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Tradition

05.01.2019

In Königsgewändern sammeln sie für notleidende Kinder

An der Haustüre von Waltraud Weiß guckt im Hintergrund sogar der Christbaum hervor. Zum Hineingehen blieb Sophia Bischof, Simon und Jan Hubert sowie Julian Bischof (von links) keine Zeit.
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An der Haustüre von Waltraud Weiß guckt im Hintergrund sogar der Christbaum hervor. Zum Hineingehen blieb Sophia Bischof, Simon und Jan Hubert sowie Julian Bischof (von links) keine Zeit.

Derzeit ziehen wieder Sternsinger von Haus zu Haus, um Spenden zu bekommen. Ihre Aktion gilt als größte von Kindern für Kinder. Wir haben eine Gruppe in Illertissen begleitet

So, wie sie in ihren wallenden Gewändern die verschneite Straße daherkommen, sind sie definitiv ein Blickfang: Jan und Simon Hubert als Melchior im blauem Umhang und als dunkelhäutiger Kaspar in grünem Stoff. Julian Bischof schlüpft in die Rolle des Balthasar mit rotem Mantel, eine goldene Robe hat Schwester Sophia als Sternträgerin an. So exotisch ihr Auftreten ist, so ernst sind ihre Anliegen: „Wir sammeln Geld für arme Kinder mit Behinderung in Peru“, erklärt Sophia.

Wir haben ein Sternsingerteam der Pfarrei St. Martin in Illertissen – stellvertretend für alle anderen Gruppen – ein Stück weit begleitet. Damit die Kinder nicht alleine unterwegs sind, stellt die Mesnerin und in Illertissen zuständige Organisatorin Sigrid Kasper jedem Team erwachsene Begleiter zur Seite. Sie hat die Kernstadt zudem in 28 Gebiete unterteilt, wobei die Sternsinger gestern westlich der Bahnlinie begannen. Heute und morgen ist die östliche Stadt dran.

Einer fiel verletzungsbedingt aus

Für die achtjährige Sophia und ihre königlichen Begleiter ging es bei Minusgraden, aber bester Laune gegen neun Uhr los. „Aufgeregt bin ich schon etwas“, bekennt die Sternträgerin. Schließlich ist sie das erste Mal dabei und muss notfalls sogar die Rolle des Balthasar für ihren neunjährigen Bruder Julian übernehmen. Er läuft trotz Fußverletzung mit. „Die Mama hat gesagt, dass ich vielleicht einspringen muss, der König ist wichtiger“, betont Sophia. Wacker trägt sie den Stern, der sie ordentlich überragt, und hält mit den anderen Schritt. Der neunjährige Jan ist zum dritten Mal dabei und verfügt somit über die größte Erfahrung im Team. Er trägt das qualmende Rauchfass und muss es beständig schwenken, damit der Weihrauch durch Sauerstoff am Glühen gehalten wird. Das Nachfüllen ist keine einfache Angelegenheit. Vater Markus Hubert, der mit seiner Frau Kirstin die Begleiterrolle übernommen hat, hilft mit: Die verbrannten Reste sind auszukratzen, Kohle und Weihrauchkörner nachzulegen und anzuzünden. Jan sagt: „Eine brenzlige Angelegenheit, davor habe ich doch gewissen Respekt.“ Der gleichaltrige Julian Bischof, eigentlich Träger des Weihrauchfasses, wurde verletzungsbedingt von dem Job befreit. Als Verwalter der Geldkassette kommt dem achtjährigen Simon Hubert die Aufgabe zu, mit freundlichem Gesicht die Besuchten zum Spenden zu bewegen. Eifrig schätzt er die jeweiligen Kassenstände ab.

Meist werden die Sternsinger freundlich empfangen. Wie von Waltraud Weiß, die vom Besuch der Könige angenehm überrascht ist. Gebührend bewundert sie die prächtigen Kostüme, hört sich den Spruch eines jeden an. Dann lässt sie sich *C+M+B* (lateinisch: Christus mansionem benedicat“) für „Christus segnet das Haus“ über der Türe anbringen. Sie sagt: „Mit dem Segen fühle ich mich besser behütet.“ Andere Hausbewohner loben das Engagement, etwa Max Langenstein: „Ihr vollbringt eine gute Tat, daher versuche ich zur fraglichen Zeit daheim zu sein.“ Es bleiben aber auch Türen zu oder werden wieder geschlossen, sobald die Sternsinger als solche erkannt werden. Eine Abfuhr war so deutlich, Jan wird sie nicht vergessen: „Keine Religion, keine Spenden, wir kaufen nichts und haben unsere Rechnung bezahlt, also tschüss.“

Bevor die königlichen Teams vom Pfarrheim St. Martin ausschwärmen, singen alle gemeinsam nochmals das Sternsingerlied.


Dabei ist es heute nicht selbstverständlich, dass es in jeder Pfarrei genügend Sternsinger gibt. In Illertissen kamen sie eine zeitlang nur „auf Bestellung“. Bis vor zehn Jahren der damalige Pfarrer Markus Dörre die ehrgeizige Idee hatte, dass alle Hauhalte besucht werden sollen. Seither engagieren sich Dutzende kleiner Sternsinger und Erwachsene. Anfangs hatte Oskar Ritter die Federführung, dann übernahm Mesnerin .

Danach heißt es putzen und aufräumen

Der logistische Aufwand ist hoch. Anfang November verschickt sie die Einladungen zum Mitmachen an die Schulen. Bei einem Infotreffen wird das Projekt vorgestellt, Kostüme werden probiert, Laufpläne erstellt. Und wenn die Aktion beendet ist, müssen die vielen Gewänder gewaschen, gebügelt und repariert werden, wobei sich Ursula Bischofberger von Anfang an als Kostümfrau engagiert hat. Mesnerin Kasper muss zudem die Rauchfässer reinigen und notieren, wie viel Weihrauch, Kohle und Kreide nachzubestellen sind. Doch sie sagt, die Mühe habe sich für sie gelohnt, wenn sich die Besuchten am Ende freuten.

Andernorts sind die Sternsinger mobiler als in Illertissen: In Kaufering kommen sie mit dem Auto, wie Sie hier lesen können: Wenn die Sternsinger mit dem Auto kommen

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