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Vöhringen

17.08.2018

In der Iller wird das Wasser knapp

Gemächlich fließt die Iller Richtung Donau. Die Uferzonen liegen weitgehend frei, Steine, die ansonsten unter der Wasseroberfläche liegen, sind derzeit sichtbar.
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Gemächlich fließt die Iller Richtung Donau. Die Uferzonen liegen weitgehend frei, Steine, die ansonsten unter der Wasseroberfläche liegen, sind derzeit sichtbar.
Bild: Balken

Die Trockenheit der vergangenen Wochen setzt dem Gebirgsfluss zu. Was so manchen Badegast freut, bereitet Fischern und Behörden zunehmend Sorge.

Die Iller leidet an Auszehrung. Aus dem lebhaften, manchmal sogar ungestümen Gebirgsfluss ist ein Gewässer geworden, das ruhig in seinem Bett fließt und Einblicke in sein Inneres freigibt. Die anhaltende Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren: Die Uferzonen liegen weithin frei, mitten im Gewässer tauchen Steine auf, die bei normalem Pegel nie zu sehen sind. Erholungsuchende freuen sich, sie waten bei schwacher Strömung ungehindert durch die Iller. Was für die einen ein ungewohnter Badespaß ist, bereitet den Fischern und Wasserwirtschaftsämtern allerdings zunehmend Sorge. Um dem Fluss Wasser zuzuführen, wurde jetzt der Wasserstand des Illerkanals um 20 Zentimeter abgesenkt.

Südlich von Vöhringen beim Einlassbauwerk Au, wo der Zufluss zum Kanal geregelt wird, wurde die Einleitung in den Kanal reduziert. Eine Maßnahme, die nötig war und vom Wasserwirtschaftsamt angeordnet wurde. Allerdings darf dem Kanal nur so viel Wasser entzogen werden, dass Turbinenkraftwerke weiterlaufen und Strom erzeugen können. Eckhart Zimmermann von der Firma Wieland, der mit dem Illerkanal bestens vertraut ist, sagt: „Für Iller und Kanal bedeutet Niedrigwasser auch eine Gefahr für die Fische.“ Denn das Wasser wärme sich dann auf. Das bekomme den Fischen nicht, die an die kühlen Fluten des Flusses gewöhnt sind.

Trockenheit: Der Sauerstoff wird zur Mangelware

Wie Patrick Kastler, Vorsitzender der Vöhringer Fischereigemeinschaft sagt, sei nicht primär die Wärme das Problem für die Tiere: „Je wärmer das Wasser ist, umso weniger Sauerstoffgehalt weist es auf.“ Salmoniden wie Äsche, Bachforellen und Saiblinge sind laut Kastler davon besonders betroffen. Im Auebach, der vom Wasser des Wieland-Kanals gespeist wird, ist der Pegel so drastisch abgesunken, dass der Bach zum Teil trocken gefallen ist. „Da mussten wir eine Fischbergung durchführen.“ Kastler erklärt, was gemacht wurde: „Es wurde elektrisch abgefischt und die Fische in die umliegenden Gewässer wieder zurückgesetzt.“

Ein Blick auf die Durchflussmengen, die am Pegel bei Kempten gemessen werden, macht deutlich, wie sehr die Trockenheit der Iller zusetzt. Hubert Mahler vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth erklärt auf Nachfrage, dass der aktuelle Stand der Durchflussmenge bei 8500 Liter pro Sekunde liegt. Der Wert des Mittelwasserabflusses – also die Durchschnittsmenge – liegt bei 46000 Liter pro Sekunde. „Das ist natürlich von den Witterungsbedingungen abhängig. Es gibt ja auch regenreiche Sommer.“

Der Abfluss der Iller in Kubikmetern pro Sekunde gemessen, ist in Stufen eingeteilt. Er richtet sich nach der Jahreszeit. Da die Iller ein Gebirgsfluss ist, führt sie in den Monaten April, Mai und Juni durch die Schneeschmelze sehr viel Wasser, in den Sommermonaten weniger.

Was die Wasserversorgung anbetrifft, so besteht nach Auskunft von Bernd Jünke von den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm trotz Trockenheit keine Gefahr. Grundwasser im Durchflussbereich von Iller und Donau sei ausreichend vorhanden und damit auch die Trinkwasserversorgung gesichert.

Der Illerkanal selbst entstand in einer Zeit, als die Wasserkraft zur Erzeugung von Strom entdeckt wurde. Das war gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aber schon vorher bestand ein Kanal, der – wie man heute sagt – durch einen „wilden Anstich“ entstanden war. Dieses Gewässer nahm seinen Anfang bei Au, in Chroniken ist die Rede von einem Kanal, der bereits um 1800 entstanden war. Dieser wurde durch Illerwasser gespeist. Zunächst diente das Fließwasser dazu, Mühlen anzutreiben. Später waren es Turbinen, die in der beginnenden Industrialisierung zur Erzeugung von Strom genutzt wurden. Diese Technik setzten die Wieland-Werke ein, die sich 1864 an der Iller niedergelassen hatten. Die Wasserkraft wurde dabei für die Produktion von Messingfabrikaten genutzt. 1904 wurde der Kanal dann erweitert, es entstanden weitere Wasserkraftanlagen. Der Illerkanal erstreckt sich von einem Abzweig bei Au – kurz vor dessen Rückfluss in die Iller – bis zur Mündung in die Donau bei Neu-Ulm.

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