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Illertissen

09.03.2020

Hat ein Frauenfeind Wahlplakate zerstört?

An einer Plakatwand im Illertisser Stadtteil Au hat ein Unbekannter gezielt Fotos von Kandidatinnen herausgeschnitten.
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An einer Plakatwand im Illertisser Stadtteil Au hat ein Unbekannter gezielt Fotos von Kandidatinnen herausgeschnitten.
Bild: Ansgar Bauer

Plus Ein Illertisser Bündnis klagt, dass gezielt Kandidatinnen aus Aushängen geschnitten wurden. Auch Wahlwerbung von CSU und Freien Wählern ist betroffen.

Ob Hitler-Bärtchen, Farbspritzer oder sonstige Schmierereien: Vor jeder Wahl werden zahlreiche Plakate, die Kandidaten aufhängen, verunstaltet. Doch dieser Fall geht aus Sicht von Rüdiger Stahl weit über einen Lausbubenstreich hinaus: So wurden aus einem Plakat des Illertisser Bündnisses Grüne/ÖDP/Aktive Bürger im Stadtteil Au gezielt die weiblichen Kandidaten herausgeschnitten.

Eine große Lücke wies vor einigen Tagen auf derselben Plakatwand auch ein Plakat der CSU auf: Dort fehlten die Kreistagskandidaten Armin Oswald und Sabine Gabriel-Brauchle, ein Plakat mit dem Konterfei von Susanna Oberdorfer-Bögel, Landratskandidatin der Freien Wähler, wurde gleich dreimal komplett abgerissen. „Das ist erschreckend und beschämend“, sagt Rüdiger Stahl.

Der Stadtrat, der auf der Liste von Grüne/ÖDP/AB am Sonntag erneut zur Wahl antritt, hat bei der Polizei Anzeige erstattet. Die Beamten ermitteln wegen Sachbeschädigung. Für Stahl ist es aber mehr als das: „Ich sehe es als persönlichen Angriff, als Verunglimpfung.“ Die Frauen im Bündnis seien alle empört. Aufmerksam gemacht auf die Zerstörung hatte ihn Ansgar Bauer, Stadtrat der Freien Wähler in Illertissen.

Hat ein Frauenfeind Wahlplakate zerstört?

Die Illertisser Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung

Er habe es anfangs noch als Witz aufgefasst, erzählt Bauer. Dreimal sei das Plakat mit dem Bild von Oberdorfer-Bögel komplett entfernt worden, dreimal hätten die Freien Wähler ein neues angebracht. Als Bauer dann das ausgeschnittene Plakat von Grüne/ÖDP/AB sah, hat er die Sache anders bewertet. Die Motivation des Täters kennt er nicht, aber ein Faschingsscherz sei es jedenfalls nicht gewesen, sagt Bauer. Denn vor und nach dem Umzug in Au sei die Plakatwand noch unbeschädigt gewesen.

Wie berichtet, sucht die Illertisser Polizei nach dem Vorfall im Bereich der Straße Am Pfarrzentrum in Au Zeugen. „Wir ermitteln wegen einer Straftat“, sagt Alexander Kurfürst, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion. Er räumt allerdings ein, dass es schwierig wird, den Verursacher der Sachbeschädigung zu finden. Dass es einen frauenfeindlichen Hintergrund gibt, möchte Kurfürst nicht bestätigen.

Ermittlungen in Sachen Wahlplakate führt seit Februar auch die Abteilung für Staatsschutz bei der Kriminalpolizei Neu-Ulm. Weil in Senden womöglich Plakatdiebe ihr Unwesen trieben, hatte die Gruppierung Bürgerinteressen Stadt Senden (BiSS) Anzeige erstattet. Insgesamt 26 BiSS-Plakate waren über Nacht verschwunden (wir berichteten). „Der Fall ist bei uns noch präsent“, sagt Xaver Büchele von der Kripo. Auch auf ihren Aufruf hin seien noch keine Zeugenhinweise eingegangen, neue Erkenntnisse haben die Beamten Büchele zufolge nicht.

Es gibt auch einen Fall von Vandalismus an Wahlplakaten in Babenhausen

Über das gezielte Abreißen eines Plakats ihrer eigenen Gruppierung beklagte sich bei unserer Redaktion auch die Babenhauser Markträtin Karin Lepschy (Liste engagierter Bürger). Betroffen sei ein Exemplar an der Plakatwand am Rathaus, das mehrfach abgerissen worden sei, berichtet sie. Mit Ironie macht die LeB auf Facebook auf dieses Ärgernis aufmerksam. Sie hat dort folgenden Beitrag veröffentlicht: „Lieber fleißiger Abreißer unserer Plakate, offensichtlich finden Sie unsere Plakate so toll, dass Sie diese zu Hause sammeln wollen. Wir würden Ihnen gerne die Arbeit etwas erleichtern. Melden Sie sich doch einfach bei uns und Sie bekommen frisch gedruckte Plakate frei Haus geliefert. Sie ersparen sich und uns die Mühe, ständig an die Plakatwände gehen zu müssen. Wir freuen uns sehr über Ihre Begeisterung für unsere Liste und hoffen auf ihre Stimme.“

Auch wenn es in der Region zahlreiche Fälle von Vandalismus an Wahlplakaten gibt – einen solchen Fall wie den in Au hat Rüdiger Stahl noch nicht erlebt. Denn allem Anschein nach hat sich der unbekannte Täter besondere Mühe gemacht: Die Porträtfotos der Kandidatinnen von Grüne/ÖDP/AB sind vermutlich mit einem Teppichmesser herausgeschnitten worden.

Hinweise zu den beschädigten Wahlplakaten in Au nimmt die Polizei Illertissen unter der Telefonnummer 07303/96510 entgegen. Wer etwas zu den Plakatdiebstählen in Senden beobachtet hat, wird gebeten, sich bei der Kripo Neu-Ulm unter der Telefonnummer 0731/80130 zu melden.

Einen Bericht über den Vorfall in Senden lesen Sie hier: Kommunalwahl: Treiben Plakatdiebe in Senden ihr Unwesen?

Mehr über die Wahl und die drei Landratskandidaten erfahren Sie hier:

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