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Babenhausen

02.06.2020

Ist Babenhausen zu zögerlich beim Thema Zehentstadel?

Bund und Land stellen Geld für die Sanierung und Nutzung des Zehentstadels in Babenhausen zur Verfügung. Ein konkreter Beschluss und Pläne liegen allerdings noch nicht vor. Das sollte sich zügig ändern, raten Abgeordnete aus der Region.
Bild: Sabrina Schatz

Plus Die Abgeordneten Georg Nüßlein und Klaus Holetschek appellieren an den Markt Babenhausen, die Sanierungspläne für den Zehentstadel bald anzugehen.

Man kann es als sanften Druck bezeichnen: Georg Nüßlein und Klaus Holetschek – hiesige CSU-Abgeordnete in Bundestag und Landtag – appellieren an den Markt Babenhausen, nicht mehr allzu lange zu zögern und die Sanierung des Zehentstadels festzuzurren. „Wenn man es jetzt nicht macht, dann nie“, sagte Baustaatssekretär Holetschek am Dienstag bei einem Termin auf dem Schlossgelände. Parteikollege Nüßlein betonte, er wünsche sich nun, dass Babenhausen „das Thema ganz oben auf die Agenda setzt“.

Wie berichtet, wird seit Jahren über eine mögliche Sanierung des Fuggerschen Zehenstadels gesprochen. „In Babenhausen gibt es den Wunsch, einen Bürgersaal zu bauen“, sagte Bürgermeister Otto Göppel ( CSU). Der aktuell brachliegende Zehentstadel – der als Denkmal von nationaler Bedeutung deklariert ist – bietet aus seiner Sicht eine „tolle Möglichkeit, das mitten im Ort zu verwirklichen“.

Zuschüsse in Millionenhöhe sind zugesichert

Knackpunkt ist das Geld: Eine Prüfung der Bausubstanz vor ein paar Jahren ergab, dass eine Sanierung des Zehentstadels schätzungsweise rund acht Millionen Euro verschlingen würde. Ohne Zuschüsse müssten das fürstliche Haus als Eigentümer und die Gemeinde als potenzieller Nutzer diese Pläne ad acta legen. Um für die Sanierung und Nutzung als Kulturzentrum mit Platz für mehrere Hundert Personen zu werben, werden seit einiger Zeit Gespräche mit Zuschussgebern geführt – meistens im Hintergrund. Ende 2019 erreichte den Markt Babenhausen dann eine Nachricht aus Berlin, die als Meilenstein auf dem Weg hin zur Instandsetzung des historischen Gebäudes gesehen werden kann. Der Bund stellt vier Millionen Euro in Aussicht. Vom Freistaat Bayern sollen über die Städtebauförderung mit der Initiative „Innen statt Außen“ voraussichtlich weitere rund vier Millionen Euro kommen.

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Doch was in Anbetracht dieser Summen oft vergessen wird: Bislang hat der Gemeinderat keinen Grundsatzbeschluss gefällt. Das betonte Zweiter Bürgermeister Dieter Miller (Freie Wähler) kürzlich, als es um die Finanzplanung des Marktes angesichts der Corona-Krise ging. Und sein Fraktionskollege Walter Kalischek riet in der vergangenen Sitzung des Marktrats dazu, sich die Möglichkeit, einen Gemeindesaal auf der grünen Wiese zu etablieren, zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu „verbauen“. Driften die Vorstellungen über den Standort eines Veranstaltungszentrums auseinander?

Vereine sollen ihren Bedarf mitteilen

Holetschek und Nüßlein empfahlen bei ihrem Besuch im Fuggermarkt, Nägel mit Köpfen zu machen. Die Voraussetzungen seien mit den zugesicherten Zuschüssen in Millionenhöhe nun gegeben. „Ich wünsche mir, dass das jetzt zügig geht, das sage ich ehrlich“, so Nüßlein. Angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft appellierte Holetschek: „Die Kommunen und die öffentliche Hand sollten weiter Gas geben, Bauanträge zügig beantworten und Projekte anschieben“. Investitionen seien ein wichtiges Signal für die Wirtschaft, insbesondere für die Baubranche.

Den Eindruck, Babenhausen würde das Projekt Zehentstadel zögerlich angehen, will Bürgermeister Otto Göppel nicht erzeugen. Er berichtete von Fortschritten. Gespräche mit dem Bistum Augsburg ergaben demnach, dass vonseiten der Kirche Interesse an einer Nutzung des Zehentstadels bestünde. Ein Pfarrheim fehlt der Kirchengemeinde nämlich nach wie vor (wir berichteten: Herrscht in Sachen Pfarrheim-Neubau Stillstand?). Schriftlich festgehalten sei jedoch noch nichts, so Göppel auf Nachfrage.

Demnächst sollen darüber hinaus Vereine und auch Firmen angeschrieben werden, um deren Bedarf an größeren Räumen und an einem Kulturzentrum abzufragen. „Der Grundtenor ist positiv“, schätzte Göppel die Einstellung zu den Zehentstadel-Plänen innerhalb der Bevölkerung ein.

In den kommenden Wochen soll eine Gesprächsrunde mit Zuschussgebern und zuständigen Behörden – darunter auch das Denkmalamt und die Regierung von Schwaben – nachgeholt werden, die im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden war (lesen Sie dazu auch: Babenhauser Zehentstadel: Gesprächsrunde steht an). „Mein Ziel wäre es, im Laufe des Jahres in Richtung Planung zu gehen und sie mit Kosten zu hinterlegen“, so der Bürgermeister – einen konkreten Beschluss des Marktrats vorausgesetzt. Die Fördergelder jedenfalls seien bei Bund und Freistaat in den Haushaltsplänen für die kommenden zwei Jahre vorgemerkt, so Nüßlein und Holetschek. Nun sei Babenhausen am Zug.

Lesen Sie auch unseren Kommentar dazu: Zehentstadel: Babenhausen muss jetzt liefern


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