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Ritzisried

02.05.2019

Glückliche Schweine: Ein Ritzisrieder Landwirt setzt auf Freilandhaltung

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3 Bilder
Auf der Schweineweide haben die Ferkel viel Platz, um sich auszutoben. Rund 50 Tiere leben auf der doppelt eingezäunten Fläche.

Plus Die Tiere von Andreas Thoma aus Ritzisried dürfen das ganze Jahr raus. Vor gut einem Jahr hat sich der Landwirt für diese ungewöhnliche Öko-Haltung entschieden. Tierliebe war aber nicht der einzige Grund dafür

Mit ihren rosa Steckdosen-Schnauzen wühlen die Tiere in der Erde. Im Schweinsgalopp geht es den Hang hinauf und wieder hinunter. Manchmal verstecken sie sich im Gebüsch und genießen es, der warmen Sonne im Schatten unter den Bäumen zu entkommen. Während Kühe, die draußen auf der Weide stehen, für manche ein gewohntes Bild sind, ist der Anblick von Schweinen, die im Freien toben, in den vergangenen Jahrzehnten selten geworden. Bei Landwirt Andreas Thoma aus Ritzisried ist das anders. Seine rund 50 Tiere hält er auf einer ehemaligen Wiese nahe Tafertshofen. Ehemalig deshalb, weil die Schweine auf Futtersuche den Boden mit ihren Schnauzen innerhalb kurzer Zeit umgepflügt haben.

Am Anfang stand ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk

Der 49-jährige Landwirt verdient sein Geld bisher mit Milchkühen. Auf die Idee, auch noch Schweine zu halten, kam er durch ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk: eine Sau. Die hatte zunächst neben dem Wohnhaus des Landwirts einen besonders schönen Platz bekommen. Thoma konnte beobachten, wie wohl sich das Tier fühlte, das nicht im Stall eingesperrt war. So entstand die Idee, eine Wiese, die wegen ihrer Hanglage ohnehin schwer zu bestellen war, zur Schweineweide umzufunktionieren. Dort sind die Tiere nun ganzjährig draußen. Wenn es ihnen zu kalt wird, können sie sich in einen Stall zurückziehen, den Thoma mithilfe von Freunden in den Hang gegraben hat. Im Winter und Frühjahr ist es dort drinnen sogar warm genug für die kleinen Ferkel. Nur für die ganz Kleinen hängt der Landwirt eine Wärmelampe auf.

Landwirt Andreas Thoma setzt künftig auf Nachhaltigkeit: Sein regional erzeugtes Schweinefleisch will er in der Region vermarkten.

Thoma befindet sich mit seinem Betrieb gerade im zweiten Jahr der Umstellung auf Bio. Mit seiner Schweinehaltung setzt der Landwirt voll auf Nachhaltigkeit. Die Schweine bekommen nur Futter aus eigenem biologischen Anbau. Alle Tiere stammen aus der eigenen Nachzucht. Bisher kann der Landwirt auf Medikamente wie Antibiotika verzichten. „Ein Tier braucht gutes Futter, Wasser, Sonne, Bewegung und frische Luft. Wenn das alles passt, bleibt es in der Regel gesund.“

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Der Landwirt wehrt sich gegen das Preisdiktat des Handels

Tierliebe ist für den Landwirt jedoch nicht der einzige Grund, aus dem er sich für diese aufwendige ökologische Haltung entschieden hat. Er will sich in gewisser Weise auch unabhängig machen vom Handel, der den Bauern sonst den Preis diktiert. Im Bezug auf sein Milchvieh sagt Thoma: „Mit der Milch verdienen alle Geld – außer der Landwirt.“ Doch weil auch jammern nichts helfe, wolle er jetzt einen anderen Ansatz ausprobieren. Er produziert hochwertige Ware, um deren Verkauf er sich dann selbst kümmert. Ein Kilogramm Schweinefleisch bietet Thoma für 16 Euro an. Es ist bei ihm in küchenfertigen Päckchen zu je fünf, zehn oder 15 Kilo erhältlich. Darin enthalten sind unter anderem Steaks, Braten und Hackfleisch. Wer Interesse hat, kann sich telefonisch bei Thoma anmelden. Erst wenn wieder genug Vorbestellungen da sind, wird geschlachtet. Das übernimmt dann eine Illertisser Schlachterei für den Ritzisrieder Landwirt. Interessierte können sich nach Terminvereinbarung auch selbst ein Bild von Thomas Schweinen und der Haltung machen.

Muttersauen und Ferkel haben ihren eigenen Bereich. So kommen sich die Kleinen nicht mit den größeren Schweinen in die Quere.

Der vergleichsweise hohe Preis für sein Schweinefleisch sei durchaus angemessen, findet Landwirt Thoma. Er habe schließlich auch deutlich höhere Kosten für die Haltung, zum Beispiel allein dadurch dass seine Tiere nicht einfach möglichst schnell „hochgemästet“ würden, sondern langsam zunähmen und erst später geschlachtet würden. Das treibe jedoch die Futterkosten in die Höhe.

Um seine Tiere so halten zu können, wie Thoma es jetzt tut, sei im Vorfeld eine enge Abstimmung mit den zuständigen Behörden und dem Amtstierarzt nötig gewesen. Es gebe eine Reihe von Auflagen, die der Bauer einhalten müsse. Das ist deutlich sichtbar: Am Eingang zu dem Gelände gibt es, wie in einem gewöhnlichen Stall auch, eine Desinfektionsschleuse. Die ganze Schweineweide ist doppelt umzäunt – eine Vorschrift zum Schutz gegen die Schweinepest.

Zahlen die Kunden hohen Preis?

Doch wenn der Landwirt jetzt auf dem Feld bei seinen Tieren ist, ihnen beim herumwühlen in der Erde und beim Spielen zuschaut, dann ist er sich sicher, dass das den ganzen Stress, die vielen Anträge und Behördengänge, Wert war. Nun stellt sich die Frage, ob die Verbraucher in der Region das genauso sehen. Bisher ist der Bauer einigermaßen optimistisch. Das überaus erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“ habe schließlich gezeigt, dass die Bürger großes Interesse an Themen wie Nachhaltigkeit, Ökologie und Tierschutz hätten.

Ob sie aber wirklich bereit sind, einen so hohen Preis für regional und biologisch produzierte Lebensmittel wie die von Thoma zu bezahlen, muss sich noch zeigen.

Kontakt: Landwirt Andreas Thoma vertreibt das Fleisch seiner Tiere selbst, er informiert Interessierte auch über die Haltung, Telefon 0179/5383434.

Auch andere Tierhalter in der Region setzten ungewöhnliche Geschäftsideen um. In Buch gibt es zum Beispiel Wanderungen mit Lamas und Alpakas:Mit dem Lama an der Leine unterwegs im Rothtal.

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