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Illertissen

15.11.2019

Kämpferin für Babystation will Landrätin werden

Plus Bekannt wurde Susanne Oberdorfer-Bögel für ihren Einsatz für die Geburtenstation in Illertissen. Nun macht die Freie Wählerin dem Landrat den Chefsessel streitig.

Sie kämpfte mit der Initiative „Geboren im Süden“ für den Erhalt der Illertisser Geburtenstation: Nun will Susanna Oberdorfer-Bögel Landrätin werden. Die Freien Wähler schicken die 36-Jährige aus Betlinshausen gegen Amtsinhaber Thorsten Freudenberger (CSU) ins Rennen. Ende November soll sie nominiert werden. Über den amtierenden Landrat verliert Oberdorfer-Bögel kein böses Wort. Nur so viel: „Wenn wir der Auffassung wären, dass er hervorragende Arbeit geleistet hat, würden wir keinen eigenen Kandidaten aufstellen.“ Oberdorfer-Bögel hat viele Ideen.

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Eine betrifft das Landratsamt als Behörde. Die soll moderner, effizienter und bürgernäher werden. Und zwar gemeinsam mit den Mitarbeitern, betont Oberdorfer-Bögel. „Da gibt es sehr gute Leute.“ Ein Problem hat Kurt Baiker, der Fraktionschef der Freien Wähler im Kreistag, schon ausgemacht: Gerade im Bauwesen könnte manches schneller vorangehen, glaubt er. „Aber vielleicht haben sie einfach zu wenig Personal.“

Das ist längst nicht die einzige „Baustelle“, die Oberdorfer-Bögel im Landkreis sieht. Dringend ausgebaut gehört ihrer Ansicht nach der öffentliche Personennahverkehr: Kleine Elektrobusse sollen auf die Straßen und dort in einem Takt verkehren, mit dem die Menschen in kleineren Orten etwas anfangen könnten. Dazu bringt die studierte Betriebswirtin eine App ins Gespräch, über die Fahrtzeiten angezeigt und Tickets gekauft werden können. Parallel dazu müsse das Handynetz in der Region ausgebaut werden. Das könne und solle ein Landrat vorantreiben.

Kämpferin für Babystation will Landrätin werden

Landkreis Neu-Ulm: Bewerberin wünscht sich mehr Umweltschutz

Auch in der Ökologie müsse sich im Kreis mehr tun: Laut Oberdorfer-Bögel ließen sich viele kleine Maßnahmen schnell umsetzen. Dazu gehörten begrünte Fassaden, mehr Blühstreifen und Solaranlagen. Zudem will die Kandidatin in spe asphaltierte Schulhöfe „entsiegeln“ und Moor- und Riedflächen reaktivieren. Die seien wichtige Kohlenstoffdioxidspeicher.

Erst seit Anfang des Jahres ist Oberdorfer-Bögel Mitglied der Freien Wähler – sie habe den Schritt in die Politik getan, um etwas zu bewegen. Und zwar nicht nur für den Süden des Landkreises, wo sie durch ihr Engagement für die Illertisser Babystation viele Menschen mobilisierte. Es kam zum Bürgerentscheid, der auch gewonnen wurde. Die geschlossene Geburtenstation ging dennoch nicht wieder in Betrieb. „Das war höchst undemokratisch“, sagt Oberdorfer-Bögel. Ihr gehe es allerdings nicht darum, einen sogenannten Nord-Süd-Konflikt auszutragen, den mancher hinter den Debatten um die Klinikreform und die Zukunft der Illertalklinik in Illertissen vermutete. Im Gegenteil: „Ich setze mich für den ganzen Landkreis ein, will Gräben schließen und Zusammenhalt schaffen.“ Oberdorfer-Bögel will auch über die Region hinaus Kontakte knüpfen und Kooperationen anregen: „Heutzutage denkt man manchmal nur bis zur Iller, aber nicht darüber hinaus.“ Dabei baut die 36-Jährige auf ihre Fähigkeit zur Kommunikation: Sie wolle möglichst viele Menschen mit einbeziehen. „Man darf sich nicht ins Landratsamt setzen und sich als losgelöst von allem anderen betrachten.“

Freie Wähler kritisieren: In der Kreispolitik geht wenig vorwärts

Deutlicher wird Freie-Wähler-Kreisvorsitzender Wolfgang Schrapp: „In der Kreispolitik geht nichts vorwärts.“ Das liege auch an Landrat Freudenberger, der vor allem als Moderator auftrete. „Aber wir brauchen einen Entscheider.“ Das gelte neben den Kliniken auch für Projekte wie den geplanten Neubau des Lessing-Gymnasiums in Neu-Ulm, wo zumindest gefühlt seit Jahren Stillstand herrsche. „Ich will nicht, dass das zum Berliner Flughafen wird“, sagt Oberdorfer-Bögel dazu und spielt auf die Dauer-Baustelle in der Hauptstadt an.

Seiner angehenden Kandidatin traut Schrapp Großes zu: „Im Kampf für den Bürgerentscheid hat sie gezeigt, dass sie etwas erreichen kann.“ Gleichzeitig bringe sie als „Quereinsteigerin“ einen „frischen Wind“ in die politische Landschaft, wie Schrapp es formuliert.

Sie habe bislang viele positive Rückmeldungen bekommen, sagt Oberdorfer-Bögel. Im anstehenden Wahlkampf will sie alle Orte im Landkreis besuchen und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Politische Konkurrenz scheue sie nicht. Weder die von Amtsinhaber Freudenberger noch die von potenziellen weiteren und erfahreneren Bewerbern. „Ich habe gute Argumente.“

Warum Susanna Oberdorfer-Bögel bei der Landratswahl gute Chancen haben könnte - lesen Sie einen Kommentar von Redakteur Jens Carsten: Landratskandidatin aus Illertissen: Wie die Newcomerin punkten könnte

Die Landratswahl im Kreis Neu-Ulm dürfte spannend werden - lesen Sie mehr darüber:

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