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Buch/Landkreis

16.10.2017

Im Einsatz für die Fledermäuse

Die Mopsfledermaus ist eine von insgesamt 27 Arten, die es in Deutschland gibt. Sie steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten.
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Die Mopsfledermaus ist eine von insgesamt 27 Arten, die es in Deutschland gibt. Sie steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Im Landkreis Neu-Ulm engagieren sich viele Menschen für die fliegenden Säugetiere. Sie erklären, warum der Schutz der Arten so wichtig ist und wie er am besten gelingen kann

Es ist düster draußen, der Mond scheint hell am Himmel und zig flinke Tierchen huschen durch die Nacht. Die kleinen blutsaugenden Bestien sind auf der Suche nach Beute. Dieses Bild haben wohl viele Menschen im Kopf, wenn sie an Fledermäuse denken. Dabei sind die zierlichen Säugetiere – übrigens die einzigen, die aktiv fliegen können – alles andere als blutrünstig. Im Gegenteil: Fledermäuse sind sehr nützlich, die meisten Arten fressen Insekten und produzieren sogar natürlichen Dünger. Weil sie zu den bedrohten Tierarten zählen, müssen sie geschützt werden. Viele Menschen aus dem gesamten Landkreis Neu-Ulm haben sich dieser Aufgabe angenommen – und werden nun dafür ausgezeichnet.

Einer von ihnen ist Alexander Hamp aus Holzschwang. Er sei schon immer sehr naturverbunden gewesen, sagt er gegenüber unserer Zeitung. „Bei mir ist jedes Tier willkommen, ich bin ein großer Tierfreund.“ Eines Tages habe er in einer Spalte an seinem Flachdach Fledermäuse entdeckt. „Eine ganze Kolonie war das, etwa echt Stück“, sagt Hamp, der anschließend das Haus mit einer Mitarbeiterin der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern nach den Tieren abgesucht hat. Das war vor etwa drei oder vier Jahren. Inzwischen leben immer noch etliche Fledermäuse bei Hamp, im Sommer hat er rund 30 gezählt. „Es sind faszinierende Tiere“, sagt er. Das Sozialverhalten der Fledermäuse sei hoch interessant. Jedes Jahr zählt er die Fledermäuse an seinem Haus in der Nähe der Kirche. „Ich setze mich unter das Dach und beobachte sie, wenn sie draußen rumschwirren.“ Ein Ereignis sei besonders prägend gewesen: Er durfte eine kleine Babyfledermaus aus nächster Nähe betrachten. „Die hat sich gestreckt und gegähnt wie ein kleines Baby“, schwärmt er. „Das war ganz, ganz toll. Viele Menschen wissen viel zu wenig über die Fledermäuse.“

Biologin Anna Vogeler von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern möchte Menschen über diese teils vom Aussterben bedrohten Geschöpfe aufklären. In ganz Deutschland gibt es ihr zufolge 27 Arten, im Landkreis leben 21 bis 27 Arten und je nach Fledermaus vertilgen die wuseligen Tierchen mehrere tausend Insekten pro Nacht. Somit seien sie auch wichtig für Landwirte: Durch die Insektenfresser werden weniger Pestizide benötigt, erklärt Vogeler. Dadurch spare man das Geld, das ansonsten für Insektenvernichtungsmittel ausgegeben worden wäre. Und der Kot der Tiere sei zudem ein natürlicher Dünger.

Beim Schutz der Tiere – die etwa 30 Jahre alt werden, meist jedoch nur ein Junges pro Jahr zur Welt bringen – gehe es hauptsächlich darum, den Bestand zu melden und die Fledermäuse in Ruhe zu lassen. „Das Beste ist, gar nichts zu machen“, rät die Expertin. Für Menschen, die noch keine Fledermäuse auf ihren Anwesen vorfinden, böten sich spezielle Kästen an, die beispielsweise an Scheunen oder Dächern angebracht werden, denn Fledermäuse lieben es ruhig und dunkel. Ihnen reichen nur weniger Zentimeter große Spalten aus, um in ein geeignetes Gebäude zu gelangen.

So haben es zig Fledermäuse beispielsweise in die Kapelle in Waldreichenbach bei Buch oder auch in die Kirchen Maria Geburt und St. Martin in Altenstadt geschafft. Wegen der Tiere musste man sogar die Sanierung des Dachbodens in Waldreichenbach zeitlich genau eingrenzen, erklärt Kirchenpflegerin Ulrike Schmid stellvertretend für die Bucher Kirchenverwaltung. Denn in ihren jeweiligen Winter- oder Sommerquartieren dürfe man die Fledermäuse nicht stören. So mussten die Arbeiten am Dachboden der Kapelle von Oktober 2014 bis März 2015 fertiggestellt sein, damit die Tiere während des Sommers dort ihre Ruhe hatten. „Ich finde sie aber ganz putzig“, sagt Schmid. Ihre Hauptaufgabe sei es, die Tiere nicht zu stören und Bedingungen für deren weiteres Bestehen zu schaffen. Dazu zählen etwa Lüftungsziegel, damit die Fledermäuse durch die Spalten nach innen gelangen können.

Bei Thilo Weis von der gleichnamigen Firma in Buch haben die Fledermäuse ihre ganz eigene Wohnung. Der Unternehmer hat Fledermauskästen an seine Halle montiert. „Ich biete den Tieren das an und sie kommen dann von selbst“, sagt Weis. Das bestätigt Fritz Singer, der sich ehrenamtlich für die Fledermäuse einsetzt. Der Rentner arbeitet in engem Kontakt mit dem Landratsamt Neu-Ulm und Anna Vogeler von der Koordinationsstelle zusammen. Weis hatte sich bei ihm gemeldet, als ihm die ersten Fledermäuse auf seinem Grundstück aufgefallen waren. „Das ist ein ideales Gebiet hier“, sagt Singer mit Blick ins Ried. Das Wichtigste sei nämlich, so Singer, dass die Fledermäuse immer ein Quartier finden, in welches sie raus und rein können. Auch der Bergkeller in Buch ist ein idealer Raum. Durch die freien Flächen in der Tür gelangen die Tiere problemlos ins Innere der Kammer. Hauptamtsleiter Markus Wöhrle sagt, der Markt sorge dafür, dass die Tür immer verschlossen bleibt. Denn: „Der Bergkeller ist ein Paradies für die Fledermäuse.“

Neben der Gemeinde, werden am morgigen Dienstag auch einige Bürger mit der Plakette „Fledermäuse Willkommen“ ausgezeichnet. Seit 2005 wird diese vom Bayerischen Landesamt für Umwelt verliehen.

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