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Landkreis

29.11.2019

Im Landkreis Neu-Ulm gibt es immer mehr Müllsünder

Im Landkreis gibt es zahlreiche Stellplätze für Depotcontainer. Wie Wolfgang Metzinger vom Abfallwirtschaftsbetrieb sagt, sähe es dort teilweise verheerend aus: Häufig seien alte Kühlschränke oder Fernseher abgestellt.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Plus Auf den Straßen, im Wald oder an Container-Stellplätzen: Viele Kommunen haben mit illegaler Abfallentsorgung zu kämpfen. Wie gegen Sünder vorgegangen wird.

In einem Waldstück zwischen Weiler und Winterrieden hatte eine „Umwelt-Sauerei“ kürzlich für Aufsehen gesorgt: Ein Jäger hatte dort rund 100 abgelegte Autoreifen gefunden – sowohl von SUVs als auch von Kleinwagen. „Wir hatten in dieser Gegend das ganze Jahr Probleme“, sagt Naturschutzwächter Ernst Pfeiffer gegenüber unserer Redaktion: Doch das hier sprenge alle Dimensionen.

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Auch im Kreis Neu-Ulm haben Behörden und Kommunen immer häufiger mit illegaler Abfallentsorgung zu kämpfen. Am Straßenrand liegen Pommestüten, Zigarettenschachteln und ganze Müllbeutel herum, in den Städten quellen Abfalleimer mit Coffee-to-go-Bechern über. „Es wird eher immer mehr Müll“, sagt Wolfgang Metzinger, Berater im Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) in Weißenhorn. Besonders schlimm sei die Situation ausgerechnet an den Stellplätzen für Depotcontainer in der Region.

Ernst Pfeiffer neben den abgelegten Reifen nahe Winterrieden.
Bild: D. Halder

Illegale Müllentsorgung: Brennpunkte werden videoüberwacht

Ein bis drei Mal in der Woche kommen laut Metzinger Arbeiter im Auftrag des AWB zu den 178 Standorten im Kreis Neu-Ulm. Ihre Aufgabe: die mit Weinflaschen, Konservendosen oder Altpapier gefüllten Container leeren. Doch in vielen Fällen ist es damit noch lange nicht getan – denn an den Stellplätzen sähe es teilweise verheerend aus, sagt Metzinger: „Da steht und liegt wirklich alles herum, was man sich nur vorstellen kann.“ Viele seien offenbar der Meinung, dass es sich bei den Stellplätzen um Sperrmüllablagen handle: Häufig stünden Kühlschränke, Fernseher oder andere elektronische Geräte herum, die auf Umzüge oder die Auflösung ganzer Haushalte hindeuteten. Doch auch ungeöffnete Lebensmittel wie Kartoffelsäcke, ja sogar tote Hunde oder Katzen seien an den Containern bereits abgelegt worden. An einem Standort in Senden habe einst mithilfe eines Krans ein ausgenommenes Autowrack abtransportiert werden müssen.

Im Landkreis Neu-Ulm gibt es immer mehr Müllsünder

Für die Arbeiter besonders frustrierend: Oft seien die vor Kurzem aufgeräumten Container-Stellplätze ein paar Tage später wieder völlig zugemüllt, berichtet Metzinger. Der Abfallwirtschaftsbetrieb nehme solche Vergehen daher sehr ernst: Man versuche, die Übeltäter zu ermitteln, zum Beispiel über zurückgelassene Adressen. Wenn sie erwischt werden, drohten ihnen bei Ordnungswidrigkeiten Bußgelder zwischen 20 Euro und 200 Euro.

Seit einiger Zeit besitze der AWB zudem ein Videofahrzeug, das wöchentlich einen anderen Stellplatz überwache. „Die Kommunen teilen uns die Brennpunkte mit“, sagt Metzinger. Immer mehr Übeltäter würden erwischt: In diesem Jahr seien bereits mehr als 200 Fälle gemeldet worden – die meisten von Mitarbeitern, seltener von aufmerksamen Bürgern. 2017 waren es lediglich 125 Fälle, im vergangenen Jahr 159. Doch nur die Hälfte der Müllsünder würde auch zur Kasse gebeten: „Wir müssen die Vergehen zu 100 Prozent beweisen können“, erklärt Metzinger.

Auch die Kommunen haben mit wilder Müllablagerung zu kämpfen. Parks und Grünflächen sind oft betroffen.
Bild: Alexander Kaya

Allgemeinheit muss für die Vergehen einzelner bezahlen

Auch in Illertissen gebe es immer wieder Probleme an den Depotcontainern, sagt Bürgermeister Jürgen Eisen: Einwurfzeiten würden nicht eingehalten, Sperrmüll abgelagert. „Einige Menschen sind offenbar zu bequem, nach Weißenhorn zu fahren“, vermutet Eisen. Und das, obwohl die Entsorgung beim dortigen Abfallwirtschaftsbetrieb recht günstig sei. Das ist Eisen zufolge auch deswegen ärgerlich, weil die Allgemeinheit für die Vergehen Einzelner bezahlen müsse.

Was alles im Illertisser Stadtweiher gefunden wurde, lesen Sie hier: Rätselhafter Fund: Warum landete die Tasche im Weiher?

Dass wegen einiger Umweltsünder alle Bürger zur Kasse gebeten werden, zeigt sich an der Gemeinde Oberroth: Die Kommune erhöhte kürzlich die Müllgebühren – illegale Abfallentsorgung habe laut Bürgermeister Willibold Graf dabei eine Rolle gespielt. Insbesondere an einem Schrottcontainer am Ortsrand würden häufig Plastikteile und Autoreifen abgelegt. „Die Zahl solcher Fälle steigt schon etwas an“, sagt Graf. Wenn sich die Situation nicht bessere, könnte der Container im Bauhof eingehaust werden – was mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre.

Den Müllsündern geht es offenbar darum, ihren Abfall möglichst schnell, unbemerkt und mit wenig Aufwand loszuwerden. In Illertissen beseitige jeden Tag ein Mitarbeiter der Stadt Unrat, sagt Eisen. Seit zwei Jahren gibt es zudem unter dem Motto „Saubere Stadt“ im Frühjahr eine große Aufräumaktion in der Vöhlinstadt, an der im vergangenen April rund 700 Bürger teilnahmen. Zu deren „Ausbeute“ zählten neben unzähligen Flaschen und Verpackungen auch Lampen oder eine Kloschüssel. „Es ist Wahnsinn, was die Menschen vor allem im Wald alles entsorgen“, sagt Eisen.

Einen Kommentar zu dem Thema lesen Sie hier: Müllsünder sollten hart bestraft werden

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