Auftritt

29.01.2012

Gepflegter Höhepunkt

Dieses Bild ist etwas ungerecht, denn die meiste Zeit an diesem Abend in der Schranne stand Klaus Kohler im Vordergrund. Aber manchmal muss man eben der Dame den Vortritt lassen, in diese Fall der Sängerin Bettina Ullrich.
Bild: Foto: hip

Klaus Kohler besingt mit seiner Kabarett-Partnerin Bettina Ullrich in Illertissen die Liebe in allen Facetten

Von Ronald Hinzpeter

Illertissen Zarah Leander kannte sich in Liebesdingen aus – oder zumindest diejenigen, die ihr die Liedtexte schrieben. Und so sang sie ihren Geschlechtsgenossinnen und deren Verehrern ins Gewissen: „Nur nicht aus Liebe weinen!“ Das tun eh schon zu viele. Es macht viel mehr Spaß, darüber zu lachen, zumal wenn jemand wie Klaus Kohler dafür die kabarettistischen Steilvorlagen liefert. In der Illertisser Schranne fand er für sein aktuelle Programm „Das Ah und Oh der Liebe“ ein Publikum, das ihm gerne durch das Auf und Ab des Gefühlsgebirges folgte.

Klaus Kohler ist einer, der die klassische Kunst des Kabaretts der alten Schule pflegt. Keine krachende Comedy, dafür gepflegter Wortwitz mit nur gelegentlichen Abstechern ins Flachland. Das Ganze gepaart mit der hohen Kunst der Tastenakrobatik. Da dribbelt er schwindelerregend zwischen den Melodien von Mozart bis Michael Jackson, von Bach bis Dave Brubeck hin und her, wenn er Komponisten als Fußballspieler auftreten lässt. Brillant gibt er den vergrippten Pianisten, der Liszt spielt und dabei Händel mit seiner angegriffenen Gesundheit austrägt.

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Und die Liebe? Ach ja, die kommt in seinem Programm jahreszeitlich angemessen unterkühlt daher. Sie ist vor allem ein Gefühl von früher, das nun in Szenen einer Ehe gemündet ist. Sie bringt weniger die Hormone in Wallung, strapaziert dafür vielmehr die Geduld: „Man geht sich auf die Nerven und möchte sich bewerfen.“ Beziehung für Fortgeschrittene eben. Und manchmal endet die Liaison schon bevor sie begonnen hat, dank eines unvermutet entfleuchte Leibeswindes.

Kohler zur Seite steht an diesem Abend nicht seine gewohnte Partnerin Belinda Schwarz, die gerne als rassige Schöne gepriesen wird, sondern Bettina Ullrich. Die gibt sich nicht minder rassig und hat auch stimmlich einiges auf dem Kasten. Die etwas tiefer gelegten Kabarettlieder passen weniger zu ihrer Stimme als das Zarah-Leander-hafte und vor allem die Opern-Passagen, in denen die gelernte Dozentin für Sprecherziehung und Gesang in die Vollen gehen kann. Das tut sie dann auch ausgiebig beim Höhepunkt des Abends, der sich – genau – dem Höhepunkt beim Liebesspiel widmet. Da wird fröhlich gekommen („Kommet Ihr Hirten!“) und jubiliert. Bettina Ullrich hangelt sich locker durch die Höhen in der Arie der „Königin der Nacht“ aus der Zauberflöte. Der spaßige Abend endet noch einmal mit einem Höhepunkt, indem Kohler sich per Gedicht ausmalt, was wäre, wenn unsere Existenz rückwärts liefe, also mit dem Tod begänne und der Zeugung endete: „Das Leben findet seinen Abschluss im Orgasmus!“ Was für ein Ende!

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