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Osterberg

03.01.2021

Kaiserin Maria Theresia kaufte Trompeten bei den Leichamschneiders

Zwei Trompeten von Michael Leichambschneider (Wien 1741), heute Kulturhistorisches Museum. Reproduktion einer alten Aufnahme.
Bild: Manhalter

Plus Im Wien des 18. Jahrhunderts waren die Instrumente der Familie begehrt. Und nicht nur hier. Die Wurzeln liegen in Osterberg im Landkreis Neu-Ulm.

Kaiserin Maria Theresia soll es gewesen sein, die ihrer Hofmusikkapelle sechs besondere Instrumente schenkte: kunstvoll verzierte, versilberte oder vergoldete Trompeten. Heute gehören die prunkvollen Stücke zur Sammlung alter Musikinstrumente im Wiener Kunsthistorischen Museum. Gefertigt wurde die barocke Pracht von den Mitgliedern der Familie Leichamschneider, im Wien des 18. Jahrhunderts bei Weitem keine Unbekannten. Ihre Wurzeln liegen im Landkreis Neu-Ulm.

Die Haupt- und Residenzstadt an der Donau magnetisierte in jenen Jahren Kunstschaffende aus allen Ecken und Enden des Habsburgerreiches. Der Hof war tonangebend und die zahlreichen Adelsfamilien wollten diesem nicht nachstehen. Wien war hip, möchte man heute sagen, in der Donaustadt konnte man es zu etwas bringen. Dies hat sich selbstverständlich bis in die vorderösterreichischen Lande zwischen Donau, Lech und Bodensee herumgesprochen. Auch hier galt die Reichshauptstadt als Zentrum der Kunst und Kultur, der Architektur und der Musik. Was letztendlich Michael Leichamschneider dazu bewogen hat, sich auf den Weg nach Wien zu machen, muss unbekannt bleiben. Gesichert ist lediglich, dass er im Jahr 1701 das Bürgerrecht in der Kaiserstadt erhielt und sich wenig später im Stephansdom mit einer einheimischen Bäckerstochter vermählte.

Der jüngere Sohn folgte seinem Bruder nach Wien

Begonnen hatte der Lebensweg des Michael Leichamschneider indessen im August 1676 im schwäbischen Osterberg. Am 26. dieses Monats, so berichtet Adolf Layer in einem Aufsatz über die künstlerisch begabte Familie, wurde jener als Sohn von Georg und Margarethe Leichamschneider getauft. Vier Jahre später sollte dem Ehepaar noch ein weiterer Sohn, Johannes geboren werden, welcher dem älteren Bruder später nach Wien folgen wird.

Die Frage, bei wem die Brüder das Handwerk des Instrumentenmachers erlernten, kann abschließend nicht beantwortet werden. Als wahrscheinlich darf jedoch gelten, dass beide schon über ausgebildete Fertigkeiten verfügten, als sie sich in Wien niederließen. Das Bürgerrecht wäre ansonsten nicht so rasch verliehen worden. Wenige Kilometer von Osterberg entfernt, auf der anderen Seite des Rothtals finden sich weitere Familienmitglieder mit dem seltenen Namen.

Auch in Mindelheim ließ sich ein Zweig der Familie nieder

Georg Leichamschneider, welcher offenbar als Vorfahre gilt, erwarb 1612 die Badstube in Oberroth. Dessen Sohn Felix zählte bereits wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder zu den wohlhabendsten Bewohnern des gesamten Oberamtes Schönegg. Auch in Mindelheim ließ sich in der Folge ein Zweig der Familie nieder. Paul Leichamschneider verdiente seinen Unterhalt als Bader, Barbier und Wundarzt und siedelte später nach Wien über. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der Erfolg des Verwandten in der Kaiserstadt den jungen Michael dazu bewog, sich ebenfalls auf Wanderschaft zu begeben. Er sollte es nicht bereut haben.

Kaiser und Könige besaßen die wertvollen Instrumente

Neben Trompeten zählten Hörner verschiedener Ausführung zum Schaffenswerk der Brüder Leichamschneider. Kaiser und Könige kamen in den Besitz der barocken Kunstwerke, so auch der sächsische Herrscher August III. Mit Edelsteinen ausgeschmückt zählen sie heute zu den wertvollsten Blasinstrumenten ihrer Zeit. Neben Wien beherbergen auch die Museen in Prag und Braunschweig Instrumente der schwäbischen Künstlerfamilie.

Am 2. Februar 1751 schloss Michael Leichamschneider in seinem Haus in der Wiener Bognergasse im Alter von 81 Jahren für immer die Augen. Das Sterberegister der Pfarrei „Unsere liebe Frau zu den Schotten“ vermerkt dazu: „Ein bürgerlicher Hof- Trompeten und Jägerhornmacher.“

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