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Illertissen

02.11.2017

Illertissens Pfarrer wollen ökumenischen Gedanken stärken

Als Katholik und als Lutheraner debattierten die Pfarrer Andreas Specker und Hans-Joachim Scharrer (rechts) in der voll besetzten Christuskirche.
Bild: Regina Langhans

Hans-Joachim Scharrer und Andreas Specker haben anlässlich des Lutherjahrs einen Disput über die Auffassungen ihrer Glaubensrichtungen geführt.

Ein ökumenischer Festgottesdienst in der evangelischen Christuskirche hat in Illertissen das Lutherjahr ausklingen lassen. Die Veranstaltung war geprägt vom religiösen Disput zwischen dem evangelischen Pfarrer Hans-Joachim Scharrer als Hausherrn und seinem katholischen Gast, Pfarrer Andreas Specker. Mit geschätzt 350 Besuchern beider Konfessionen war die Kirche voll besetzt. Umrahmt wurde die Veranstaltung von Lothar Damm an der Orgel, von Michael Sperl und Ulrich Sennert auf der Violine sowie vom Kirchenchor unter Leitung von Annegret Sperl.

Für ihren Disput hatten sich die Geistlichen drei Themenkomplexe ausgesucht, wozu jeweils erst der katholische, dann der evangelische Theologe Stellung bezogen. Sie widmeten sich der Frage „Was ist Kirche?“, äußerten sich zum „ständigen Erneuerungsprozess“ und zeigten sich erfinderisch, wie sich der ökumenische Gedanke in Illertissen noch mehr umsetzen lasse. Die Geistlichen setzten dabei auf das Miteinander der Christen in Illertissen. Und sie bekundeten, dass nach ihrem Empfinden die Zusammenarbeit der offiziellen Kirchenvertreter zu langsam vonstatten gehe.

Provokativ sagte Specker: „Bis die soweit sind, sind längst alle Boote im Mittelmeer untergegangen. Oder eine gemeinsame Bibelübersetzung, „was sie leider nicht hinbekommen haben.“ Specker schlussfolgerte: „Umso wichtiger ist, dass Erneuerung und Ökumene unten anfangen.“ Scharrer erinnerte dazu an die evangelische Tradition, Christen stets dazu aufzurufen, sich im Sinne ihres Glaubens einzumischen. Und er verwies er auf die den evangelischen Christen nachgesagte geistige Freiheit. Nach dem Aufzählen etlicher Beispiele waren der „Lutheraner“ und der „Katholik“ – als solche hatten sie zu Beginn ihres Disputs Position bezogen – schnell gleicher Meinung: „Es gibt vielmehr, was uns verbindet als trennt.“

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Scharrer gab zu bedenken, dass Mehrheiten naturgemäß dazu neigten, sich selbst zu genügen. Sie als diejenigen in der Minderheit sähen Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, die ihrer Kirchengemeinde in Illertissen manches erleichtern würde. Scharrer: „Ich könnte mir einen gemeinsamen Kinderbibelkreis vorstellen, Kinder müssen nicht schon getrennt werden.“ Specker wiederum bedauerte, dass der evangelische Gemeindebrief nicht auch am Schriftenstand der katholischen Pfarrkirche ausliege: „Da gibt es Veranstaltungen, die auch Katholiken interessieren würden. Für die Vorschläge gab es jeweils Applaus.

Die Feier kennzeichnete auch die gemeinsame Bitte um Vergebung für die in der Reformationszeit einander zugefügten Grausamkeiten. Sodann sprachen sich die Gläubigen in einer Selbstverpflichtung aus, alles zu tun, damit ihre Gemeinschaft wachsen könne. Specker wünschte sich die Gemeinschaft aller Christen auf der Welt, die als solche imstande sei, etwas zu bewegen: „Dann wären wir auch eine politische Kraft, die von den Regierungen wahr genommen werden würde. Ohne Engagement der Christen habe die Kirche wenig Zukunft. Zudem erinnerte er an die Schöpfungsgeschichte, die den Menschen als Mitgeschöpf neben den Tieren bezeichne. Er mahnte zu sorgsamem Umgang mit der Natur und zu Nachhaltigkeit als christliche Themen. Mit Blick auf die Gemeinsamkeiten befand Scharrer: „Martin Luther wäre Katholik geblieben, wenn er es hätte dürfen.“

Der ökumenische Gottesdienst in der Christuskirche erwies sich als gelungene Antwort auf das Kirchenkonzert zur Reformation in der katholischen Martinskirche. Und damit im Sinne Luthers, der – so Scharrer – gleich nach dem Lob Gottes in Worten den Lobpreis in Form von Musik gestellt habe.

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