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Illertissen

18.12.2017

Kaum Wohnungen für Flüchtlinge

Anerkannte Flüchtlinge haben es im Landkreis Neu-Ulm schwer, Wohnungen zu finden. Viele leben deshalb weiterhin in den Unterkünften des Kreises – sie gelten als sogenannte Fehlbeleger.
Bild: Tobias Hase, dpa (Symbolfoto)

Anerkannte Asylbewerber haben es im Kreis Neu-Ulm schwer, eine Bleibe zu finden. Die Situation könnte sich noch verschärfen, denn die Zahl der Asylsuchenden steigt wieder.

Die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Neu-Ulm steigt seit Kurzem wieder an. Nach Angaben von Karen Beth, die im Landratsamt unter anderem für die Bereiche Ausländer und Soziales zuständig ist, werden dem Kreis seit gut zwei Wochen wieder Asylbewerber zugewiesen. Sie spricht von durchschnittlich 20 Personen pro Woche: „Wenn es so weiter geht, werden die freien Plätze in den Unterkünften bis Februar reichen“, sagt Beth. In den Monaten zuvor waren die Zahlen meist rückläufig. Im Landkreis gelte deshalb noch immer die Order der Bayerischen Staatsregierung, die Zahl der Asylunterkünfte zu verringern.

Derzeit leben etwa 1000 Menschen in den mehr als 50 Asylbewerberunterkünften im Kreis Neu-Ulm. Drei davon, eine in Senden und zwei in Neu-Ulm, betreibt die Regierung von Schwaben, die übrigen der Landkreis. Beth schätzt, dass etwa ein Viertel der Menschen, die derzeit in den Unterkünften wohnen, sogenannte Fehlbeleger sind. Also anerkannte Flüchtlinge, die eigentlich kein Recht mehr auf einen Platz im Asylbewerberheim haben. Auf die Straße setzt das Landratsamt sie allerdings nicht. Denn dann würden sie als Obdachlose gelten, für deren Unterbringung die Kommunen zuständig sind. Für Beth sprechen deshalb gleich zwei Gründe dagegen, dass die Fehlbeleger aus den Unterkünften ausziehen müssen: „Da sind erstens die Menschen, die wir gerade im Winter nicht vor die Tür setzen können – und zweitens die Gemeinden, die jetzt schon Probleme damit haben, ihre Obdachlosen unterzubringen.“

Dass von den anerkannten Flüchtlingen bisher überhaupt jemand eine Wohnung gefunden hat, ist nach Meinung der Asylkoordinatorin nur der Arbeit der Helferkreise zu verdanken. Wie schwer diese Aufgabe für die Ehrenamtlichen ist, darüber spricht eine Helferin des Freundeskreises Asyl in Vöhringen, die nicht namentlich genannt werden möchte. Sie befürchtet, dass es sonst noch schwieriger für sie werden könnte, Wohnungen für ihre Schützlinge zu finden.

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Nur drei Mal sei es ihr in den vergangenen eineinhalb Jahren gelungen, für Flüchtlinge eine Bleibe zu finden: „Und das immer nur über persönliche Kontakte oder Bekannte.“ Auf dem freien Markt gehe gar nichts. Die meisten wiegelten sofort ab, sobald sie mitbekämen, dass eine Wohnung für Flüchtlinge gesucht wird. „Die Leute wollen an die einfach nicht vermieten“, sagt die ehrenamtliche Helferin. Trotzdem will sie weiter suchen und nicht aufgeben.

Neben den Vorbehalten der Vermieter gegenüber den Flüchtlingen, wie sie die Vöhringer Asylhelferin beschreibt, gebe es laut Beth noch weitere Gründe, die die Suche nach einer Bleibe erschweren. Wohnraum, insbesondere günstiger, sei im Landkreis grundsätzlich knapp. Auch weil nach Beths Einschätzung immer weniger Immobilienbesitzer überhaupt bereit sind, zu vermieten. Für die Asylbewerber kämen in der Regel nur sehr günstige Wohnungen in Betracht. Finanziert würden diese meist durch Leistungen des Jobcenters. Damit gelten für die Flüchtlinge die gleichen Regeln und Bedingungen wie für Einheimische, die vom Jobcenter unterstützt werden, sagt Beth.

Mathilde Hucker vom Asylhelferkreis Elchingen kann Beths Aussagen aus ihren eigenen Erfahrungen heraus bestätigen. Seit rund drei Jahren hilft sie Flüchtlingen bei der Wohnungssuche. In dieser Zeit hat sie erlebt, wie der Wohnungsmarkt in der Region immer angespannter wurde: „Wenn man heute mal einen Besichtigungstermin ergattert, sind da noch mal rund 20 bis 30 Personen da.“ Etwas bessere Chancen hätten die Flüchtlinge, wenn der Eigentümer der Immobilie selbst Migrant ist, sagt Hucker. Ohne Hilfe seien manche Flüchtlinge aber schlicht überfordert von der Wohnungssuche in Deutschland. Alleinstehende kämen manchmal in Wohngemeinschaften unter. Doch grundsätzlich sei die Situation derzeit „einfach sehr frustrierend“.

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