Barocksaal

14.05.2013

Humor trifft Romantik

Gleich zweimal konnten Sabine Kölbl, links, und Simone Resch-Unglert bei ihren Auftritten mit Lyrik und Musik verdiente Erfolge verbuchen.
Bild: Otto Mittelbach

Gedichte und Klavierklänge mit Sabine Kölbl und Simone Resch-Unglert

Illertissen Das letzte Konzert des Halbjahresprogramms von „Kultur im Schloss“ gab zwei jungen, aus Illertissen stammenden Künstlerinnen Gelegenheit, sich vorzustellen: Sabine Kölbl und Simone Resch-Unglert. Sabine Kölbl, freischaffende Schauspielerin in Film, TV und auf Bühnen, rezitierte vorwiegend Humoriges. Für ihr Metier ist sie von der Familie her vorbelastet, trat ihr Großvater Gottfried Kölbl, einst Illertisser Stadtrat, doch als Romanautor mit „Die Hexe von Freyenwalde“ hervor.

Pointen gezielt und mit viel Charme

Viel Charme versprühte die mit klarer Stimme pointengezielt Vortragende bei der Wiedergabe der zumeist kurzen Gedichte. So etwa aus Christian Morgensterns komischer Lyrik „das Häslein“ und „die drei Spatzen“: „Sie hören aller Herzen Gepoch, und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.“ Von Eugen Roths „Ein Mensch“-Geschichten gab es den „Unentschlossenen“, der nicht ein und aus will oder kann, die „kleine Ursache“, die einem Unrasierten den Damenbesuch vermasselt, und die „5. Symphonie“. Sie endete, bevor dem Zuhörer die Namen einiger Nebenleute einfielen. Altmeister Wilhelm Busch war unter anderem mit dem „Blümlein“, dem Opfer eines brutal gefräßigen Esels, und mit einer Lausbubengeschichte, passend zu „Max und Moritz“ vertreten.

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Erich Kästners „Repetition der Gefühle“ oder „Atmosphärische Konflikte“, endend mit dem Vers „Die Herzen lagen auf den Gleisen, als der Zug ins Allgäu fuhr“, gaben sich als beschaulichere Lyrik. Groteskes mit Tiefsinn gepaart sprach aus den Beiträgen von Joachim Ringelnatz, dessen „Schnupftabakdose“ mit Lachern quittiert wurde.

Schwierige Suche nach passenden Beiträgen

Die schwierige Suche nach passenden Musikbeiträgen zu den teilweise kabarettistischen Texten gelang nicht ganz. Simone Resch-Unglert, die schon mehrmals auf Illertisser Podien auftrat, so als ständige Begleiterin des Männergesangvereins, mit „Four n’ more“ und beim Jazzfrühschoppen, hatte romantische Klaviermusik gewählt. Heiter geben sich aber weder Schubert noch Schumann.

Zudem lebten sie in einer ganz anderen Epoche, kannten nicht die „Errungenschaften“ des technischen Zeitalters, wie sie aus Gedichten sprechen, in denen von benzingeschwängerter Luft die Rede ist, mit der Autos die Landschaft verpesten. Da wirken Schumanns „Träumerei“, Schuberts as-Moll-Impromptu oder Beethovens „Für Elise“, so schön sie an sich sind und so empfunden sie vorgetragen werden, etwas befremdend.

Mit Rasse und Klasse vorgetragen

Ganz anders dagegen – damit erwies sich die besondere Neigung der Pianistin – Aaron Coplands „The cat and the mouse“. Das „Scherzo humoristique“ des Amerikaners, der von 1900 bis 1990 lebte, verbindet Jazziges und klassische Elemente. Mit diesem drastischen Cross-over kommt er den Inhalten humorgewürzter Lyrik viel eher entgegen. Der Vortrag von Simone Resch-Unglert hatte Rasse und Klasse. Und auch Debussys Arabesque und „Le petit Negre“ fügten sich gut ein.

Am Schluss gab es lang anhaltenden Beifall und als Zugabe noch die berühmte „Made“ des großen Spaßmachers Heinz Ehrhardt. Die Veranstaltung wurde tags darauf als Matinee wiederholt.

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