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Winterrieden/Unterallgäu

01.06.2019

Interview: Was Markus Grauer als Vorsitzender des Kreisjugendrings erlebt hat

Nach 25 Jahren im Vorstand, davon 20 Jahre als Vorsitzender, verabschiedete sich Markus Grauer heuer von diesem Posten im Unterallgäuer Kreisjugendring.
Bild: Fritz Settele

Nach 20 Jahren als Vorsitzender des Unterallgäuer Kreisjugendrings ist Markus Grauer aus Winterrieden nicht mehr zur Wahl angetreten. Was er alles bewegte und was er zukünftig vorhat.

Er war 25 Jahre lang im Vorstand des Kreisjugendrings Unterallgäu (KJR) tätig, davon 20 Jahre als Vorsitzender. Nun ist Markus Grauer aus Winterrieden, wie berichtet, nicht mehr zur Wahl angetreten. Gemeinsam mit der lllertiser Zeitung blickte er auf seine Amtszeit zurück.

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Frage: Herr Grauer, wo liegen die Wurzeln Ihres Engagements in der Jugendarbeit?

Markus Grauer: Sie liegen eindeutig in der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Winterrieden. Dort engagierte ich mich von der Jugend an und übernahm den Vorsitz mit 18 Jahren. Mit 21 Jahren wurde ich dann Vorsitzender der KLJB im Dekanat Ottobeuren, zu dem wir damals gehörten. Dieses Amt übte ich vier Jahre lang aus.

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Und wie kamen Sie dann zum Kreisjugendring?

Grauer: Vor 25 Jahren wurde ich als Vertreter der KLJB als Beisitzer für dieses Gremium vorgeschlagen und gewählt. Fünf Jahre später übernahm ich das Amt des KJR-Vorsitzenden, das ich bis vor Kurzem innehatte.

Aufgrund einer Satzungsänderung des Bayerischen Jugendrings durften Sie nun nicht mehr kandidieren...

Grauer: Das stimmt. Nach dieser Satzungsänderung darf ein KJR-Vorsitzender nur maximal zwölf Jahre im Amt sein. Dieses Datum hatte ich längst überschritten. Allerdings hätte ich nach meinem 50. Geburtstag, den ich im Vorjahr gefeiert habe, sowieso nicht mehr kandidiert. Da nämlich in zwei Jahren der KJR-Geschäftsführer Hans-Reinhard Jungbluth in den Ruhestand geht, sollte der Führungswechsel auf Etappen versetzt erfolgen. Überhaupt war ich einer der dienstältesten KJR-Vorsitzenden in Bayern.

Seit wann gibt es den KJR eigentlich?

Grauer: Die Kreisjugendringe wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern ins Leben gerufen. Diese wollten damit einen von unten nach oben, demokratisch strukturierten Jugendverband installieren, um zukünftig ein Aufblühen der Hitlerjugend zu verhindern.

Worum handelt es sich bei einem Kreisjugendring?

Grauer: Im Prinzip ist er ein Dachverband und eine Sammelbewegung für sämtliche Jugendorganisationen, zudem eine Gesellschaft des öffentlichen Rechts. Unter anderem kümmert sich diese um Zuschussanträge ihrer Mitgliedsorganisationen und deren Beratung oder unterstützt bei Neugründungen. Außerdem begleitet der KJR die Jugendlichen professionell auf dem Weg zur Selbstständigkeit. Das beinhaltet auch den größtmöglichen Schutz vor Gewalt vor Ort und in jeder Form.

Und was bietet der KJR sonst noch an?

Grauer: Seit rund 70 Jahren gibt es alljährlich ein Ferienprogramm für Jugendliche. Allerdings geht die Nachfrage dabei etwas zurück.

Wie will der KJR das kompensieren?

Grauer: Seit einiger Zeit ist die „verlässliche Ferienbetreuung“ ein Erfolgsmodell, vor allem in größeren Orten. Zudem bieten wir als Ergänzung zur Jugendarbeit von Vereinen und Verbänden viele Maßnahmen an, die die Jugendlichen auf dem Weg zur Selbständigkeit begleiten.

Wie passt dazu die offene Ganztagesbetreuung?

Grauer: Bestens. Dabei ist der KJR bei 18 Gruppen im Landkreis Unterallgäu ein zuverlässiger Kooperationspartner. Vor allem die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Schulen erweist sich als tolle Sache.

Welche Aufgaben hat der KJR sonst noch?

Grauer: Der Vorstand trifft sich monatlich einmal und berät über alle anliegenden Problemfälle. Dabei handelt es sich um einen Art Aufsichtsrat. Deshalb ist es besonders wichtig, dass dessen Mitglieder noch weitgehend in den örtlichen Jugendorganisationen eingebunden sind.

Wie steht der KJR zu den Unterallgäuer Jugendzentren?

Grauer: Vor rund 22 Jahren übernahm der KJR die Trägerschaft für das Jugendzentrum in Mindelheim, der bald diejenigen beispielsweise in Bad Wörishofen folgten. Um 2001 folgte auch die für das Babenhausen Jugendzentrum.

Apropos Babenhausen. Wie laufen eigentlich die Übernachtungshäuser am Fuggerweiher?

Grauer: Diese im Jahr 2004 in Betrieb genommenen Gebäude werden immer beliebter. Praktisch sind sie jedes Wochenende belegt. Dagegen sind die Belegungszahlen des angrenzenden Jugendzeltplatzes rückläufig. Die Gäste kommen über Landkreis- und sogar Ländergrenzen hinweg nach Babenhausen.

Was ist mit dem Weiherstüble?

Grauer: Darum gab es am Anfang sehr viel Wirbel. Inzwischen haben wir es an die Marktgemeinde vor dem eigentlichen Vertragsende freiwillig und wohlwollend abgegeben. Das Nebeneinander mit dem jetzt darin eingerichteten Naturnahen Kindergarten funktioniert übrigens bestens.

Gibt es weitere KJR-Aktionen im Fuggermarkt?

Grauer: Sicherlich. Eine der erfolgreichsten ist die Ehrenamtsaktion. Seit Beginn dieser sozialen Aktion sind die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Babenhausen mit ihren Einnahmen die absoluten Spitzenreiter auf Landkreisebene.

Über die Jahre hinweg wuchs der Haushalt des KJR kontinuierlich.

Grauer: Und zwar erheblich. Vor 20 Jahren betrug dieser rund 370000 Mark, inzwischen rund 3,2 Millionen Euro.

Und nun wollen Sie sich nicht mehr in die Geschäftspolitik des KJR einmischen?

Grauer: Absolut nicht. Deshalb habe ich nicht für den Posten eines Beisitzers kandidiert. Allerdings bin ich als Kassenprüfer immer noch indirekt mit dem Vorstand verknüpft. Zudem vertrete ich meine Nachfolgerin Kathi Specht aus deren familiären Gründen im Rahmen des Ferienprogramms beim Segeltörn mit Jugendlichen in Holland.

Wie stehen Sie zu Ihrer Nachfolgerin Kathi Specht?

Grauer: Mit ihr hat der KJR eine absolut kompetente Nachfolgerin gefunden, die seit rund 15 Jahren dem Vorstand angehört und somit auch die Internas kennt.

Was machen Sie nun mit der gewonnenen Freizeit?

Grauer: Langweilig wird mir gewiss nicht, zumal ich beruflich eingespannt bin. Außerdem habe ich jetzt vielleicht etwas mehr Zeit für meine Familie. Ich gehöre weiterhin dem Förderverein der Umweltstation Unterallgäu in Legau als Vorsitzender an. Meine große Leidenschaft ist auch das Spielen der Tuba in der Blasmusik Winterrieden, deren Kassier ich weiterhin bin.

Lesen Sie außerdem: Ära endet: Markus Grauer nicht mehr Vorsitzender des Kreisjugendrings

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