Festivalausklang

28.10.2014

In der Königsdisziplin

Zum Abschlusskonzert in der Festhalle in Illertissen das „Trio Karénine“, von links: Anna Göckel mit Geige, Paloma Kouider am Flügel sowie Louis Rodde mit Violoncello. Sie begeisterten einen ganzen Abend mit ihrer Musik.
Bild: R. Langhans

Das „Trio Karénine“ aus Paris mischt Wiener Kammermusik mit französischer Impulsivität

Gleich mit mehreren Solisten und dem „Jungen Kammerorchester Stuttgart“ war das Festival „Junge Künstler – Stars von morgen“ vor drei Wochen in Illertissen gestartet. Sonntagabend nahm es mit dem Ensemble „Trio Karénine“ bei Wiener Klassik ein viel beklatschtes Ende. Das Klaviertrio gilt neben dem Quartett als Königsdisziplin unter den solistischen Ensembles der Kammermusik. Die Zuhörer kamen in der fast voll besetzten Festhalle absolut auf ihre Kosten.

Mit jugendlichem Charme und der Impulsivität der Franzosen verstanden es Anna Göckel (Violine), Paloma Kouider (Klavier) und Louis Rodde (Cello), ihr Publikum einen ganzen Abend lang zu unterhalten. Das Trio Karénine, dem Namen und hoffnungsvollen Zeitgeist von Tolstois Roman „Anna Karenina“ verpflichtet, wurde 2009 von den drei Künstlern ins Leben gerufen. Es ist unter anderem mehrfacher Preisträger des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs.

Für ihr Programm in Illertissen haben sich die jungen Künstler drei Klassiker des Genres ausgesucht: Ludwig van Beethoven (1770- 1827), der die Wiener Klassik zur Hochform entwickelt hat, Franz Schubert (1797-1828), ein Romantiker und gerühmt für seine „göttlichen Klaviertrios“, sowie Joseph Haydn, der als Begründer dieser Gattung gilt. Mit seinem Klaviertrio in E-Dur wird der Abend eröffnet.

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Wie Haydn die Rollen im Ensemble verteilt, lässt sich in den Noten lesen, die aus einem eigenständigen Klaviersatz bestehen, der von Violine und Cello begleitet wird. Für das Publikum war es unschwer herauszuhören, indem die Pianistin Paloma Kouider ihren tragenden Part so dynamisch wie bestimmend spielte. Dabei stand ihr Instrument im Hintergrund und die Solistenplätze am Bühnenrand blieben den Begleitinstrumenten, der Violine mit Anna Göckel und dem Violoncello mit Louis Rodde, vorbehalten. Der Flügel sollte mit seinem Klangvolumen nicht den Klang der Streicher überdecken. Diese nützten ihre Vorrangstellung für gestenreiches Spiel, was den Ausdruck ihrer Musik unterstützte und für das Publikum zudem unterhaltsam war. Insbesondere Louis Rodde bewies geradezu darstellerische Fähigkeiten und stand souverän neben seiner eigenen Musik. Die warmen, charaktervollen Celloklänge kamen wunderbar rüber. Anders Anna Göckel, die auf ihrem leiseren Instrument trotz all ihrer deutlich gezeigten Leidenschaft mitunter klanglich unterzugehen drohte. Gleichwohl wusste die Pianistin in der Lautstärke zu differenzieren, legte rasante Läufe hin oder beugte sich tief über die Tastatur, als ob es gelte, die erforderlichen Akkordfolgen aus dem Instrument hervorzubeschwören.

Bei Beethovens Trio in D-Dur, auch Geistertrio genannt, verstanden es die Interpreten bestens, die in den Noten vorgegebene Spannung spielerisch wie szenisch auszukosten. Die Effekte kamen um so besser, indem das Ensemble durch absolut perfektes Zusammenspiel und exakte Intonation bestach.

Die zweite Konzerthälfte war dem Klaviertrio in Es-Dur von Schubert gewidmet. Es gilt als Meisterwerk romantischer Kammermusik und die Pianistin wuchs über sich hinaus. Sie steigerte sich in die vorgegebene Flut von Tönen, um darin zu schwelgen, sie auszuleben. Das Publikum ließ sich mittragen und zu langen Beifallsbekundungen hinreißen. Das Trio dankten es mit einem diesmal ausgeglichenen, langsamen Satz von Schubert.

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