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Illertissen

23.09.2013

Glänzendes Debüt für ungewöhnliche Stimme

Das Barock-Ensemble im Festsaal des Kollegs, das sich eigens für das Konzert in Illertissen formiert hat, von links: Susanne Schütz, Christian Weiherer, Benno Schachtner, Catalina Bertucci und Simone Eckert.
Bild: Regina Langhans

Stehende Ovationen für Countertenor Benno Schachtner und sein Barock-Ensemble in der Kollegsaula.

So vertraut wie Benno Schachtner als gebürtiger Illertisser und ehemaliger Bewohner Dietenheims vielen Zuhörern war, so sehr gelang es ihm mit seinen Musikern auch, diese zu überraschen und mitzureißen. Am Ende des Konzerts stand das Publikum vor Begeisterung auf. Die Künstler dankten mit zwei Zugaben, wobei es beim Ave Maria von Bach-Gounod ein letztes Mal andächtig still wurde, sobald Cembalo und sonore Gambentöne zum vollendeten Gesangsduett überleiteten.

Zunächst aber war die Spannung in der vollen Festhalle groß, Freunde und Interessierte wollten den Countertenor hören, andere waren überhaupt erst aufmerksam geworden auf die Kunst, durch Technik in hoher Tenorlage singen zu können.

Die Sänger begannen mit dem Duett von „Sound The Trumpet“ von Henry Purcell – ein englischer Komponist des Hochbarock – und hatten schnell den Geschmack des Publikums getroffen. Das Besondere dabei, nicht dem warmen Sopran galt die größte Aufmerksamkeit, sondern der, trotz Tonhöhe ungezwungenen, facettenreichen Tenorstimme.

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Countertenöre übernehmen heute den Part früherer Kastratenstimmen, obwohl sie nicht als klangidentisch gelten. Dargestellt wurde die Zeit der Opern und Arien, was im Solo oder Duett wahrhaft köstlich gelang. Sei es das stolze Liebeswerben Orlandos in der gleichnamigen Oper von Georg Friedrich Händel und die selbstbewusste Zurückweisung der angebeteten Angelica mit Bertucci.

Zur gesanglichen wie musikalischen Gegenüberstellung forderten zwei Interpretationen des Goethe-Gedichts „Um Mitternacht“ auf. Einmal vertont von Friedrich Zelter (1758-1832) und so ausdrucksstark wie gefühlsbetont von Schachtner gesungen. Dann in Benjamin Brittens (1913-1976) Version, vorgetragen im glasklaren Sopran von Bertucci. Christian Weiherer, der während des Abends geschickt zwischen Cembalo und Flügel zu wechseln verstand, hatte sich dazu an das modernere Instrument gesetzt und die, in der zweiten Fassung für zwölf Glockenschläge stehenden Akkorde dramatisch eingespielt.

Das für die Barockzeit typisch mit Cembalo, Violine und Gambe besetzte Ensemble konnte Freunden seltener Instrumente Schönes bieten. Simone Eckert stellte ihre Gambe vor, deren Klang mitunter an Borduntöne erinnert. Bei der Telemann-Sonate in e-Moll zeigte sie ihre Kunst, ebenso wie Susanne Schütz beim Violin-Solo der Händel-Sonate in D-Dur leise Barocktöne exzellent mit absoluter Fingerfertigkeit verbinden konnte.

In überwältigender Harmonie der Darbietenden schließlich das Schlussduett aus Claudio Monteverdis Oper „Die Krönung der Poppea“. Dem Barock-Ensemble – von Schachtner für Illertissen ins Leben gerufen und unterhaltsam moderiert – ist eine farbige, kurzweilige Revue durch eine wieder interessant gewordene Zeit gelungen. Schachtner bedankte sich nicht zuletzt bei seinem früheren Orgellehrer Weiherer, der ihn „zum Studium der Kirchenmusik verpflichtet“ habe. Am ersten eigenen Konzertabend in der Heimat kam Schachtner, dem Bachpreisträger, Chormanager und Sänger der Titelpartie in Orlando bereits seine Vielseitigkeit zugute. Eingangs hatte er sich im vertrauten Schwäbisch für sein Bühnenhochdeutsch entschuldigt, wobei „er hoffe, dennoch für das Publikum verständlich zu sein“. Dies ist ihm bestens gelungen, ebenso dem Ensemble, da ihre Musik zu Herzen ging. Ob es bei der Premiere bleibt oder weitere Heimspiele dazu kommen – Schachtner, so scheint, würde sich über solche Möglichkeiten freuen.

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