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Babenhausen

12.04.2019

Günztal wartet auf "Öko"-Titel

15 Gemeinden aus der Region wollen „staatlich anerkannte Öko-Modellregion“ werden, darunter Kettershausen, Babenhausen und Egg. Die Initiatoren rechnen bald mit einer Entscheidung.
Bild: Ralf Lienert

15 Gemeinden aus der Region wollen „staatlich anerkannte Öko-Modellregion“ werden, darunter Kettershausen, Babenhausen und Egg. Die Initiatoren rechnen bald mit einer Entscheidung.

Bio und Öko: Diese Worte fallen häufig in Debatten um die Zukunft der Landwirtschaft – nicht erst seit dem Volksbegehren zur Artenvielfalt. Auch im Günztal ist das Thema: 15 Kommunen zwischen Kettershausen und Günzach haben sich unlängst zusammengeschlossen und wollen „staatlich anerkannte Öko-Modellregionen“ werden. Wie berichtet, beteiligen sie sich an einem Wettbewerb des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Ziel ist es, die Produktion heimischer Lebensmittel und das Bewusstsein für regionale Identität im Günztal auf diese Weise voranzubringen. Ob das Gebiet rund um das längste Bachsystem Bayerns als Modellregion anerkannt wird, soll demnächst feststehen. Agrar-Diplomingenieurin Christine Räder – eine der Initiatoren – sagt, dass sie „jeden Moment“ mit einer Bekanntgabe der Entscheidung rechne. Aus ihrer Sicht hat das Günztal gute Chancen. Beworben haben sich insgesamt 27 Regionen in Bayern, 15 davon sollen als Modellregion anerkannt werden.

Egg, Babenhausen und Kettershausen sind dabei

Aus unserer Gegend beteiligen sich die Gemeinden, Günzach, Obergünzburg, Untrasried, Ronsberg, Böhen, Ottobeuren, Sontheim, Markt Rettenbach, Westerheim, Hawangen, Ungerhausen, Holzgünz, Egg an der Günz, Babenhausen und Kettershausen. Die dortigen Gemeinderäte haben um den Jahreswechsel herum beschlossen, zunächst für eine Laufzeit von zwei Jahren mitzumachen. Am meisten Überzeugungsarbeit sei dabei in Babenhausen nötig gewesen, berichtet Räder, welche das Vorhaben in einer Marktratssitzung vorstellte (wir berichteten). Federführend agieren nun Kettershausen, Ottobeuren und Obergünzburg.

Eine Beteiligung abgelehnt hätten hingegen Kirchhaslach, Oberschönegg, Erkheim und Lauben. „Das ist schade, denn es sind wichtige Kommunen mit interessanten Betrieben“, findet Räder. Falls das Günztal zum Zug kommt, soll ein Projektmanager die Vernetzung der Interessen von Erzeugern, Verarbeitern, Vermarktern und Verbrauchern vorantreiben.

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In den elf Unterallgäuer und vier Ostallgäuer Gemeinden, die sich beteiligen, werden Räder zufolge aktuell in 50 Biobetrieben mit rund 2300 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche etwa 2300 Milchkühe gehalten. Vier Biobetriebe hätten sich auf reinen Ackerbau ohne Viehhaltung spezialisiert. Entlang der Günz habe außerdem das stark gefährdete Original Braunvieh, das „Günztaler Weiderind“, eine große Bedeutung, so Räder, die damit beauftragt war, das Konzept zu entwickeln und die 35-seitige Bewerbung im Januar einzureichen. Biobauern rund um Erkheim und Westerheim befassen sich Räder zufolge außerdem bereits jetzt mit dem Anbau von Leinsaat, Braugerste, Sojabohnen, Dinkel, Hanf und Futtergetreide. In diesem Bereich fehle noch eine Vernetzungsstruktur, da etwa für das Toasten der Sojabohne bisher unverhältnismäßig lange Wege in Kauf genommen werden müssten.

Acht Projekte sollen umgesetzt werden

Acht Projekte sollen bei einer erfolgreichen Bewerbung konkret verwirklicht werden, wie der Bewerbung zu entnehmen ist: Für die Haltung des Günztal-Weiderinds sollen gezielt weitere Betriebe gesucht und dessen Vermarktung vorangebracht werden. Zusätzliche Betriebe sollen auch dazu animiert werden, alte Kultursorten zu vermehren – unter anderem die Dinkelsorte „Babenhausener Veesen“. Speisemarktfrüchte könnten gebündelt und deren Trocknung, Lagerung und Reinigung gemeinsam organisiert werden. Streuobstwiesen sollen bio-zertifiziert werden. Außerdem sollen Vermarktung und Verkostung des Obsts gefördert werden.

Im Bereich der Imkerei sieht Räder Veranstaltungen zur Bio-Zertifizierung vor. Im Rahmen von Aktionswochen sollen Bio-Produkte in Betriebskantinen, Gasthäusern und Krankenhäusern etabliert werden. Durch Besichtigungen und einen Erfahrungsaustausch könnte die Direktvermarktung von Milch über Verkaufsautomaten ausgebaut werden. Schließlich soll über Aktionen, Vorträge, Filme und Exkursionen die Informations- und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung um den Wert der regionalen Bio-Produkte vorangebracht werden.

Fördergelder in Aussicht

Wird das Günztal anerkannte Modellregion, übernimmt das bayerische Landwirtschaftsministerium 75 Prozent der Kosten für das Projektmanagement. Den Rest teilen sich die beteiligten Kommunen entsprechend ihrer jeweiligen Einwohnerzahl.

Was versprechen sich die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden von dem Projekt? Westerheims Rathauschefin Christa Bail könnte sich einen Biomarkt vorstellen. Unter den 27 landwirtschaftlichen Betrieben gebe es jetzt schon gute Öko-Ansätze, die zur besseren Vernetzung der Bio- und der konventionellen Landwirtschaft beitragen könnten. Laut Markt Rettenbachs Bürgermeister Alfons Weber will die Gemeinde mit ihrem Beitritt unter anderem die Erzeugung des Günztaler Weiderinds auf breitere Füße stellen. Damit sollen eine kontinuierliche Belieferung, Verarbeitung und Vermarktung sichergestellt werden. Böhens Gemeindeoberhaupt Andreas Meer will sich mit der Teilnahme den anderen Gemeinden gegenüber solidarisch zeigen. Er verspricht sich außerdem ein besseres Image und mehr Unterstützung für seine Biobauern.

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