten oft riesige Mengen gehortet, besonders begehrt gewesen seien etwa Obst- oder Gemüsekonserven, denn das Produkt in der Dose war noch vor dem Reaktorunglück geerntet worden. „Ihr Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten haben die Leute damals weggeschmissen“, erinnert sie sich an das Katastrophenjahr. Ihr waren Fälle bekannt, in denen Dosenstapel in so manchem feuchten Keller innerhalb relativ kurzer Zeit zu rosten begannen und schließlich entsorgt werden mussten.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner sagte jüngst gegenüber der FAZ: „Wer hortet, handelt nicht nur unlogisch, sondern auch unsolidarisch. Und am Ende landet vieles in der Tonne.“ Trotz steigender Infektionszahlen gebe es keinen Grund, größere Mengen als sonst einzukaufen. „Die Lieferketten funktionieren – das gilt nach wie vor“, wird sie zitiert. Die Lebensmittelversorgung sei in Deutschland zu keiner Zeit in der Pandemie gefährdet gewesen.

Einige Unternehmen haben ihre Lieferungen sogar aufgestockt. Der Nudelhersteller Barilla transportiert seine Waren seit März mit dem Zug von Parma nach Langenau bei Ulm. Zu Beginn fuhren zwei Züge pro Woche nach Süddeutschland, mittlerweile sind es vier, wie Barilla in einer Pressemitteilung schreibt. In einem Zug karrt Barilla 490 Tonnen Nudeln, 60 Tonnen Soße und 40 Tonnen Pesto nach Ulm. Pasta Napoli ist damit sicher – Corona-Pandemie hin oder her.

Hier finden Sie Berichte vom Frühjahr:

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