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Vöhringen

08.02.2015

Irres Theater: Iss den Toast wie John Wayne

Die mitreißende Choreografie mit viel Glamour und Glitzer begeisterte die Besucher der Komödie „Ein Käfig voller Narren“ im Vöhringer Wolfgang-Eychmüller-Kulturzentrum.
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Die mitreißende Choreografie mit viel Glamour und Glitzer begeisterte die Besucher der Komödie „Ein Käfig voller Narren“ im Vöhringer Wolfgang-Eychmüller-Kulturzentrum.

 „Ein Käfig voller Narren“ im Vöhringer Kulturzentrum begeistert das Publikum.

Es ist ein visuelles Coming-Out, wenn Travestie-Star Zara die Scheibe Toast wie einen Fächer in der Hand hält. Das sind weibliche Attitüden und passen ins Schwulen-Klischee. „La Cage aux Folles“ („Ein Käfig voller Narren“) ist ein Knaller, bunt, bisweilen schrill, frech und frivol. Eben ein bisschen „Demi-Monde“, zum Finale geradezu enthusiastisch im Wolfgang-Eychmüller-Haus gefeiert.

Auf der Bühne eine Show aus einem Homo-Szeneclub. Vor der Bühne das Orchester der Kammeroper Köln, geleitet von Sung-Joon Kwon. Der Dirigent, der gleichzeitig vom E-Piano aus die Musiker leitet, muss ein Fan von Lang-Lang sein. Gestik und Empathie für das, was er tut, erinnern an den Meisterpianisten. Allerdings scheint es schwierig, aus sieben Musikern, die mehr Solisten als Ensemblespieler sind, einen homogenen Klang zu formen.

Georges und Albin, die als Travestie-Stars auftreten, sind ein bekennendes Homopaar. Sie haben einen Sprössling, das Produkt eines Fehltritts von Georges mit einer Frau. Jetzt will der Sohn Jean-Michel heiraten, und zwar eine Frau, was einige Verwirrung in der „Familie“ stiftet, zumal sich auch noch der erzkonservative Vater der Braut samt Gemahlin angesagt haben. Die Eltern der Braut in spe wollen wissen, in welches Milieu das Töchterlein kommt. Also raus mit Plüsch, Pleureusen und Riesenphallus und rein mit christlichen Symbolen. Aber auch die betont weiblichen Angewohnheiten von Albin müssen weg, nicht mit der Scheibe Toast maniriert fächeln, sondern „den Toast wie John Wayne essen“. Aber es wäre ja keine Komödie, wenn es nicht zu Irrungen und Wirrungen käme, die sich zum Schluss in einem Happy End auflösen.

Was das Musical so hinreißend macht, ist die überschäumende Lebensfreude und das Bekenntnis zur Liebe, ganz gleich, ob zu einem Mann oder einer Frau. Es ist das offene Einstehen für das Anderssein, in einer fest zementierten Gesellschaft. So wurde der weltbekannte Hit „I am what I am“ („Ich bin was ich bin“) zum Kultsong der Schwulen- und Lesbenszene.

In „La Cage aux Folles“ mischen sich überbordende Emotionalität mit einem Hauch Tristesse und der Verletzlichkeit von Menschen. Das Musical wird zu einem Appell für mehr Toleranz. In einem üppigen Ambiente mit den Accessoires einer Revue, mit reichlich Glamour und Glitter ist die Lovestory in Szene gesetzt. Und wenn zum Schluss „I am what I am“ noch einmal von der Bühne klingt, dann kennt der Beifall keine Grenzen.

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