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20.03.2009

Haftstrafe für brutale Erpresser

Illertissen/Neu-Ulm (home) - Sie hatten einen Bekannten erpresst, verletzt und misshandelt. Die jugendlichen Täter im Alter von 18 und 22 Jahren stammten ebenso wie ihr Opfer aus dem Drogenmilieu Illertissens. Für diese und drei weitere Taten verurteilte sie das Jugendschöffengericht Neu-Ulm gestern zu zwei Jahren und vier Monaten Haft beziehungsweise zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

In einer Privatwohnung musste sich das damals 18-jährige Opfer komplett ausziehen, auf die Knie gehen und Liegestütze machen. Immer noch nackt, wurde ihm ein Müllsack über den Kopf gesteckt. Die drei Täter zwangen ihn, Katzenfutter zu essen. Die ganze Zeit über filmten die Angeklagten das Geschehen. Der Haupttäter, der das Opfer zudem getreten hatte, war gestern nicht angeklagt. Er sitzt bereits in Haft.

Es war nicht das erste Mal, dass der 18-Jährige ihnen zum Opfer fiel. Bereits drei Wochen zuvor zwangen ihn dieselben drei Männer, sich in Illertissen auf offener Straße auszuziehen. Die damals 18- und 22-Jährigen sowie der bereits verurteilte Haupttäter durchsuchten ihn nach Geld und Drogen. Der bereits Verurteilte schlug außerdem auf das Opfer ein. Die angeklagten Mittäter amüsierten sich derweil darüber.

Etwa einen Monat später wurde der 18-Jährige in einen Wald gelockt und dort vom jüngeren Angeklagten sowie einem weiteren Illertisser verprügelt. Letzterer saß gestern ebenfalls auf der Anklagebank. Weil er aber im Rahmen eines großen Prozesses vom Landgericht Ravensburg bereits zu zehn Monaten Jugendstrafe verurteilt worden war (wir berichteten), wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Haftstrafe für brutale Erpresser

Den beiden wurde ein weiterer Vorwurf zur Last gelegt. In einem Illertisser Lokal hatten sie im September 2007 einen Jugendlichen aus dem Drogenmilieu erpresst: Er sollte ihnen Geld aushändigen. Ansonsten, so hatte ihm der 22-Jährige telefonisch gedroht, würde er ihm "aufs Maul hauen". Zehn Euro gab das Opfer seinen Erpressern.

Es war eine lange Liste an Anklagepunkten. Die Taten seien "extrem erniedrigend und menschenverachtend" gewesen, sagte Richter Bernhard Lang.

Doch seit den Vorfällen hat sich einiges geändert: Der heute 24-Jährige saß wegen einiger anderer Delikte eine Haftstrafe ab, machte dort einen Entzug und wurde im November 2008 entlassen. "Jetzt holt ihn seine Vergangenheit ein", waren sich Verteidiger Klaus Knopf und Staatsanwalt Walter Henle einig. Im November wurde der junge Mann wegen eines früheren Raubüberfalls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. "Mit Bauchschmerzen" plädierte Henle gestern dafür, diese Strafe mit dem Urteil zusammenzuziehen und die Haft auf Bewährung auszusetzen. "Wir geben Ihnen eine letzte Chance." Das Gefängnis habe den jungen Mann geprägt, auch sein Geständnis spräche für ihn. Richter Lang stimmte dem Vorschlag zu: zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1200 Euro.

Der jüngere Angeklagte hingegen war immer noch heroinabhängig. "Es wird nicht mehr lange dauern, bis er sich den goldenen Schuss setzt", sagte Staatsanwalt Henle in der gestrigen Verhandlung. Er plädierte für eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten nach Jugendstrafrecht, die nach dem Entzug in eine stationäre Therapie umgewandelt werden könne. Dem stimmte das Jugendschöffengericht zu.

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