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Bellenberg

25.05.2020

Gemeinde Bellenberg kauft Grundstück mit abgebranntem Gebäude

Die Firmengebäude der Firma Heinrich Sohn in Bellenberg, wie sie heute nach dem Brand aussehen. Das Gelände stand bereits länger zum Verkauf, Mitte Februar ist dort ein Feuer ausgebrochen. Nun hat es die Gemeinde gekauft.
Bild: Regina Langhans

Plus Vor mehr als 20 Jahren stellte die Reinigungsfirma Heinrich Sohn in Bellenberg die Arbeit ein. Das Betriebsgelände ist verunreinigt. Nun hat es die Gemeinde dennoch gekauft.

Mitten in Bellenberg, direkt am Mühlbach, liegt das Gelände der ehemaligen Reinigungsfirma Heinrich Sohn. Die Gemeinde hat bereits seit einigen Jahren Interesse daran. Kürzlich hat sie es gekauft. Aufsehen erregt hatte Anfang dieses Jahres ein Großbrand auf dem Gelände, der große Teile des alten Gebäudes zerstört hatte.

Investoren wollten sich Filetstücke herauspicken

Wolfgang Schrapp war es noch in seiner Zeit als geschäftsführender Zweiter Bürgermeister gelungen, mit Verhandlungsgeschick das 25000 Quadratmeter große Areal als Ganzes zu erwerben. Für die Gemeinde ein Erfolg. „Es bestand Gefahr, dass sich Investoren die Filetstücke herauspicken und nur die belasteten Grundstücke an der Gemeinde hängen bleiben“, erklärt Schrapp.

Bereits seit Jahren war das durch Lösungsmittel bis ins Grundwasser verunreinigte Gelände ein Thema, sagt Wolfgang Schrapp. Nun habe sich herausgestellt, dass die Bodenverschmutzung weniger gravierend ausfalle als befürchtet.

Gemeinde Bellenberg kauft Grundstück mit abgebranntem Gebäude

Der Kommune kommt der Geländeerwerb zwischen Bachstraße und Schönebergstraße im Sinne einer künftigen Ortskernentwicklung gelegen. Ein Planungsbüro in München, mit dem die Gemeinde schon gute Erfahrungen gemacht hat, ist für Gestaltungsvorschläge im Zentrum bereits beauftragt worden. Die neue Fläche lasse sich gegebenenfalls in deren Planungen mit aufnehmen, so Schrapp. Eine vorschnelle Bebauung durch Investoren wäre seiner Einschätzung nach hinderlich. Schrapp geht von einem größeren Planungszeitraum aus.

Bauhof könnte auf dem Grundstück erst einmal als Lager nutzen

Derzeit wird das ausgediente Fabrikgelände von kleinen Betrieben genützt, meist, um dort Dinge zu lagern. Auch der Bellenberger Bauhof könnte eine erst Anfang der 1990er-Jahre gebaute Halle gut als Unterstellmöglichkeit gebrauchen, so Schrapp.

Die Firma Heinrich Sohn hatte im Jahr 1998 ihren Betrieb eingestellt und die Gebäude verpachtet, zunächst an eine andere chemische Reinigung. Das Familienunternehmen lebt in den Geschäften von Sport Sohn in Ulm und Neu-Ulm weiter, geführt von der Familie Holbein. Ernst Sohn hatte 1950 das Stammhaus in Neu-Ulm gegründet.

Das Gelände in Bellenberg gehörte einer Erbengemeinschaft, von der es die Kommune erwarb. Anfangs stand dort eine Ölmühle, angetrieben von der Wasserkraft des Mühlbachs. Bereits 1935 erwarb Heinrich Sohn das Areal und errichtete darauf seine Firma. Zunächst eine Reinigung zur Entfettung von Bekleidungsleder und Fellen. Bald wurde aber alles Mögliche hergestellt, Heeresausrüstung wie Wagenplanen, Sanitätertaschen oder Instrumentenhüllen.

Es arbeiteten einmal 150 Menschen in der Firma

Nach Kriegsende entstand eine chemische Großreinigung mit Annahmestellen in der ganzen oberschwäbischen Region. Dazu kamen Färberei, Näherei und Sattlerei. Der Fußball „Söhnlein“ war über Bayern hinaus bekannt. In Blütezeiten gab die Firma Heinrich Sohn rund 150 Beschäftigten Arbeit.

Mitte Februar 2020 sorgte die einstige Firma noch einmal für Schlagzeilen: Ein Brand zerstörte große Teile des stillgelegten Fabrikgebäudes. (Mehr zu dem Großeinsatz der Feuerwehr und ein Video finden Sie hier) Ausgelöst wurde er wohl im Bereich der ältesten elektrischen Leitungen, die noch unter Strom standen, vermutet Schrapp. Auch Werner Denzel, Kommandant der Feuerwehr Bellenberg, erklärt, es werde weiterhin davon ausgegangen, dass ein elektrischer Defekt den Brand verursacht hatte. Die Ermittlungen zur Brandursache wurden jedoch eingestellt, weil das schwer beschädigte Gebäude einsturzgefährdet ist, so der Kommandant. Der finanzielle Aufwand zur Absicherung für eine Untersuchung stehe in keiner Relation zum Ergebnis.

Die Höhe des Kaufpreises ist nicht bekannt, er unterliegt der Nichtöffentlichkeit, so Schrapp.

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