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Illertissen

28.07.2015

Handy am Steuer: Nur Sekunden bis zum Totalschaden

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In einer Sekunde Ablenkung passiert viel, manchmal zu viel. Auf der sicheren Seite sind Fahrer dann, wenn sie das Handy während der Fahrt so verstauen, dass es nicht beachtet wird.
Bild: Dolgachov/dpa

Während der Fahrt hat das Handy nichts beim Fahrer verloren. Viel zu selten wird das konsequent eingehalten. Dabei soll das Verbot Ähnliches wie ein Gurt bewirken: Leben retten.

Die Zahl der Unfälle, die verursacht werden, weil Fahrer nicht konzentriert den Straßenverkehr, sondern ihr Handy beobachten, lässt sich schlecht messen. Der Dienststellenleiter der Illertisser Polizei, Franz Mayr, weiß, dass viele Autofahrer nicht zugeben, dass sie durch ein Handy abgelenkt wurden, wenn sie beispielsweise nach einem Zusammenstoß vernommen werden. „Bei vielen Unfällen spielt das eine große Rolle. Es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer“, sagt der Polizist und warnt, denn telefonieren und vor allem Nachrichten checken sei umso gefährlicher, je schneller ein Lenker mit seinem PKW unterwegs ist. Mayer verdeutlicht: „Eine Sekunde reicht aus, dass man nicht mehr rechtzeitig zum Stillstand kommt.“

Auch trinken, essen oder eine Zigarette während der Autofahrt rauchen lenkt ab. Allerdings weist der Dienststellenleiter auf einen gewissen Unterschied hin. „Wer das Handy in die Hand nimmt, ist doppelt abgelenkt.“ Bei Anrufen beispielsweise seien Fahrer geistig und emotional mit den Gedanken woanders. Währenddessen der Fahrer einen Apfel isst, habe er weiterhin das Fahrgeschehen im Blick und keine Nebentätigkeit. An dem orientiere sich auch die Straßenverkehrsordnung.

Verboten ist es, das Handy in der Hand zu halten, wenn der Motor läuft – so sagt es die Straßenverkehrsordnung. Doch dieses Gesetz interessiert oft nur wenige. Verkehrsteilnehmer können Unfälle vermeiden, wenn sie das Mobiltelefon in der Tasche lassen. Deshalb appelliert Mayr: „Finger weg vom Handy während der Autofahrt.“

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Josef Fackler ist seit 2015 Beauftragter für den Auto Club Europa (ACE) und für das Gebiet Illertissen und Vöhringen zudem als Pressesprecher zuständig. In seiner 20- und 30-jährigen Amtszeit als Kreis- und Stadtrat war er bereits im Verkehrsausschuss tätig. Er kennt sie, die Handy-Sünder. Zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Brunner starteten die ACE-Mitglieder in diesem Jahr die Verkehrssicherheits-Kampagne „Park dein Handy“ im Auftrag des Clubs. Ihnen liegen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes vor. Das registrierte im Jahr 2014 rund 6800 Verstöße gegen das Handyverbot im Auto – monatlich. Auch sie schätzen, dass die Dunkelziffer sehr viel höher liegt. Zwischen dem 30. Mai und dem 22. Juli zählte ein Team des Clubs Autofahrer im Landkreis Neu-Ulm, die ihr Mobiltelefon während der Fahrt benutzten. In sechs Stunden wurden beispielsweise in Neu-Ulm an der Kreuzung Memminger Straße/Meininger Allee sowie am Allgäuer Ring 83 Personen gesehen, die telefoniert haben, 33 tippten auf ihrem Smartphone.

Brunner geht davon aus, dass Bußgelder die Bürger nicht sensibilisieren, deshalb müssen mehr Kampagnen betrieben werden. Auch mit der Anschnallpflicht habe es sehr lange gedauert, bis der Bevölkerung klar war, dass der Gurt überlebenswichtig ist. Das Handyverbot soll die selbe Akzeptanz erfahren. Deshalb setzen sie auch weiterhin auf Prävention.

Der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, Hanspeter Albrecht, konfrontiert in den Sicherheitstrainings im Landkreis Fahrer mit dem Verbot. Sie sollen im Parcours erfahren, was passiert, wenn der Fokus auf dem Handy liegt und nicht auf der Straße. In den Theoriestunden vermittelt er den Teilnehmern, dass ein Telefonat nicht mit einem Gespräch mit dem Beifahrer gleichzustellen sei. Während eine zweite Person im Auto bei Gefahrensituationen mitreagieren könne, kommt vom anderen Ende der Telefonleitung nichts, sagt Albrecht. Seiner Meinung nach haben Telefonate im Auto nichts verloren, nicht einmal mit Freisprechanlage.

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