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Illertissen

18.06.2019

Handelsflaute wegen Baustelle: Bimmelbahn soll Kunden bringen

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Alles einsteigen: Diese Attraktion soll Besucher an der gesperrten Vöhlinstraße vorbei nach Illertissen locken. Die Stadt lässt am 13. Juli die Auer Bimmelbahn durch die Straßen rollen. Händler können sich am Programm beteiligen.

Plus Nach Beschwerden über die gesperrte Vöhlinstraße in Illertissen will der Bürgermeister einen „Einkaufssamstag“ mit Attraktionen organisieren. Machen die Händler mit?

Den Ärger der Illertisser Händler über die Dauerbaustelle in der Vöhlinstraße kann Bürgermeister Jürgen Eisen gut nachvollziehen: „Das ist ein großes Problem.“ Wie berichtet, hatten sich zuletzt mehrere Gewerbetreibende über ausbleibende Einnahmen beklagt. Einer ihrer Vorschläge lautete, den Verkehr einspurig an den Arbeiten in der Vöhlinstraße vorbeizuleiten. Das hält der Rathauschef zwar für unmöglich: „Dafür gibt es keinen Platz.“ Eisen sieht aber andere Möglichkeiten, um die negativen Auswirkungen der gesperrten Hauptverkehrsader zu lindern. „Wir müssen die Menschen nach Illertissen holen.“ Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran: Eine konkrete Idee soll im Juli umgesetzt werden.

Idee stammt aus Österreich

Auf sie ist der Rathauschef im vergangenen Jahr bei einem Urlaub in Österreich gestoßen: In der Kleinstadt Leibnitz in der Steiermark war an Samstagen ein umgebauter Traktor mit Waggons im Einsatz. Diese sogenannte „Bimmelbahn“ war nicht nur ein Werbe-Gag, sondern auch ein Publikumsmagnet, sagt Eisen. „Da war etwas los auf den Straßen und jedes Café war voll.“ Das könnte auch in Illertissen funktionieren, vielleicht sogar noch besser: „Unsere Bahn ist viel schöner“, sagt Eisen und denkt an den für solche Zwecke liebevolle hergerichteten „Zug“ des Auer Kulturrings. Der soll nun am Samstag, 13. Juli, durch die Illertisser Straßen rollen. Und außen herum ein buntes Programm geboten werden – so weit die Idee.

Kein Durchkommen: Die Vöhlinstraße (und damit eine Hauptzufahrt zur Innenstadt) ist noch bis zum Herbst dicht.

Geht es nach Eisen, dann sollen die Händler gewissermaßen auf die fahrende „Bimmelbahn“ aufspringen: „Von ihnen muss auch etwas kommen.“ Denkbar seien Musik und Aktionen wie Kinderschminken oder Malwettbewerbe an und in den teilnehmenden Geschäften. „Wir müssen einfallsreich sein“, sagt Eisen. Denn an der Baustelle führe kein anderer Weg vorbei. Die Sanierungen der Kanäle und der Fahrbahn seien notwendig, auch für die Entwicklung der Stadt. Nichts zu machen, bedeute Stillstand, so der Bürgermeister. „Und der ist tödlich.“ Eisen hofft, dass es sich mit der Vöhlinstraße ähnlich verhalte, wie beim Anschluss der Rudolf-Diesel-Straße an die Nordtangente – ebenfalls eine Riesenbaustelle. „Das Murren war groß, aber jetzt sind alle zufrieden“, stellt Eisen fest. Wobei die Illertisser Geschäfte die gesperrte Vöhlinstraße derzeit deutlich zu spüren bekämen.

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Arbeiten sollen schnell abgeschlossen werden

Ein Grund, weshalb die Arbeiten so schnell wie möglich abgeschlossen werden sollen. „Es geht gut voran“, sagt dazu Bernd Hillemeyr, der im Rathaus den Bereich Tiefbau leitet. Zwei Trupps seien im Einsatz, für den Hauptkanal und für die Hausanschlüsse. Dafür werde die ganze Fahrbahnbreite benötigt, so Hillemeyr, und eine Durchfahrt der Baustelle sei schon allein deshalb technisch betrachtet ausgeschlossen.

Vorbild aus Österreich: In Leibnitz in der Steiermark sah Bürgermeister Jürgen Eisen diese kleine Bahn.

Eine beschilderte Umleitung über den Tiefenbacher Weg – auch das hatten Händler als vermeintlich direktere Route in die Innenstadt gefordert – lehnt Hillemeyr ab. Die Straßen seien für ein so hohes Verkehrsaufkommen nicht ausgelegt, schon gar nicht für Lastwagen. Zumal es dort auch keine Gehsteige gebe und viele Radfahrer unterwegs seien. „Da ist schon jetzt zu viel Verkehr“, so Hillemeyr. Er appelliert an die Autofahrer, sich an den ausgeschilderten Weg (vom Autobahnkreisel über den Zubringer) zu halten und gar nicht erst über die Unterrother Straße in Richtung Baustelle zu fahren. Wer das tue, habe zwei Verbotsschilder passiert, bevor er dann schließlich vor der Absperrung stehe. „Dann muss man halt umdrehen.“ Es gebe kein Geschäft in Illertissen, das momentan nicht mit dem Auto zu erreichen sei, betont der Tiefbauamtsleiter. Wenngleich bis zum Herbst eben nicht auf dem unmittelbaren Weg.

Tourismusbeauftragter sucht teilnehmende Händler

Im Büro des Tourismusbeauftragten Henning Tatje im Rathaus läuft indessen die Telefonleitung heiß: Er koordiniert die Aktion mit der „Bimmelbahn“, wirbt bei den Illertisser Händlern um ihre Beteiligung daran. „Es wäre schön, wenn wir gemeinsam eine tolle Aktion hinbekämen.“ Die Baustelle bedeute eine „schwere Zeit“ für Illertissen, aber da müssten Stadt und Gewerbe nun gemeinsam durch. Im Rathaus wolle man Impulse setzen, um Menschen und damit vielleicht auch Kunden nach Illertissen zu bringen. Auch die anstehenden Open-Air-Konzerte auf dem Marktplatz (Live im Sperrbezirk) und das Illermusikfestival könnten dazu beitragen. Tatje: „Wir machen etwas.“

Falls der Einkaufssamstag mit dem Bähnchen im Juli gut funktioniert, muss er keine Einmal-Aktion bleiben. Bürgermeister Eisen könnte sich eine Wiederholung jedenfalls vorstellen: „Falls wir genug Leute finden, die mitmachen.“ Die Finanzierung sei dann wohl „das kleinste Problem“.

Der Einkaufssamstag ist eine gute Idee - aber jetzt sind die Händler gefragt: Lesen Sie dazu einen Kommentar von Redakteur Jens Carsten: Auf diesen Zug sollten Illertisser Händler aufspringen

Die Vöhlinstraße als Dauer-Baustelle: Mehr darüber lesen Sie hier:

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