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Bellenberg

08.12.2020

Gisela Studer gibt nach 20 Jahren den Seniorenkreis in Bellenberg auf

Zum Abschied bekam Gisela Studer (rechts) von ihren Senioren durch Kassenwartin Gerda Pleier ein Geschenk mit Dankesworten überreicht.
Bild: Regina Langhans

Plus Wegen Corona sind seit März sämtliche Aktivitäten des Bellenberger Seniorenkreises eingestellt. Die Auszeit dauert der Leiterin zu lange.

Nach 20 Jahren zieht sich Gisela Studer von der Leitung des katholischen Seniorenkreises in Bellenberg zurück. Dabei ruhen Seniorennachmittage, Gymnastik, Singkreis, Ausflüge und Mehrtagesreisen wegen der Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus schon seit März.

Das ist auch der Grund für die 75-Jährige, das ihr ans Herz gewachsene Ehrenamt zu beenden: „Nicht aufgrund etwaiger Anstrengungen, sondern wegen des auferlegten Nichtstuns ohne absehbares Ende“, sagt sie. Zu sehen, wie ihren Schützlingen die Ziele fehlten, sie sich in die Wohnungen zurückzögen statt beim Frisör anzumelden für das nächste Tanzcafétreffen, das sei für sie schwer auszuhalten, sagt Studer. „Der Seniorenkreis ist ein Stück weit mein Leben, die Auszeit dauert zu lange.“

Studer leitete auch eine Gymnastikgruppe und sie führte einen Singkreis ein

Die ältesten Teilnehmer seien über 90 Jahre alt, und bis es irgendwann weitergehen könnte, werde einiges verändert sein, auch sie sei dann älter geworden, sagt sie. Die gelernte Bankkauffrau wurde in Pilsen im heutigen Tschechien geboren. Nach der Vertreibung landete sie in Osterberg, mit ihrem ersten Mann wohnte sie in Illereichen und nach dessen Tod in Bellenberg. Dort leitete sie erst allein und später mit Unterstützung ihres zweiten Mannes Ottmar Fries mit viel Engagement und Begeisterung den Seniorenkreis.

Studer erzählt, wie sie durch ihre Fortbildung zur Hauswirtschafterin und Kinderpflegerin in privaten Haushalten, wo sie es auch schon mit Senioren zu tun hatte, gewissermaßen auf neue Ideen gekommen sei: „Bereits damals hat es mir große Freude gemacht dazu beizutragen, dass alte Menschen in ihrem Leben noch einen Sinn finden können. Meine Urgroßmutter wurde 98 Jahre alt und war bis zum Schluss bei mir“, ergänzt sie. Für den Seniorenkreis in Bellenberg hat sie der damalige Pfarrer Bruno Nowotny „engagiert“. Auch die Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger Hans Huber bezeichnet Studer als „bestens“: „Er hat sich wenig eingemischt in unsere Unternehmungen.“

Gisela Studer hat ihr Ehrenamt mit viel Empathie und Fantasie betrieben. Als Bedarf für Seniorengymnastik angemeldet wurde, habe sie sich gedacht: „Eigentlich war ich ja schon in Osterberg beim Turnverein aktiv, da könnte ich mich auch für altersgerechten Sport weiterbilden.“ Sie besuchte einen Kurs in Augsburg und die Gruppe traf sich 16 Jahre lang regelmäßig zur Gymnastik. Als Studer erkannte, dass ihre Schützlinge Freude am Singen haben, führte sie vor zehn Jahren den Singkreis ein. „Es ging ja nicht um Auftritte sondern um das Singen an sich, sodass wir alte Volkslieder, Schlager oder Marienlieder im Programm hatten.“

Der katholische Seniorenkreis Bellenberg war zeitweise der größte in der Diözese Augsburg

Ihre Seniorennachmittage stellte sie stets unter ein Thema, unter anderem mit Vorträgen verschiedener Referenten. Studer bot ihren Senioren ein breites Betätigungsfeld. Dafür setzte sie sich anfangs noch während ihrer Arbeit ein und danach in einer Weise, dass aus ihrem Engagement fast eine neue Berufstätigkeit wurde. Als Studer die Gruppe vor 20 Jahren übernahm, zählte sie 48 Mitglieder, heute sind es um die 90. Zeitweise stellte der Seniorenkreis Bellenberg mit 100 Mitgliedern den größten in der Diözese. „Das Aufhören fällt mir nicht leicht, es war eine wunderschöne Zeit“, bekennt Studer. „Mir reißt’s a Stück raus.“

Zugleich ist sie dankbar: Ohne das ungezwungene Geben hätte sie nicht so viel zurückbekommen. In 20 Jahren hat Studer nach eigenen Angaben 201 Perlen gesammelt, für jeden Seniorennachmittag eine. Die Kette könne viel erzählen, sagt sie.

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