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Winterrieden

21.01.2019

In Winterrieden soll ein Nahwärmenetz entstehen: Was geplant ist

Nutzen bald viele Haushalte in Winterrieden die Wärme, die im Ort erzeugt wird? Das Interesse bei einem Infoabend war groß.
Bild: Rene Lauer (Symbolfoto)

Von der Biogasanlage zur heimischen Heizung: Die Gemeinde verspricht sich von einem Nahwärmenetz einige Vorteile.

Wenn es um Energie und Klimaschutz geht, ist Winterrieden vielen anderen Kommunen einen Schritt voraus. Derzeit wird über Fotovoltaik- und Biogasanlagen das 1,4-fache des Stroms erzeugt, der im Ort verbraucht wird (mehr dazu lesen Sie hier:Ein kleines Dorf ist im Klimaschutz ganz groß ) Jetzt strebt die Gemeinde auch bei der Wärmegewinnung eine ökologisch nachhaltige und bezahlbare Lösung an. Wie groß das Interesse daran ist, zeigte die stattliche Besucherzahl eines Infoabends zum Thema „Nahwärme in Winterrieden“.

Wie berichtet, könnte ein Nahwärmenetz in Winterrieden entstehen, das an Biogasanlagen gekoppelt ist. Mit Norbert Ruef hat sich bereits ein Landwirt bereit erklärt, das Netz gemeinsam mit seinen beiden Söhnen aufzubauen und zu betreiben. Wie der Agrarbetriebswirt den Besuchern erklärte, werde er auch den zweiten Biogasanlagenbetreiber im Ort in das Projekt einbinden.

Manfred Kienle, der Klimaschutzbeauftragte der Gemeinde, stellte klar: „Es geht nicht um die Daseinsberechtigung der beiden Biogasanlagen im Ort, sondern um die darin gewonnene Energie.“ Denn während der in den Anlagen produzierte Strom verwendet werde, entweiche die Abwärme bisher teils ungenutzt in die Luft. „Es wird allerhöchste Zeit, dass wir die Kurve kriegen und die wertolle Wärme sinnvoll einsetzen“, sagte er. Gemeinde und Energieteam können sich außerdem vorstellen, eventuell noch fehlende Wärmeeinheiten über einen mit Hackschnitzel beheizten Kessel zu erzeugen.

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Es gibt Pläne für den Verlauf der Trasse

Das Rohgerüst einer möglichen Trasse für die Wärmeleitung hat Ruef bereits entworfen. Für eine konkrete Planung benötigt er nun jedoch die Verbrauchsdaten der Bürger, die einen Anschluss an das geplante Nahwärmenetz in Erwägung ziehen. „Um genauer planen zu können, sollten wir wissen, wie viel Wärme wir erzeugen und liefern müssen“, sagte Ruef.

Um das herauszufinden, hat die Gemeinde nicht nur an die Hausbesitzer, die an die Biogasanlagen angrenzen, unverbindliche Erhebungsbögen verteilt. Die Größe des Netzes, aber auch die Höhe der möglichen staatlichen Förderung richte sich nach dem Interesse der Bürger an der Nahwärme, sagte Kienle. Die „kleine Lösung“ umfasse die Hauptstraße und Reichauer Straße sowie die Turn- und Festhalle. Bei der „größeren Lösung“ würden auch die Blumen-, Rosen- und Gartenstraße sowie einige Stichstraßen eingebunden. Natürlich könne das Netz später erweitert werden.

Die Nahwärme, die von der Heizzentrale über eine gedämmte Rohrleitung direkt zum Abnehmer fließen würde, böte Versorgungssicherheit. Außerdem sparten sich Hausbesitzer Platz für einen Heizraum und Ausgaben für Hilfsstrom, Wartung, Reparaturen, Kamin und Schornsteinfeger, argumentierte ein Experte des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza), Sebastian Uhlemair. Da Wärmenetze technologieoffen seien, könne man damit auch jede andere regenerative Energie verteilen, etwa Solarenergie oder Geothermie. Er riet zudem, die Leitungen mit möglichst viel Eigenleistung auf Privatgrund zu verlegen, um die Kosten für das Netz zu senken.

Als Betreiber von vier Nahwärmenetzen im Raum Edelstetten (Kreis Günzburg) gab Klaus Jekle Einblick in die Kosten, die für Nutzer einmalig anfallen. „Für eine Ölheizung bezahlt man fast ein Drittel mehr als für Nahwärme“, sagte er.

Lesen Sie außerdem, wie es nach der finanziellen Förderung in der Modellregion Unterallgäu Nordwest weitergeht: Modellregion zur Energiewende: Wie geht es jetzt weiter?


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