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Illertissen / Neu-Ulm

09.09.2019

Hart aber herzlich: Promis erinnern sich an ihren ersten Schultag

2173 Erstklässler gibt es in diesem Jahr im Landkreis Augsburg. Am Dienstag haben sie ihren ersten Schultag. (Symbolfoto)
Bild: Peter Steffen, dpa (Symbolbild)

Plus Fehlende Schultüte, Hiebe auf die Finger – früher war Schule vollkommen anders als heute. Bekannte Menschen aus dem Landkreis Neu-Ulm erinnern sich.

Der erste Schultag ist aufregend – fremdes Umfeld, neue Herausforderungen. Im Landkreis sitzen heute 1516 Kinder zum ersten Mal im Klassenzimmer. Woran werden sie sich später einmal erinnern? Unsere Redaktion hat bekannte Menschen aus dem Landkreis gefragt, wie sie ihre Einschulung erlebt haben:

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Unternehmer Der Ranzen war gebraucht, eine Schultüte gab es nicht, als Josef Kränzle 1951 in die Illertisser Knabenschule kam. Seine Schwester zeigte ihm den Weg, während die Eltern auf dem Hof arbeiteten. Die Schule befand sich im Rathaus, im Klassenzimmer werden heute Paare getraut. „Weil ich groß war, durfte ich hinten sitzen“, erinnert sich Kränzle. Dass er später mit einer eigenen Firma Erfolg haben würde, zeichnete sich in der Schulzeit noch nicht ab. „Ich war vermutlich der faulste Schüler der Klasse“, sagt Kränzle mit einem Lachen. „Ich bin erst später aufgewacht.“ Wer nicht folgte, dem schlug die Lehrerin mit dem Stock auf die Finger, „bis sie anschwollen wie Bratwürste“. Er habe sich gefreut, als die Schule nach der achten Klasse vorbei war. Doch bevor Kränzle seine Lehre bei Wieland antreten durfte, musste er ein Jahr Brotzeit holen.

Vor 55 Jahren kam Lehrerin Helga Sonntag in die Schule.
Bild: Archiv Kleinle

Lehrerin Mit Schultüte und Lederranzen kam Helga Sonntag vor 55 Jahren in die Illertisser Mädchenschule. Die 59 Schülerinnen wurden in zwei Klassen aufgeteilt – strikt nach Alphabet und nicht wie heute nach Wünschen oder Wohnort, erinnert sich Sonntag. „Ich hatte Glück und kam mit meiner besten Freundin in eine Klasse.“ Doch weil sie größer war, durfte sie hinten sitzen, während Sonntag in der vorderen Schulbank Platz nehmen musste. „Das war schlimm für mich.“ Als erste Hausaufgabe durfte die heutige Grundschullehrerin und Illertisser Stadträtin Spazierstöcke und Bälle an die Tafel malen. „Ich bin gerne in die Grundschule gegangen“, sagt Sonntag. Die sozialen Kontakte seien ihr am wichtigsten gewesen – auch später am Gymnasium. Allerdings nahm das Kolleg der Schulbrüder in Illertissen erst ab 1969 Mädchen auf. Für Sonntag hieß das: ein Jahr warten. Dafür war sie im ersten Mädchenjahrgang dabei.

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Kulturschaffender An seinen ersten Schultag im September 1947 kann sich Fritz Unglert vom Freundeskreis Kultur im Schloss kaum noch erinnern. Nur eines weiß er: „Ich hatte keine Schultüte.“ Die habe es auf dem Dorf nicht gegeben – genauso wenig wie Fotos vom ersten Schultag. Vier Klassen saßen in einem Raum. Doch nicht der viele Unterrichtsstoff, sondern die junge Lehrerin verdrehte ihm den Kopf. „Ich war ein bisschen verliebt in sie“, erinnert sich Unglert. Umso größer war die Freude, als die Lehrerin ihm eine Zwei im Singen gab. Nach der Grundschule in Loppenhausen im Unterallgäu besuchte Unglert das Gymnasium in Mindelheim. Um 6 Uhr morgens fuhr der Zug – den Weg zum Bahnhof lief er zu Fuß. Für seine Eltern sei es schwierig gewesen, elf Mark für die Monatskarte aufzubringen. Doch sie hätten es ihm als eines der wenigen Kinder im Dorf ermöglicht, eine höhere Schule zu besuchen.

Landrat Thorsten Freudenberger ging gern in die Schule.
Bild: Archiv Kleinle

Landrat Als einen spannenden Tag hat Landrat Thorsten Freudenberger seinen ersten Schultag empfunden. Mit einer Schultüte voller Süßigkeiten im Arm („Gummibärchen waren bestimmt dabei“) betrat er 1979 die Grundschule Süd in Vöhringen. Er war ein wenig traurig, dass niemand von seinen Kindergartenfreunden in seiner Klasse war. Doch die Lehrerin habe schnell dafür gesorgt, dass er sich wohlfühlte. Er habe grundsätzlich positive Erinnerungen an die Schule: „Das war der Ort, wo ich neue Freunde gefunden habe – und diese Freundschaften bestehen teilweise immer noch.“ Offenbar war Freudenbergers Begeisterung so groß, dass er später Lehrer geworden ist.

Pfarrer Dass er sich einmal in den Dienste Gottes stellen würde, ahnte Thomas Kleinle in der Schule noch nicht. Eigentlich war Mathe sein Lieblingsfach. Im Abitur schnitt er dann auch besser ab als in Religion. Trotzdem habe ihm der Reliunterricht schon damals gefallen – weniger Druck, Zweifel äußern, über Lebensfragen sprechen. „Das war spannend“, sagt der Pfarrer. 1993 wurde er an der Grundschule in Lauingen eingeschult. Am ersten Schultag war die Aufregung groß. Dagegen half auch die Dinosaurier-Schultüte nichts, die Kleinle mit seiner Mutter gebastelt hatte. „Zum Glück kannte ich einige Kinder aus dem Kindergarten. Das hat es einfacher gemacht.“ In die Grundschule ging er zu Fuß, denn sie lag gleich um die Ecke. „Ich bin immer möglichst spät aufgestanden und dann schnell in die Schule gelaufen.“

Mathe war das Lieblingsfach von Pfarrer Thomas Kleinle.
Bild: Archiv Kleinle

Schulleiter Einen kurzen Schulweg hatte auch Manfred Schöpplein. Voller Stolz betrat er im September 1963 zum ersten Mal das Klassenzimmer der Volksschule in Neumarkt in der Oberpfalz. „Das Beste an dem Tag war die Schultüte“, sagt Schöpplein, der heute das Kolleg der Schulbrüder in Illertissen leitet. Lesen und Schreiben lernte er noch mit Kreide und Schiefertafel. Genauso spannend wie die Schule war der Weg dorthin: heimlich für zehn Pfennig Süßigkeiten kaufen, Freunde treffen oder mal eine Rangelei – auf dem Schulweg war immer was los. „Damals hatte die Schulzeit noch etwas mehr von Erich-Kästner-Erzählungen“, sagt Schöpplein. „Wir hätten gar nicht gewollt, dass uns die Eltern in die Schule fahren.“

Politikerin Mit roter Schultüte samt Prinzessinnenmotiv lief Susanne Schewetzky am ersten Schultag 1983 in die Grundschule in Kettershausen. Ihre ältere Schwester begleitete sie. „Ich bin ziemlich stolz in die Schule marschiert“, sagt die Kettershauser Bürgermeisterin. „Bestimmt war ich aufgeregt, aber ich kannte viele Kinder aus dem Kindergarten.“ Sie sei gerne in die Schule gegangen, das Lernen sei ihr leicht gefallen – zumindest, wenn sie aufgepasst hatte. „Einmal habe ich eine Strafarbeit kassiert“, sagt Schewetzky. Weil sie einige Seiten im Buch vorausgelesen hatte, konnte sie nicht an der richtigen Stelle vorlesen, als der Lehrer sie aufrief.

In den 1920er-Jahren wurde auf dem Spielplatz vor dem Kolleg der Schulbrüder in Illertissen noch geturnt, wie diese alte Postkarte zeigt. Heute ist das Gymnasium um einige Gebäude erweitert, die Wiese längst bebaut und die Dietenheimer Straße führt an der Schule vorbei.
Bild: Archiv Kleinle

Schulamtsdirektor Mit Freude blickt auch Ansgar Batzner auf die Grundschulzeit zurück. Seine Mutter habe ihn am ersten Schultag begleitet. „Eine Schultüte hatte ich nicht, dafür gab es ein Geschenk“, sagt der Schulamtsdirektor. In besonders guter Erinnerung hat der 60-Jährige seine erste Lehrerin. „Sie stand kurz vor der Pensionierung und war einfach toll.“ Um dem Trubel mit den fünf Geschwistern zu Hause zu entkommen, stellte Batzner sogar einmal etwas an, um länger in der Schule bleiben zu können.

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