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Illertissen

28.02.2018

Kältewelle rollt durch die Region

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3 Bilder
Für Obdachlose, wie hier in Ulm, kann die Kältewelle tödlich sein.
Bild: Alexander Kaya

So frostig wie in diesen Tagen war es hierzulande schon lange nicht mehr: Welche Folgen das für viele Menschen hat.

Wie sie das aushält, weiß Monika Schumacher selbst nicht. „Eigentlich ist das nicht zu ertragen“, sagt sie. Und nein, Tricks gibt es da keine mehr. Wenn sie so in die eisige Luft dieses extrem kalten Montags spricht, blickt sie an sich hinab auf ihre Hände. Zwischen den blauen Fingern hält sie Wolle und eine Stricknadel. Seit de, frühen morgen sitzt Schumacher schon in der Hirschstraße in Ulm und häkelt dort Wollwaren, die so richtig niemand zu brauchen scheint. Die meisten Passanten gehen an der Obdachlosen vorbei, als sei sie ihnen nicht aufgefallen, dabei kann man sie gar nicht übersehen. Mitten in der Fußgängerzone sitzt sie auf dem gefrorenen Boden unter ihr eine Decke, um sie eine Decke geschlungen, neben ihr eine Schlafsack, auf dem Kopf eine dicke Wollmütze.

Seit 14 Jahren lebt Schumacher auf der Straße und natürlich leidet sie unter den Temperaturen dieser Tage. An minus zehn Grad gewöhnt sich niemand. Dennoch verbringt sie selbst die Nächte lieber draußen, als in einer Unterkunft. Der Grund dafür leuchtet ein: „Mit den Drogensüchtigen da, will ich nichts zu tun haben. Da bin ich noch lieber hier draußen.“ Wo genau sie in Ulm ihren Schlafplatz hat, das verrät sie nicht. Aber manchmal, da hat sie Glück, da bieten ihr dann doch jemand Hilfe an. Dann darf sie sogar die ein oder andere Nacht in einer warmen Wohnung schlafen.

Anders als Schuhmacher suchen aktuell viele Obdachlose Schutz vor der Kälte in der Unterkunft des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in der Frauenstraße 125 . „Im Moment sind wir voll besetzt“, sagt Karin Ambacher, Leiterin des DRK-Obdachlosenheims. Im Zweifel finde man aber immer noch einen Platz für Hilfsbedürftige. Wer trotzdem lieber draußen schläft, dem rät Ambacher dringend, keinen Alkohol zu trinken. „Sonst schläft man ein und wacht nicht mehr auf.“

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Höher sind die Nachfragen nach Unterkünften momentan in Illertissen: Zwei bis drei Obdachlose melden sich pro Woche, sagt Tanja Schmid vom zuständigen Liegenschaftsamt. Und damit so viele wie sonst im Monat. Möglicherweise habe das mit der Kältewelle zu tun. Durchreisende Menschen ohne Heimat seien in Illertissen allerdings eher selten, die meisten Betroffenen lebten hier. Vier Wohnungen für Familien hält die Vöhlinstadt vor, dazu sechs Einzelzimmer. Wer in einem von diesen Unterschlupf finden will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen, sagt Schmidt. Da reiche es nicht, einfach nur anzugeben, man habe keinen festen Wohnsitz. Etwa weil man eben erst aus Berlin in den Süden umgezogen sei und nichts gefunden habe. Auch das komme vor. Leute für eine Nacht unterzubringen, sei in Illertissen nicht möglich, so Schmidt. „Da haben wir nicht die Voraussetzungen wie Ulm oder Neu-Ulm.“ Wenn in der Vöhlinstadt eine Wohnung zugewiesen wird, dann zunächst für eine Dauer von drei Monaten.

Die klirrende Kälte stellt die Illertisser Stadtverwaltung momentan noch vor eine ganz andere Frage: Schlittschuhlaufen oder nicht?, lautet sie. Der Hintergrund: Wenn der Stadtweiher im Winter zufriert, wird die Eisfläche seit jeher gerne als Freizeitanlage genutzt. Die örtliche Feuerwehr hilft dann nach und bringt zusätzlich Wasser auf – aus Sicherheitsgründen, denn das soll die Eisschicht stabiler und tragfähiger machen. So geschehen im vergangenen Jahr. Ob es heuer noch dazu kommt, ist allerdings fraglich: „Wir überlegen noch“, sagt Michael Kienast, der Leiter des Illertisser Bauhofs. Auch wenn es kalt genug sei: Momentan ist unklar, ob die Eisfläche trägt. Das müssten Probebohrungen zeigen. Man sei unsicher, dass sich die und der ganze andere Aufwand rentieren: Am Wochenende soll es wärmer werden, dann wäre der Eislaufspaß ohnehin vorbei. Momentan dürfe der Weiher nicht betreten werden, warnt Kienast. „Da besteht Lebensgefahr.“

Auf ihre weise kämpft auch Rita Stramare in Neu-Ulm mit den eisigen Temperaturen: Bereits Mitte Februar hatte sie ihre Eisediesel in Neu-Ulm eröffnet, so recht anlaufen will das Geschäft jedoch nicht. Letztes Jahr zur gleichen Zeit sei es richtig warm gewesen, erinnert sie sich. Darauf hatte sie auch heuer spekuliert. Stattdessen ist es auf der Straße kälter als in ihrer Auslage.

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