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Landkreis Neu-Ulm

30.08.2020

Im Corona-Jahr finden Betriebe neue Azubis auf Instagram

Am 1. September beginnt das neue Ausbildungsjahr. Für viele junge Leute erfolgt dann der erste Schritt ins Berufsleben. Auch in diesem Bereich hat Corona so manches durcheinandergebracht.
Bild: Symbolfoto Marcus Merk

Plus 2020 starten weniger Jugendliche eine Ausbildung als 2019. Die Pandemie machte es Firmen schwer, Lehrlinge anzuwerben. So ist die Lage im Kreis Neu-Ulm.

Der erste Arbeitstag ist oft ein Sprung ins kalte Wasser. In diesem Jahr wird es sich für besonders viele Neu-Azubis so anfühlen. Das Lehrjahr beginnt traditionell am 1. September. Doch Corona hat dabei im Vorfeld einiges durcheinandergewirbelt.

Stephanie Schrapp, Juniorchefin des Illertisser Handwerksbetriebs Schrapp und Salzgeber, berichtet: „Normalerweise kommen unsere Azubis über Schnupperpraktika und und Ferienarbeit zu uns.“ In diesem Jahr sei es kaum möglich gewesen, den neuen Lehrlingen einen guten Einblick in die Arbeit zu geben. Kurz vor Ausbildungsbeginn hätten sich die angehenden Zimmerer und Spengler zumindest für zwei bis drei Tage ihre künftige Arbeit anschauen können.

Die Kammern sind verhalten optimistisch

Dass im Corona-Jahr in Sachen Ausbildung einiges anders ist als gewohnt, ist im ganzen Regierungsbezirk Schwaben zu spüren. Doch trotz Krise stehe man nicht schlecht da, schreibt Monika Treutler-Walle, Sprecherin der Handwerkskammer für Schwaben, in einer Pressemitteilung. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet die Kammer bei der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge schwabenweit ein Minus von fünf Prozent. Allerdings seien auch noch nicht alle neuen Verträge registriert. Der Kreis Neu-Ulm ist da wohl eine Ausnahme. Dort wurden in diesem Jahr bislang 209 Ausbildungsverhältnisse neu eingetragen, so viele wie 2019.

Anders sieht es dagegen bei der Industrie- und Handelskammer Schwaben aus. Bei den Ausbildungsberufen, die in deren Zuständigkeitsbereich fallen, sind es 15 Prozent weniger abgeschlossene Verträge als im Vorjahr. Im Landkreis Neu-Ulm sogar etwas mehr als 20 Prozent. Das Unterallgäu liegt genau im schwabenweiten Durchschnitt. Doch die Stimmung bei der IHK ist dennoch nicht zu getrübt. „Wir spüren bereits einen Nachholeffekt. Da ist noch viel Bewegung im Ausbildungsmarkt“, sagt IHK-Ausbildungsleiter Wolfgang Haschner.

Auch vonseiten der Handwerkskammer heißt es, dass der Ausbildungsmarkt wohl länger als sonst in Bewegung sein wird. Offizieller Ausbildungsstart ist zwar der 1. September. Doch für gewöhnlich dauert es dann noch ein paar Wochen, bis jeder seinen Platz gefunden hat, sagt Stephanie Schrapp. Manche Lehrlinge stellen zum Beispiel schnell fest, dass der ausgesuchte Beruf doch anders ist als erwartet. Wechseln oder neu in die Ausbildung einzusteigen ist noch bis zu einem festgelegten Stichtag problemlos möglich.

Für Kurzentschlossene ist es noch nicht zu spät

Vor Herausforderungen stellte die Arbeitgeber, dass sämtliche Ausbildungsmessen, bei denen sie sich sonst präsentieren, ausfallen mussten. Auch die vielen Aktionen, die die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer und auch die Unternehmen selbst direkt an und mit den Schulen durchführen, gab es heuer nicht. Das spürt auch der Ausbildungsleiter Stefan Glatz, der bei der Reinz- Dichtungs-GmbH in Neu-Ulm für den gewerblichen Bereich zuständig ist. Ausgebildet werden bei Reinz unter anderem Industriemechaniker, Fachkräfte für Lagerlogistik, ITler für Anwendungstechnik oder Werkzeugmechaniker. Insgesamt bietet die Firma Ausbildungen in zwölf Berufen an. Dieses Jahr verzeichnet Glatz einen deutlichen Rückgang bei den Bewerbungen. Das betrifft zwar nicht das nun beginnende Lehrjahr, dafür ist der Recruitingprozess schon abgeschlossen. Doch für gewöhnlich finden im September schon Vorstellungsgespräche für das kommende Jahr statt. Glatz hofft nun darauf, dass sich der Prozess schlicht ein wenig verzögert und sich die Abschlussschüler nun mit Beginn des neuen Schuljahrs an die Jobsuche machen. Er geht jedoch nicht davon aus, dass Projekte mit den Schulen bald nachgeholt werden können. „Das hat nach Corona sicher nicht die oberste Priorität“, vermutet Glatz. Beurteilen, ob es im kommenden Jahr dann wirklich weniger Azubis bei Reinz geben wird, könne man jetzt noch nicht. Glatz: „Dafür ist es noch zu früh.“

Viele Betriebe sind in diesem Jahr auch neue Wege gegangen, was die Anwerbung neuer Azubis betrifft. Wie kommt man heutzutage am besten an die potenziellen Lehrlinge ran? Die Antwort lag für Stephanie Schrapp auf der Hand: Facebook, Instagram, Snapchat. Auch viele kleine, mittelständische Firmen sind heutzutage ohnehin in den sozialen Netzwerken präsent. So auch Schrapp und Salzgeber. Neu sei allerdings auch bei ihnen, im Netz nach Azubis zu suchen, sagt Schrapp. Auch die Kammern haben verstärkt auf digital gesetzt und Online-Sprechstunden angeboten.

In Illertissen waren die Maßnahmen wohl erfolgreich: Zum 1. September starten insgesamt vier junge Menschen ihre Ausbildung bei Schrapp und Salzgeber, drei als Zimmerer und sogar ein Spengler. Letzteres ist für den Betrieb umso erfreulicher, da der Beruf eher unbekannt ist und viele Jugendliche nicht einmal wissen, was ein Spengler überhaupt macht, erzählt Schrapp. Bei Salzgeber und Schrapp bleibt die Ausbildungsstelle in diesem Bereich daher öfter unbesetzt, heuer sei man dagegen noch auf der Suche nach einem angehenden Dachdecker oder einer Dachdeckerin. Für Kurzentschlossene gilt also: Es ist noch nicht zu spät.

Weitere freie Ausbildungsstellen gibt es online unter der lehrstellenboerse-schwaben.de (für das Handwerk) oder unter ihk-lehrstellenboerse.de.

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