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Illerberg

26.10.2020

Hat der traditionsreiche Männergesangverein in Illerberg Zukunftssorgen?

Ein Bild von der Fahnenweihe im Jahr 1899. Damals gab es keine Nachwuchssorgen beim Männergesangverein im Vöhringer Stadtteil Illerberg.
Bild: Repro: Ursula Balken

Plus Noch sehen sich die Sänger aus Illerberg gut aufgestellt. Doch Überalterung ist auch dort ein Thema.

Was waren das doch noch für Zeiten, als es eine Ehre war, Vorsitzender oder gar Dirigent eines Männergesangvereins zu sein? Da kann man nur wehmütig „das war einmal“ seufzen. Volker Köhler, wiedergewählter Vorsitzender des MGV Illerberg-Thal, hat das Glück, sangesfrohe Männer um sich scharen zu können. Aber – und das scheint ein ebenso großes Glück – der Chor hat mit Hannelore Lux auch eine Macherin am Dirigentenpult.

Seit 2003 leitet sie den MGV musikalisch, weiß Tradition zu schätzen, setzt aber auch auf neue, junge Musik. „Da war schon Überzeugungsarbeit nötig“, sagt Vorsitzender Köhler. „Um einen Chor am Leben zu erhalten, müssen auch neue Wege gegangen werden. Dazu gehört auch mal, einen Song in englischer Sprache zu singen, was ja nicht heißt, dass wir das alte Liedgut vernachlässigen.“

Es ist nichts Neues, dass allgemein vom Sterben der Männerchöre die Rede ist. Immerhin gibt es im Chorverband Bayerisch Schwaben unter 675 Mitgliedsvereinen noch 116 reine Männerchöre. Aber die Tendenz ist wie überall in Deutschland eher sinkend. Der Grund für das schwindende Interesse liegt nach Ansicht von Fachleuten am Repertoire und dass sich viele Männer nicht mehr fest in eine Gemeinschaft einbinden lassen wollen.

MGV-Vorsitzender: „Die Sänger sind sozusagen gemeinsam gealtert."

Aber es gibt auch eine positive Seite. Aus den großen Chören haben sich in zunehmendem Maße kleinere Ensembles herauskristallisiert. Auch dort sind Männerstimmen begehrt. Bestes Beispiel ist die Gruppe „Stimmwerk“, einst gegründet, um Nachwuchs für den Männerchor heranzuziehen. Aber das Ensemble hat sich verselbstständigt, und das mit Erfolg. Bei jedem Konzert ist es mit seinem flotten Repertoire und seinen frischen Stimmen eine Bereicherung.

Dass beim MGV Illerberg-Thal immer mehr Stühle bei den Proben leer bleiben, diese Gefahr sieht Köhler im Moment nicht. Aber sorglos in die Zukunft blicken kann er auch nicht. „Wir dürfen uns nichts vormachen. Wir haben im Moment 34 Sänger und sind in den Stimmlagen Tenöre und Bässe noch ganz gut aufgestellt, wenngleich auch ein paar mehr Stimmen nicht schaden würden.“ Aber um das Thema Überalterung komme auch der MGV nicht herum. „Die Sänger sind sozusagen gemeinsam gealtert. Früher sangen die Väter im MGV, und da war es fast eine Selbstverständlichkeit, dass die Buben dem Vater nacheiferten und ebenfalls zu treuen Sängern wurden.“

Durch Corona gibt es jetzt eine andere Gefahr. Viele Sänger befinden sich im kritischen Alter, also sind über 60. Da fürchtet der eine oder andere Sänger, sich anzustecken, und bleibt lieber zu Hause. Daraus könnte Gewohnheit werden.

Früher, sagt Köhler, hatten die Vorsitzenden ein ganz anderes Standing in der Gemeinde. Heute sind sich er und Dirigentin Lux nicht zu schade, von Tür zu Tür zu gehen und um Sänger zu werben. „Das Erste, was wir zu hören bekamen, war, ich kann nicht singen.“ Aber dem widerspricht Köhler entschieden. „Jeder kann singen, es geht bei uns ja nicht darum, wie ein Opernchor auf der Bühne zu stehen, sondern gemeinschaftlich etwas zu tun, was einem selbst und anderen Freude macht. Und Vereine halten eine Gemeinde auch zusammen, ein Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist.“

Um den Chorbestand für die Zukunft zu sichern, verwandelten sich Männerchöre in gemischte Chöre. In Illerberg ist das aktuell keine Option. Die Warnung altgedienter Sänger klingt noch nach: „Wenn aus dem Männerchor ein Chor mit Frauen wird, trete ich aus.“ Wer die Illerberger Sänger-Mentalität kennt, weiß, das sind keine leeren Worte. Das Argument der Frauenverweigerer: Damit wäre die Tradition, welche seit 125 Jahren gepflegt werde, dahin.

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