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Babenhausen

05.12.2019

Geplante Sicherheitswacht in Babenhausen weckt Sorgen

Polizei stellt 6 Sicherheitswächter vor. Ärmelabzeichen
Bild: Thorsten Jordan

Plus Babenhauser Marktrat Benedikt Neubauer beklagt mangelnde Information der Bürger vonseiten der Gemeinde.

Wie sicher ist Babenhausen? Diese Frage stellen sich offenbar einige Bürger, seitdem sie die Nachricht von der Gründung einer Sicherheitswacht vernommen haben. Aus der Zeitung etwa, oder über Erzählungen. Die Kommunikation vonseiten der Marktgemeinde habe zu wünschen übrig gelassen, monierte Benedikt Neubauer in der Sitzung des Marktrats. Die Babenhauser hätten sich Erklärungen gewünscht, wie es zur Entscheidung, eine solche Sicherheitswacht zu beantragen, gekommen ist. „Man hätte die Leute im Vorfeld informieren sollen“, kritisierte er.

Wie berichtet, teilte die Polizeiinspektion (PI) Memmingen im November mit, nach Bewerbern für eine solche Wacht in Babenhausen zu suchen. Der Markt stellte ein Frage-Antwort-Stück der Polizei auf seiner Internetseite online – womit aber offenbar nicht alle Fragen geklärt wurden. Denn Neubauer berichtete in der Sitzung, dass er von Leuten darauf angesprochen worden sei, weshalb denn künftig eine „Bürgerwehr“ im Ort unterwegs sein solle. Kann man sich nicht mehr sicher fühlen? Ist es etwa gefährlich, nachts auf die Straße zu gehen? – In diese Richtung gingen seinen Ausführungen zufolge die Befürchtungen. „Das Bild, das nach Außen abgegeben wird, finde ich problematisch“, befand Neubauer. Eine frühzeitige Aufklärung hätte dies verhindern können – zum Beispiel darüber, dass es sich mitnichten um eine „Bürgerwehr“ handelt.

Auf diese Abgrenzung legt die Polizei wert. Denn eine Sicherheitswacht ist keineswegs ein Verbund von Bürgern, die meinen, selbst für Recht und Ordnung sorgen zu müssen. Organisatorisch ist die Wacht bei der Polizei angegliedert. Dadurch soll laut Jochen Glaser von der PI Memmingen gewährleistet sein, dass die Gruppe unter staatlicher Kontrolle und nach gesetzlich definierten Aufgaben und Befugnissen arbeitet.

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Wie es zu dem Entschluss kam, die Einführung einer Sicherheitswacht in Babenhausen zu beantragen, erklärte Göppel in der Sitzung: In Anbetracht der sexuellen Übergriffe auf Frauen im Dezember 2018 – wonach das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen augenscheinlich gelitten hatte – habe der Marktrat sich mit Polizisten ausgetauscht. „Sie haben befürwortet, den Antrag zu stellen“, sagte Göppel. Der Beschluss fiel im Sommer in nichtöffentlicher Sitzung. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann stimmte dem Antrag schließlich zu.

Dritter Bürgermeister Christian Pfeifer stellte klar, dass die Präsenz einer Sicherheitswacht nicht bedeute, dass Babenhausen zu einer Hochburg der Kriminalität geworden ist. Und er räumte auch ein, dass die Marktgemeinde die Aufgabe habe, über diese Angelegenheit zu informieren.

Es sind schon Bewerbungen bei der Polizei eingegangen

Göppel nannte Beispiele, wie die Sicherheitswacht künftig tätig sein könnte. Im Sommer etwa treten ihm zufolge am Badesee bisweilen Probleme auf, wenn Jugendliche dort feiern und laut sind. „Wenn Anwohner anrufen, kommt die Polizei nicht immer“, so der Bürgermeister. „Eine Sicherheitswacht könnte auf die Jugendlichen einwirken.“ Auch Falschparker und Radler, die auf Gehwegen fahren, könnten so auf ihr Fehlverhalten hingewiesen werden. „Ich denke, das ist keine schlechte Sache“, so Göppel.

Holger Stabik, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass die Initiative für die Einführung einer Sicherheitswacht von der jeweiligen Kommunen ausgehe – was von der Polizei begrüßt werde. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger vor Ort könne bei einem solchen Vorstoß durchaus eine Rolle spielen. Eine Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2019 läge noch nicht vor – und die Zahlen müssten auch differenziert betrachtet werden.

Eine Reaktion auf einzelne Vorfälle, so Stabik, stelle die Einführung einer Sicherheitswacht nicht dar – zumindest nicht vonseiten der Polizei. Auch zu deren Personalpolitik gebe es keinen Bezug. „Der Umkehrschluss lautet nicht, dass wir uns zurücklehnen, weil ja eine Sicherheitswacht vor Ort ist.“ Es werde etwa weiterhin Streife gefahren.

Stabik sagt: „Babenhausen ist auch kein Einzelfall. Es ist nicht die erste Gemeinde und wird nicht die letzte sein, die eine Sicherheitswacht einrichtet.“ Wie berichtet, haben bereits 17 Kommunen im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West eine solche Gruppe, darunter Vöhringen, Memmingen und Krumbach. Mehr als 150 Freiwillige engagieren sich.

Polizeihauptkommissar Jochen Glaser teilt auf Nachfrage mit, dass sich bereits eine Bewerberin für die Sicherheitswacht in der rund 40 Stunden umfassenden Ausbildung befindet. Von zwei Personen lägen Bewerbungen vor, zwei weitere bekundeten Interesse. „Vorausgesetzt, die Vorstellungsgespräche verlaufen erfolgreich, haben wir vor, entweder vor Weihnachten oder gleich nach den Weihnachtsferien mit der Ausbildung zu starten“, lässt Glaser wissen. Weiteres dazu lesen Sie hier: Zehn Fakten zur neuen Sicherheitswacht in Babenhausen

Kontakt: Jochen Glaser von der PI Memmingen steht bezüglich der Bewerbung als Ansprechpartner zur Verfügung, Telefon 08331/100-100.

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