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Illertissen

02.12.2019

Illertissen legt eine Streuobstwiese auf Vorrat an

In der Region sollen Streuobstwiesen und Blühwiesen neues Bauland ausgleichen. Die Artenvielfalt soll durch die ökologischen Flächen gefördert werden.
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In der Region sollen Streuobstwiesen und Blühwiesen neues Bauland ausgleichen. Die Artenvielfalt soll durch die ökologischen Flächen gefördert werden.
Bild: Peter Roth (Symbolfoto)

Plus Überall in der Region wird gebaut. Kommunen sind dazu angehalten, als Ausgleich Grünflächen zu schaffen. Ein großes Projekt wird in Tiefenbach umgesetzt.

Der Kreis Neu-Ulm wächst – die Nachfrage nach Gewerbeflächen und Wohnraum ist vielerorts groß. Was auch heißt: Es wird an allen Ecken und Enden gebaut. Natur und Landschaft bekommen das zu spüren. Felder und Wiesen müssen Mehrfamilienhäusern oder Fertigungshallen weichen, Bäume werden abgeholzt. Um dem entgegenzuwirken sind Behörden und Kommunen bereits seit Jahrzehnten dazu verpflichtet, die Versiegelung von Flächen auszugleichen: Sei es durch die Schaffung von Grünflächen, Blühwiesen oder Feuchtbiotopen, die andere Gebiete ökologisch aufwerten sollen. Im benachbarten Unterallgäu scheint dies allerdings nur bedingt zu funktionieren: Laut Maximilian Simmnacher von der Unteren Naturschutzbehörde im dortigen Landratsamt befänden sich 60 Prozent der Flächen nicht in dem Zustand, in dem sie sein sollten. Ausgleichsflächen würden entweder nicht ausreichend gepflegt oder erst gar nicht hergestellt. Wie sieht die Situation im Kreis Neu-Ulm aus?

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Ein neues Wohngebiet, die Errichtung eines Sendemastes oder der Bau einer neuen Straße – im Landkreis gebe es vielfältige Eingriffe in die Natur, sagt Michael Angerer, Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Landschaftsplanung im Neu-Ulmer Landratsamt. Daher sei die Schaffung von Ausgleichsflächen auch nicht nur Aufgabe der Kommunen: Für den vierspurigen Ausbau der B10 sei beispielsweise das Staatliche Bauamt Krumbach verantwortlich. „Die Gemeinden müssen vor allem dann für Ausgleichsflächen sorgen, wenn sie Bebauungspläne ausweisen.“ Deren Größe werde durch ein Berechnungsschema festgesetzt und betrage in der Regel 20 bis 40 Prozent der Bau- und Erschließungsfläche.

Bei Tiefenbach werden auf einem Hektar Fläche rund 50 Bäume gepflanzt

Illertissen ist eine der Kommunen in der Region, in der jüngst besonders viel gebaut wird: An der A7 nimmt aktuell das Gewerbegebiet Leitschäcker Formen an, wo noch in diesem Monat ein McDonald’s-Restaurant eröffnen soll und im kommenden Jahr unter anderem eine Tankstelle oder eine Waschanlage hinzukommen sollen. Durch zahlreiche Projekte soll außerdem neuer Wohnraum geschaffen werden. Bei der Umsetzung von solchen Vorhaben lege man zwar großen Wert auf die von der bayerischen Landesregierung vorgegebene Maxime, bevorzugt innen statt außen zu bauen. Immer sei dies jedoch nicht möglich, sagt Gerhard Steinle vom städtischen Bauamt.

Illertissen legt eine Streuobstwiese auf Vorrat an

Doch auch wenn man auf Außenflächen zurückgreifen muss, will man in Illertissen „grün“ denken: In enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt bemühe sich die Stadt, neues Bauland durch ökologisch wertvolle Gebiete auszugleichen. Das scheint zu gelingen: Denn Illertissen liege mit ihren Ausgleichsflächen mehr als im Soll, sagt Steinle. Soll heißen: In der Bienenstadt gebe es aktuell mehr Ausgleichsflächen als durch Bebauungspläne eigentlich vorgegeben wären. Das jüngste Projekt, eine Streuobstwiese am östlichen Ortsrand von Tiefenbach, wurde daher vorsorglich angelegt: Auf einer Fläche von rund einem Hektar seien dort in der vergangenen Woche rund 50 Bäume gepflanzt worden, an denen bald Vogelbeeren, Ulmer Butterbirnen oder Mehlbeeren wachsen sollen. Erst später, wenn Bedarf bestehe, werde die Wiese auch tatsächlich als Ausgleichsfläche dienen, sagt Steinle.

Auf dieser einen Hektar großen Fläche am östlichen Ortsrand von Tiefenbach wurden rund 50 Bäume gepflanzt.
Bild: Michael Kienast

Auch andere Kommunen im Landkreis bemühen sich um Ausgleichsflächen

Bis dahin ist sie im Ökokonto der Stadt, auf das sie bei der Ausweisung von neuem Bauland zurückgreifen kann, verbucht: „Wir stellen unsere Ausgleichsflächen sozusagen auf Vorrat her“, erklärt Steinle. Ebenfalls im Osten von Tiefenbach wurden in diesem Jahr bereits sogenannte Himmelsteiche, die Regenwasser sammeln sollen, angelegt und Erdwalle bepflanzt. Im Tiefenbacher Ried sollen Steinle zufolge dadurch die Artenvielfalt steigen und der Naturraum ökologisch aufgewertet werden.

Angerer lobt die Maßnahmen im Tiefenbacher Osten: Illertissen habe die Ausgleichsflächen nicht zerstreut angelegt, sondern einen Schwerpunkt herausgegriffen, wodurch ein Biotopverbund entstehen könne. Allerdings sei er insgesamt mit den Bemühungen der Kommunen im Landkreis zufrieden: „Ich kann da keine herausgreifen, die überhaupt nichts tut.“ Ob Laubwälder, Blühwiesen, Feuchtbiotope oder Grünflächen am Rande eines Wohngebiets – im Kreis Neu-Ulm würden verschiedenste ökologische Flächen entstehen. Gerade kleinere Gemeinden ohne eigenes Fachpersonal würden vom Landratsamt unterstützt und betreut, denn: „Die Struktur der Landschaft und die Begebenheiten des Standorts müssen genau berücksichtigt werden.“

In der Region scheint es immer mehr Müllsünder zu geben. Mehr dazu lesen Sie hier: Im Landkreis Neu-Ulm gibt es immer mehr Müllsünder

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