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Illertissen

27.05.2020

Gisela Schneider berät seit 50 Jahren Frauen in Modefragen

Auch nach 50 Jahren hat sie immer noch Freude an der Arbeit: Gisela Schneider im Modehaus Hoffmann in Illertissen.
Bild: Herwig Hoffmann

Plus Gisela Schneider arbeitet seit 50 Jahren im Modehaus Hoffmann in Illertissen. Eine lange Zeit, in der sich die Mode wandelte. Auf ein Kleidungsstück achtet sie bei jeder Frau.

Ein pinkfarbener Pullover, eine Bluse mit wildem Muster, ein Top mit Spitze: Mit flinken Händen sortiert Gisela Schneider die Oberteile. Kleidung – das ist ihr Fachgebiet. Die Angestellte arbeitet bereits seit fünf Jahrzehnten im Modehaus Hoffmann in Illertissen. Eine lange Zeit, die Schneider jedoch gar nicht so lange vorkommt. „Es macht mir immer noch genauso viel Spaß wie früher“, sagt die gebürtige Balzheimerin. Und so lange das so ist, bleibe sie.

Als junges Mädchen bewarb sich Gisela Schneider, die ihr jetziges Alter nicht verraten will („Da bin ich ein bisschen seltsam“), auf eine freie Stelle in dem Illertisser Geschäft. Ihr Interesse an Mode war groß. „Ich kann mich ganz genau an das erste Kleidungsstück erinnern, das ich in meinem Leben für mich gekauft habe“, sagt sie und lächelt, ihre blauen Augen leuchten. „Das war ein pastellfarbener BH. Sehr modisch, mit leichter Füllung, was es damals gar nicht oft gab.“

Mode ist Ausdruck der Persönlichkeit

Nicht nur wegen ihres Gefühls für Mode, sondern auch wegen ihrer Persönlichkeit passte Gisela Schneider gleich gut zum Modehaus Hoffmann. Im Laden fühlte sie sich von Anfang an wohl. Zu ihren Chefs hatte sie immer einen guten Kontakt, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen unternahm sie Fahrradtouren und Ausflüge. „Das war richtig heimelig“, sagt sie. „Ich wurde immer mit eingebunden.“ Auch die Arbeit ging ihr leicht von der Hand. Schneider bewies Geschick im Flicken von Laufmaschen in Strümpfen, im Stopfen von Löchern und beim Annähen von Knöpfen. Manchmal fuhr sie mit auf Messen und suchte Ware für das Geschäft aus. „Da habe ich mich gefragt, was ich selber tragen würde“, erzählt Schneider.

Doch die Stärke der kleinen, quirligen Verkäuferin sei die Kundenberatung, weiß Herwig Hoffmann, Inhaber des Modehauses: „Jeder merkt, wie gut sie das macht.“ Das mache ihr auch am meisten Spaß. „Da braucht man Fingerspitzengefühl“, sagt Schneider. Denn viele Kunden reagierten empfindlich in Bezug auf ihren Körper. Die Kleidergrößen hätten sich im Laufe der Zeit geändert, heute gebe es mehr große Größen als früher. Doch eine Lösung und vorteilhafte Kleidung für ihre Kunden findet Schneider immer. Dabei setzt sie auf Ehrlichkeit: „Ich will nicht nur des Verkaufs wegen verkaufen.“

Bild: Herwig Hoffmann

Während sie erzählt, betritt eine langjährige Kundin den Laden. Die beiden wechseln ein paar Worte und lachen. Antonie Mack kommt oft zu Gisela Schneider und lässt sich einkleiden. „Sie berät und lässt mir Zeit“, sagt die 80-Jährige aus Dietenheim. Auch, wenn ihr einmal nichts gefalle: „Man kann gehen und immer wieder kommen.“

Die Schürzen verschwanden aus dem Sortiment

Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich innerhalb der vergangenen 50 Jahre stark verändert. Schneider erinnert sich: „Früher verlangten die Kunden eine Vollbedienung.“ Geschäftsleiter Hoffmann nickt und fügt hinzu: „Das waren oft Leute vom Land, die Beratungen sehr geschätzt haben. Sie haben für ihren ganzen Bedarf eingekauft.“ Gewandelt hat sich auch die angebotene Ware. Schürzen verschwanden, das Strumpfsortiment schrumpfte. Die Einstellung zur Kleidung ist heute anders. Gisela Schneider streicht sich den roten Pullover glatt. „Früher wurde nur wenig Wert auf Materialien gelegt, nur die Funktion war wichtig. Das ist jetzt anders“, sagt sie. Hoffmann stimmt zu: „Heute ist Mode ein Ausdruck der Persönlichkeit. Sie ist viel innovativer als früher.“

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Was Schneider sehr am Herzen liegt, ist feminine, die Weiblichkeit unterstreichende Kleidung. Die verkaufe sie besonders gerne. Am liebsten BHs, die im Modehaus Hoffmann nur noch in einem kleinen Sortiment angeboten werden. „Auch bei großen Oberweiten findet man den perfekt passenden BH“, sagt Schneider. Sie achte bei jeder Frau darauf, egal wo, auf der Straße, im Fernsehen. „Meine Freunde lachen mich schon aus deswegen“, sagt sie und schmunzelt. Aber ein BH, der passt, mache einfach eine ganz andere Figur. Wenn jemand keinen BH tragen will, sei das aber eine ganz andere Sache.

Die nächste Kundin kommt herein, Gisela Schneider springt auf und verabschiedet sich: „Ich muss g’schwind Hallo sagen.“


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