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Jahresversammlung

27.04.2016

Jahnhalle: TSV sucht Alternativen

Hat die Jahnhalle nun ausgedient oder doch nicht? – Ganz klar ist das in der Jahresversammlung des TSV Illertissen nicht festgelegt worden. Der Vorstand erhielt allerdings den Auftrag, nach einem neuen, alternativen Gelände für einen möglichen Hallenbau umzusehen. Die Jahnhalle und das umliegende Sportgelände gehören dem TSV.
Bild: Archiv

Vorstand erhält Auftrag, Konzepte für Standortverlegung zu suchen

Behält der Turn- und Sportverein Illertissen seine Jahnhalle und das gesamte Sportgelände mit den Tennisplätzen drumherum oder verkauft er das 9000 Quadratmteter große Gelände an der Adlusstraße und sucht sich eine komplett neue Bleibe? – Diese Frage ist noch längst nicht ausdiskutiert. Das wurde in der Jahresversammlung des TSV am Montagabend in der Schranne deutlich. Am Ende stand ein „Sowohl als auch“, also kein klares Plazet für das Ende der Jahnhalle, daneben aber ein Auftrag an den Vorstand, im Kontakt mit der Stadt Konzepte für eine Standortverlegung der TSV-Liegenschaften zu erarbeiten.

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Die Diskussion war zum Teil kontrovers geführt. Meist stand die Meinung des Vorsitzenden Ulrich Nickel und seiner beiden Stellvertreter Udo Schultze und Ulrich Hartmann den Ansichten aus der Mitgliederschar gegenüber. 103 Stimmberechtigte waren gekommen, 1622 Mitglieder zählt der TSV aktuell. Unter dem 10. Punkt der Tagesordnung stand: „Jahnturnhalle – Rückblick auf die Versammlung am 22. Februar (Information), Ausblick auf alternative Lösungsoptionen (Information), Diskussion und Beschluss zur weiteren Vorgehensweise“. Diese Formulierung sollte im weiteren Verlauf eine Rolle spielen, mitunter sogar die Frage nach der Zukunft der von den Mitgliedern bekanntlich geliebten Jahnhalle in den Hintergrund verdrängen.

In ihrem Rückblick auf die außerordentliche Mitgliederversammlung im Februar, brachten die Vorsitzenden nochmals die jüngere und eher traurige Geschichte der 1921 erbauten Jahnhalle in Erinnerung. Das Gebäude ist seit 2014 geschlossen. Baufällig, veraltete und defekte Technik, kaputte Böden – die Haftungsrisiken nahmen laut Nickel überhand. Die Probleme waren zu aber längst erkannt. Schon 2001 hatten die Mitglieder den Vorstand beauftragt, ein Konzept für eine einfache Sanierung zu erarbeiten. Von 500000 Euro wurde damals ausgegangen, doch schon bald bemerkt, dass damit nur die dringlichsten Mängel behoben werden können und am Ende keine Verbesserungen für Sportbetrieb und andere Veranstaltungen zu erreichen ist. Die Idee einer „Sanierung mit Zusatznutzen“ wurde geboren. Doch auch hier ein er Knackpunkt: Von etwa 2,4 Millionen Euro Kosten für Umbau der Halle und moderne Anbauten war die Rede. Der Tiefschlag kam, als die Stadt, auf deren Partnerschaft der TSV insgeheim hoffte, ein neutrales Gutachten verlangte. Ergebnis: Die Um- und Anbau-Konzepte würden mindestens 3,8 Millionen Euro verschlingen.

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Dieses Ergebnis stellten die Vorsitzenden im Februar den Mitgliedern vor und für sie war damit vermutlich das Thema Jahnhallen-Sanierung gedanklich erledigt. Eine Millionenfinanzierung für die Halle würde die Entwicklung des Sportbetriebs auf Jahre hinaus einbremsen, meinte Ulrich Hartmann vor dem Hintergrund, dass der TSV in den letzten zehn Jahren rund zehn Prozent seiner Mitglieder verloren hat. So sahen sich Nickel, Schultze und er wohl zu einem Schritt veranlasst, den Hartmann im Verlauf der Diskussion als Fehler bezeichnen sollte. Sie formulierten den Antrag, wonach kein weiteres Sanierungskonzept für die Jahnhalle mehr erstellt werden solle. Damit wären sie in ihren Augen aus dem Auftrag der Mitglieder von 2001 entlassen gewesen. „Wir wollen klare Verhältnisse“, so die Vorsitzenden. Der Fehler war, dass sie für diesen Antrag direkt nach Blick auf die Jahnhallen-Geschichte die Zustimmung der Mitglieder haben wollten, zunächst sogar „alternativlos“ darauf pochten und sogar kurzzeitig mit Rücktritt drohten.

Die Zuhörer waren aber anderer Meinung. „Wie sollen wir dem zustimmen können, wenn noch kein Wort über Alternativen und weiteres Vorgehen verloren wurde“, übte Jürgen Remiger als erster Redner Kritik. Später sollte Nickel ihm deshalb sogar das Mikrofon entziehen.

Gerhard Reisinger vermutete, dass mit Zustimmung zum Antrag alle Alternativen zu einem Verkauf des Vereinsgeländes ausgeschlossen seien. Das wollte er nicht, obschon nach seiner Rechnung der TSV für den Verkauf des Geländes an der Adlusstraße über drei Millionen Euro erlösen könnte. Nickel nannte die Zahl überzogen. Reisinger entdeckte aber auch einen formalen Fehler. Der Antrag hätte laut Vereinssatzung in der Sitzungseinladung vorgestellt werden müssen. War er aber nicht. „Deshalb dürfen wir heute gar nicht darüber abstimmen“, hielt er fest. Dies erkannten die Vorsitzenden an.

Aufgefordert zu einer Stellungnahme, riet auch Bürgermeister Jürgen Eisen von einer Abstimmung über den Antrag ab. Er erklärte zudem, Illertissen sei im Vergleich zu anderen Kommunen ausreichend mit Sporthallen versorgt. Er dämpfte auch die Hoffnung, die Stadt werde als Ersatz für die Jahn- eine weitere Sporthalle errichten. In Sachen Veranstaltungsräume plant die Stadt unter Eisen ohnehin nicht mehr mit einer sanierten Jahnhalle.

Dass am Ende der Debatte doch noch ein Auftrag an den Vorstand zur Suche nach einem neuen Vereinsgelände stand, ist auf Dieter Schraml und Marianne Schuler zurückzuführen. Sie die Bemerkung „Beschluss über weiteres Vorgehen“ am Ende des Tagesordnungspunktes. Den Beschlussvorschlag hatte der Vorstand wohl vorbereitet, zuerst aber zurückgehalten.

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