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25.10.2009

Glänzendes Debüt für Hayd

Illertissen Vor dem Konzert "Von Zigeunern und anderen Gesellen" in der Aula des Kollegs war man gespannt, in welche Richtung der neue Chorleiter Joachim Hayd den Illertisser Männergesangverein steuern würde. Er beschränkte sich in sinnvoller Weise darauf, ihm nur das halbe Programm zuzumuten und zur Ergänzung sein Mietinger Vocalensemble "red mäps" vorzustellen. Von Zigeunern und anderen Gesellen war jedoch nicht immer die Rede.

So begann der heimische MGV mit zwei Liedern von Mendelssohn, womit er dessen 200. Geburtstag gedachte. Die Bearbeitung von "Morgengebet" offenbarte allerdings nicht die große Satzkunst des Meisters, während das unsterbliche "Der Jäger Abschied" erkennen ließ, dass den heutigen Männerchören der Sinn für edle Romantik etwas abhandengekommen ist.

Umso schöner wurde dann die frische Wiedergabe von Robert Schumanns "Zigeunerleben" empfunden, das Mirjam und Carolin Hayd temperamentvoll mit vierhändiger Klavierbegleitung unterstützten. Der fünfteilige Chorzyklus von Walther Schneider "Die phantastischen Abenteuer des Don Quijote" überzeugte durch den rassigen Schwung, mit dem die Sänger die eingängige Melodik auf originelle Texte auszudrücken wussten. Die Wortbeiträge von Peter Semmlin bündelten das Ganze zu einer wirkungsvollen Geschichte.

Die "red mäps", wohl so genannt, weil sie aus roten Chormappen singen, kommen aus verschiedenen Orten des Landkreises Biberach. Vor etwa zehn Jahren fanden sich neun sangesbegeisterte Damen und acht Herren erstmals zusammen und wurden inzwischen zu einem leistungsfähigen Chor. Das bewiesen sie auf nachdrückliche Weise mit den von glutvollem Leben erfüllten "Zigeunerliedern" von Johannes Brahms, einer Folge von elf Weisen auf ursprünglich ungarische Texte. Brahms hat sie für ein Soloquartett geschrieben und mit einer wie von ihm gewohnt vollgriffigen Klavierbegleitung versehen, die Mirjam Hayd bravourös meisterte.

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Nach der Pause verwandelten die Gäste den gut besetzten Saal in ein Musicaltheater und ließen in einem Medley aus der "West side story" von Leonard Bernstein so mitreißende Gedankenblitze wie "Tonight", "I feel pretty", "Maria" oder "I like to be in Amerika" effektvoll aufleben. Danach folgten Beiträge aus "Rock im Chor", gekennzeichnet durch rhythmische Wiederholungen von Tonsilben wie da-dup oder ähnlichen in den einzelnen Stimmen.

Darüber erheben sich melodische Floskeln auf Texte, die bestimmte Situationen kennzeichnen, wie den Parkplatzregen, oder dem Jugendjargon entspringen: "Ich find' dich ja so internett". Herzlicher Beifall für diese Novitäten, die durch eine Zugabe ergänzt werden mussten.

Viel Beifall eingeheimst

Der Männerchor beendete den Abend mit Liedern aus dem Repertoire des Boheme-Quartetts. Das hatte um die 1930er, 1940er Jahre im verwässerten Stil der "Comedian Harmonists" Schlager und Filmhits aufbereitet. Für den gefälligen Vortrag heimste der Chor viel Beifall ein. Die Stücke eignen sich aber eher für gesellige Stunden als für ein repräsentatives Konzert. Einen Teil des Erlöses stellt der MGV der "Kartei der Not", dem Leserhilfswerk unserer Zeitung, zur Verfügung.

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