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Unterroth

16.02.2018

Gesucht: ein neuer Dirigent

Erhard Schneider (links) hat von Daniel Ehrentreich den Taktstock übernommen, der nun das Posaunenspiel erlernen will und somit als Posaunist seiner Kapelle weiterhin erhalten bleibt.
Bild: Langhans

Daniel Ehrentreich gibt nach rund zehn Jahren die Leitung der Musikkapelle Unterroth ab. Für ein Jahr hilft Erhard Schneider aus, wie es dann weitergeht, ist offen.

Den regionalen Vereinen fehlt häufig der Nachwuchs und generell ist oft die Rede davon, dass sich immer weniger Menschen in Vereinen engagieren wollen. Im schlimmsten Fall lösen sich sogar traditionsreiche Verbände auf und gewachsene Strukturen gehen verloren. Die mangelnde Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen, kann viele Gründe haben. Für die Blaskapelle in Unterroth, die ab 2019 dringend einen Dirigenten sucht, sagt der stellvertretende Vorsitzende Simon Dopfer: „Es gibt wohl einfach zu wenig Dirigenten, sie haben eine zeitraubende Aufgabe.“

Die Unterrother Blaskapelle hat mit Erhard Schneider aus Buch für das Jahr 2018 eine gute Übergangslösung gefunden, nachdem ihr Dirigent Daniel Ehrentreich nach rund zehn Jahren aus familiären Gründen aufgehört hat. Doch geklärt hat sich damit die Frage der Nachfolge für das so erfolgreich wie beliebte Unterrother Eigengewächs nicht. Dopfer sagt: „Wir suchen dringend einen Dirigenten, der zu uns passt.“ Dabei sei die Kapelle sehr flexibel. Es könne auch ein junger begeisterter Musiker sein, so der Zweite Vorsitzende. Was die Kapelle auszeichne, sei niveauvolle, gut gespielte Stimmungsmusik. Und die Verpflichtung, an gebuchten Terminen in gewohnter Qualität zu spielen.

Denn die Unterrother haben ihr Publikum in den vergangenen Jahren mit schwungvoll gespielter Blasmusik erfreut – genauso wie mit traditionellen böhmisch-mährischen Weisen sowie mit Pop und Schlagern aus den Charts. Ihre Auftritte waren geprägt von der lebendigen Taktgebung ihres Dirigenten.

Ehrentreich, 36 Jahre alt und gelernter Werkzeugschleifer, hat im Frühjahr 2009 kurzfristig die Leitung der Kapelle übernommen. Nur drei Wochen Zeit hatte er damals bis zum ersten Auftritt in Obenhausen. Er absolvierte die Dirigentenausbildung und wuchs – als Musiker mit Leib und Seele – schnell in die neue Aufgabe hinein. Seine charakteristische Art, beim Dirigieren mit der Musik mitzugehen, um die Kapelle mitzureißen und den Funken ins Publikum überspringen zu lassen, habe er sich mit der Zeit angeeignet. „Ich dachte mir, einfach so da stehen und dirigieren, kann nicht sein, wenn ich mit der Musik gute Laune vermitteln will“, sagt Ehrentreich. So führte er seine Kapelle erfolgreich durch Wertungsspiele und einer Vielzahl von Konzertauftritten in der Umgebung sowie in der Schweiz und Südtirol.

Erfolgreich sei die Kapelle auch schon vor ihm gewesen und bekannt für ihre Auftritte in der Region. Wobei sie ihre, seit 2012 zweijährig stattfindenden Konzerte in Tramin und einen musikalischer Ausflug nach Mallorca im Jahr 2011 zu den Höhepunkten zählen. Und vergangenen Herbst hatte es die Blaskapelle auf die „Oide Wiesn“ beim Münchner Oktoberfest geschafft.

Inzwischen hat Daniel Ehrentreich nach Anhofen bei Bibertal geheiratet. Um seinem Dirigentenamt in Unterroth nachgehen zu können, reiche ihm die Zeit nicht. Um jedoch in „seiner Kapelle, seinem einzigen Verein“ weiter aktiv sein zu können, hat er die Seite gewechselt. Er spielt jetzt auf der Posaune weiter – eine neue Herausforderung für ihn, der 22 Jahre lang Saxofon gespielt hat.

Für Nachfolger Erhard Schneider, 40 Jahre alt, ist die Kapelle Unterroth keine unbekanntes Ensemble. Als Ersatzdirigent hatte er bereits Gelegenheit, mit ihr zu arbeiten und längst Freundschaft geschlossen. Nun freut sich der geübte Dirigent darauf, in Unterroth für ein Jahr einspringen zu können. Länger kann auch der in Buch wohnende Bankaufmann nicht zur Verfügung stehen. Seit 25 Jahren spielt er Posaune und ist Mitglied der Musikkapelle in Buch. Als Dirigent hat er zwölf Jahre die Kapelle in Kellmünz geführt. Dann legte er den Stab ebenfalls eine Zeit lang zur Seite. Doch vor vier Jahren habe es ihn zur Kapelle nach Lachen im Unterallgäu gezogen, wie er erzählt. „Das Programm war interessant, die Arbeit hat mich gereizt.“ Da das Ensemble sinfonische Blasmusik im Repertoire hat, sieht er in im Programm der Unterrother eine gute Ergänzung. An ihren Stil und Charakter will er anschließen: „Die Zeit ist viel zu kurz, um Neues auszuprobieren. Außerdem gilt es, die vereinbarten Termine einzuhalten und dabei die musikalischen Ansprüche zu erfüllen.“ Nach einem Jahr, so hofft er, werde die Kapelle Unterroth einen Dirigenten gefunden haben, der länger bleiben kann.

Erhard Schneider ist stellvertretender Bezirksdirigent und kennt die Nachwuchssorgen, wenn Kapellen einen Dirigenten suchen. Das ist mit ein Grund, warum er in Unterroth einspringt. Und: Was die Kapelle anbelangt, gehe es sicherlich auch darum, das Niveau zu halten. Letztlich müssten Dirigent und Kapelle zusammenpassen. „Was einen Dirigenten ausmacht, sind die Freude an der Musik und die Motivation.“ Dass es sich trotz beruflicher Anspannung lohne, dafür gibt Erhard Schneider als vielfach tätiger Dirigent selbst den besten Beweis.

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