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Dietenheim

16.09.2020

Großprojekt abgeschlossen: Dietenheim verlegt Bachlauf

Dass eine fast schon als historisch anzusehende Blutbuche nur einen Meter von der neuen Böschung des Gießenbaches entfernt im Zuge der umfangreichen Bauarbeiten erhalten werden konnte, freut neben den Naturschutzexperten natürlich alle Beteiligten.
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Dass eine fast schon als historisch anzusehende Blutbuche nur einen Meter von der neuen Böschung des Gießenbaches entfernt im Zuge der umfangreichen Bauarbeiten erhalten werden konnte, freut neben den Naturschutzexperten natürlich alle Beteiligten.

Plus Der Gießenbach wurde jahrzehntelang industriell genutzt. Das Wasser floss zum Teil unterirdisch durch ein Dietenheimer Fabrikgelände. Jetzt hat der Bach ein neues Bett.

Das hat Dietenheims Bürgermeister Christopher Eh in seiner achteinhalbjährigen Amtszeit noch nicht erlebt: ein millionenschweres Bauprojekt, zu dem in den knapp drei Jahren von der ersten Beratung bis zur Fertigstellung keinerlei Kritik geäußert wurde. Vielmehr herrschte von Anfang an Einigkeit zwischen Behörden, Naturschutzvertretern und Gemeinderat, dass die Renaturierung des Gießenbaches im ehemaligen „Amann-Areal“ ein epochales ökologisches und ingenieurtechnisches Großprojekt darstellt.

Der Gießen war die Lebensader der Dietenheimer Textilindustrie

Der „Gießen“, wie der Gießenbach im Volksmund abgekürzt genannt wird, ist aus bayerischer Sicht das Gegenstück zum als „Mühlbach“ bekannten Altenstadter Kanal. Er wird in Dettingen aus der Iller ausgeleitet und mündet beim Sportplatz von Regglisweiler wieder in die Iller. Rund hundert Jahre lang war er die energietechnische Grundlage für die Dietenheimer Textilindustrie und treibt heute noch Turbinen an.

Am nördlichen Stadtrand von Dietenheim, im Gelände der ehemaligen Nähfadenfabrik Adolf Müller GmbH, die 1974 vom Amann-Konzern übernommen wurde, kam nun ein Bauprojekt zu seinem allseits anerkannten Abschluss. Hier floss der Gießen jahrzehntelang zwischen Betonwänden und war teilweise so überdeckelt, dass er unterirdisch durch das Werksgelände strömte. Als die Firma Amann 2017 der Stadt Dietenheim mitteilte, dass sie ihre Produktion beenden und das Werksgelände verkaufen wolle, ergriff die Stadt die Gelegenheit: Sie kaufte das Areal (ohne die frühere Firmenvilla). Bis auf wenige Ausnahmen wurden die Gebäude abgebrochen und alles einer neuen Nutzung zugeführt.

Großprojekt abgeschlossen: Dietenheim verlegt Bachlauf

Eine neue Naturlandschaft ist entstanden

Dabei kam vom Landratsamt die Idee, die selbstverständlich besonders von Gemeinderat Ulrich Müller, als Naturschutzexperte bekannt und als Nachkomme der Firma Müller besonders engagiert, unterstützt wurde: Der Bach sollte aus seinem Beton-Gefängnis erlöst werden, sein Lauf um das frühere Industrieareal herumgeleitet und somit insgesamt alles geradezu mustergültig renaturiert werden. In mehr als zwei Jahren fruchtbaren Zusammenwirkens, vom Regierungspräsidium Tübingen über das Landratsamt Alb-Donau-Kreis bis zur Stadtverwaltung, dem von ihr beauftragten Ingenieurbüro Wassermüller und der ausführenden Baufirma Schwall aus Laupheim, entstand so aus der Industriebrache eine völlig neue Naturlandschaft. Im Verlauf des Baches werden durch eine raue Rampe und verschiedene Buhnen aus Holz abwechslungsreiche Strömungsverhältnisse erzeugt.

Projekt kostete insgesamt 1,6 Millionen Euro

Ein erklecklicher Zuschuss des Landes Baden-Württemberg in Höhe von 670000 Euro bot die Grundlage für die Finanzierung des insgesamt rund 1,6 Millionen Euro schweren Projektes, das nun der gesamten Bevölkerung zugutekommt. Entlang des neuen Bachlaufes, westlich vom bekannten Badesee gelegen, verläuft ein Spazierweg, von dem aus nicht nur der Gießen, sondern beispielsweise auch eine historische Blutbuche und eine Orchideenwiese Naturgenuss pur bieten. Auf den Erhalt der Blutbuche sind die Bauleute besonders stolz; gelang es ihnen doch, diese im Zuge der umfangreichen Baggerarbeiten nur einen Meter neben dem neuen Bachlauf unversehrt zu bewahren.

Bürgermeister Christopher Eh (rechts) hält anlässlich der Fertigstellung des Großprojektes „Verlegung und Renaturierung des Gießenbaches im ehemaligen Amann-Areal“ eine Rede.

Mit umfangreichen Dankesworten übergab Bürgermeister Christopher Eh das nun fertige Areal seiner Bestimmung. Der Festakt dazu fiel, angepasst an die aktuellen Hygienebestimmungen, zwar kleiner aus als man sich das zu Beginn des Projektes vor drei Jahren wohl gedacht hatte. Doch damit ist die Neu-Verwendung des „Amann-Areals“ noch längst nicht abgeschlossen.

Nun wird im Gemeinderat zu überlegen sein, wie das gesamte Gelände genutzt werden kann, wobei der Naturschutz weiterhin eine entscheidende Rolle spielen wird. Hier eine passende Bebauung zu planen, die möglichst allen Interessen Rechnung trägt, wird eine der großen Aufgaben Dietenheims in den kommenden Monaten und Jahren darstellen.

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