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Illertissen

16.05.2018

Geisterstunde im Illertisser Glashaus

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur im Glashaus“ präsentierte Julia Rinderle Geister- und Gespenstermusiken.
Bild: Claudia Bader

Wie es Pianistin Julia Rinderle schafft, die Zuhörer in fremde Welten zu entführen.

Bis Mitternacht sind es noch vier Stunden gewesen. Aber als sich die Sonne hinter den aufziehenden dunklen Wolken versteckte und ein kräftiger Wind durch das Geäst der Bäume strich, wurde es rund um das Glashaus in Illertissen fast ein wenig unheimlich. Genau die richtige Stimmung für „Geister- und Gespenstermusik.“ Pianistin Julia Rinderle zeigte sich dabei voll in ihrem Element. Mit Werken von Anselm Hüttenbrenner, Robert Schumann, und Sergej Prokofiev entlockte sie ihrem Flügel furiose Klangwelten, ließ Stimmungsmalerei, Energie und Spieltemperament aufeinandertreffen.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur im Glashaus“ präsentierte die aus Bad Grönenbach stammende, junge und bescheiden wirkende Pianistin einen Konzertabend, den man nicht so schnell vergisst. Vor allem, weil er faszinierende, spannungsgeladene Musik zum Klingen brachte, die leider nur sehr selten zu hören ist.

Mit einigen „Geisterszenen“ von Anselm Hüttenbrenner schuf Julia Rinderle gleich zum Auftakt mit stürmischen Tastenritten eine dramatische Gewitter-Atmosphäre. Die Zuhörer konnten sich zurücklehnen und bei geschlossenen Augen Bilder von Blitz und Donner, einer nächtlichen Wanderung durch einen düsteren Wald und geheimnisvolle Nebelschwaden durch den Kopf ziehen lassen. Neben ihrer technischen Souveränität besitzt Julia Rinderle persönliche Ausstrahlung, bewies Klangsensibilität, Stilgefühl und Innerlichkeit.

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Auch in Robert Schumanns „Geistervariationen“ wirkte ihr Spiel voller Vitalität, Esprit und eleganter Kraft. Die kontrastreichen Klangfarben luden ein, die Augen erneut zu schließen, um sich ganz auf die Interpretationen einzulassen. In Sergej Prokofievs „Sarkasmen“ entwickelte die Künstlerin eine Musik voll brennender Intensität und berstender Anschlagskraft. Ohne jegliche Noten und mit der ihr eigenen technischen Brillanz entfachte die Pianistin in Franz Schuberts sonatenähnlicher „Wanderer-Fantasie“, die ihren Namen dem gleichnamigen Lied verdankt, eine Fülle von Stimmungen. Rinderles Auseinandersetzung mit dem Werk spiegelte sich sowohl in detaillierten Erläuterungen wider als auch in vielen Nuancierungen während des Spiels.

Die Besucher hätten noch stundenlang zuhören können und bedankten sich mit viel Applaus. Natürlich durften sie dafür eine Zugabe hören: Als effektvollen Kontrast zur spannenden Geister- und Gespenstermusik ließ die Pianistin den Abend mit Franz Schuberts bekanntem, harmonischem „Ständchen“ ausklingen.

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