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Kettershausen

14.09.2019

Kettershauser Ortsgeschichte: Wo der Hirtenmichele wohnte

Wo heute das Kriegerdenkmal steht, befand sich der Fuggersche Zehntstadel.
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Wo heute das Kriegerdenkmal steht, befand sich der Fuggersche Zehntstadel.
Bild: Zita Schmid

In Kettershausen ist ein Denkmalpflegerischer Erhebungsbogen für die  Dorferneuerung erstellt worden. Er dokumentiert Spannendes aus der Ortsgeschichte.

Wer die Zukunft planen will, sollte sich auch der Vergangenheit bewusst sein, denn sie ist Teil der Identität. Das gilt auch für die Entwicklung einer Gemeinde wie Kettershausen. Doch wer weiß noch, wo früher der „Hirtenmichele“ im heutigen Ortsteil Bebenhausen wohnte? Was steht auf dem „Burtzberg“ in Kettershausen oder welche Bedeutung hatte dort einst die Ledergasse? In dem Dokument mit dem sperrigen Namen „denkmalpflegerischer Erhebungsbogen“, das am 8. Oktober im Bürgerhaus in Mohrenhausen vorgestellt wird, finden diese Fragen ihre Antworten. Doch das umfangreiche Schriftstück mit vielen Texten, Bildern und Karten bietet weit mehr.

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In Vorbereitung auf die geplante Dorferneuerung in den Ortsteilen Bebenhausen und Kettershausen wurden die ältesten Bereiche der beiden Orte erforscht und geschichtliche Besonderheiten dokumentiert. Planer Wilhelm Daurer sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Ziel ist es, sensibel zu machen, um nicht leichtsinnig mit der eigenen Geschichte umzugehen.“ Für die Maßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung soll diese Dokumentation später eine Planungshilfe darstellen. Für den Erhalt von Fördergeldern stellt der Bogen – vor allem auch für Privatmaßnahmen – einen Nachweis über ein vielleicht denkmalpflegerisches Interesse an den Gebäuden dar.

Mit der historischen Brille unterwegs

Mit einem Blick durch eine „historische Brille“ seien die beiden Orte in einer aufwendigen „Spurensuche“ betrachtet und erforscht worden, berichtet Daurer, dessen Planungsbüro den Erhebungsbogen erstellt hat. Ein Jahr lang seien sie damit beschäftigt, die „Keimzellen der Siedlungen herauszuschälen“. Manches Überraschende sei zutage gekommen, findet Daurer.

Kettershauser Ortsgeschichte: Wo der Hirtenmichele wohnte
Der denkmalpflegerische Erhebungsbogen beinhaltet Karten und Pläne...
Bild: Zita Schmid

Das Büro arbeitet dabei nach einer vorgegebenen, standardisierten Methode. Als Basis dienten die Grundsteuerkatasterpläne aus den Jahren 1837 für Bebenhausen und 1836 für Kettershausen mit den darauf verzeichneten Flur- und Hausnummern. Alte Hofnamen und -bezeichnungen, vielfach auch der Beruf der früheren Bewohner, ließen sich auf diese Weise erkunden. Ebenso Grundstücksgrößen und Besitzrechte, die sogenannten „besitzrechtlichen Qualitäten“, etwa „ganzer Hof“, „halber Hof“ bis hin zu „Sölde“ und „Leerhaus“. Hierdurch konnten auch Rückschlüsse auf das Alter der Anwesen geschlossen werden. Denn je größer die Besitzverhältnisse, desto angestammter war es wohl.

Der Bebenhauser „Hirtenmichele“ wohnte übrigens im gemeindlichen Hirtenhaus. Das nicht mehr existierende Gebäude war ein „Leerhaus“ an der heutigen Talstraße. Während ein ganzer Hof über viel Tagwerk Grund verfügte und eine Sölde ein kleines Bauerngut darstellte, von dem der Bauer allein meist nicht leben und einen „Sold“ dazu verdienen musste, war ein Leerhaus ein Haus ohne Grundbesitz.

Sieht Bebenhausen noch so aus wie früher?

Bebenhausen selbst hat sich hauptsächlich entlang der von Babenhausen kommenden Straße entwickelt. Die ältesten Keimzellen liegen in der südlichen Hälfte des Ortes. In dem Erhebungsbogen ist zu lesen, es sei „davon auszugehen, dass die Siedlung ihren Ursprung als geschlossenes Haufendorf mit fünf weltlich-bäuerlichen Urkernen hat, die insgesamt elf Anwesen/Höfe umfassten“. Die heutige Lage der Durchfahrts- und Erschließungsstraßen in Bebenhausen deckt sich weitgehend mit dem früheren Verlauf. Was die Anwesen in dem Ort mit der straßendörflichen Struktur betrifft, so steht im Erhebungsbogen „ist in Bebenhausen auch noch viel der das Ortsbild im historischen Sinne prägenden Bausubstanz erhalten oder die Neubebauung zumindest an der vorherigen Baulinie orientiert errichtet worden“.

Das Dorf Kettershausen entwickelte sich in der östlichen Seite des Talraums der Günz beziehungsweise ihres als Mühlkanal abgeleiteten Nebenarms. Auf der nordwestlichen Seite, wo heute das Rathaus und die Gemeindehalle stehen, ist 1836 noch keine Siedlung verzeichnet.

Überraschendes kam bezüglich der Ledergasse zutage: Rund um die heute eher unscheinbare Seitenstraße der Hauptstraße (B300) regte sich damals wohl das Dorfleben. „Die Ballung von Geschäften und Handwerkern in der Ledergasse untermauert deren Schlüsselbedeutung“, erläutert Daurer. Laut Grundsteuerkataster waren dort etwa Branntweinbrenner, Fass- und Rechenmacher, Schuster und Schneider ansässig.

Was die Erkenntnisse der Historiker für heutige Bauherren bedeuten

Es gibt noch andere Plätze, deren Bedeutung sich gewandelt hat. Am Kurvenbereich der Hauptstraße etwa, wo sich heute das Kriegerdenkmal und der Maibaumplatz befinden, stand früher einmal der Fuggersche Zehntstadel. Weiter unten an der Straße befand sich das Amtshaus der Fugger. Bei der historischen Spurensuche kamen auch alte Fußverbindungen wie der ehemalige Kirchweg wieder zutage. Die Kettershauser Sankt-Michaels-Kirche selbst ist als Baudenkmal bekannt. Hierzu steht im Text: Diese „thront sehr exponiert nahe der Kuppe des Bur(t)zberges (Ergänzung der Redaktion: auch Burgberg genannt) und innerhalb des als Bodendenkmal kartierten mittelalterlichen Burgstalls über Kettershausen und das Günztal“.

An der Kirchstraße in Kettershausen ist noch ein historischer Fußweg erkennbar.
Bild: Zita Schmid

Im Erhebungsbogen sind nun eine stattliche Anzahl weiterer, ortsbildprägender oder historisch bedeutsamer Gebäude dokumentiert, die oftmals keine Denkmäler, aber von „denkmalpflegerischem Interesse“ sind. Vielfach sind dies auch Privatanwesen. Laut Daurer sind für Privatmaßnahmen im Rahmen der Dorferneuerung seit Jahresanfang erhöhte Fördergelder in Höhe von maximal 50000 Euro pro Gebäude und bei ortsplanerisch, kulturhistorisch oder denkmalpflegerisch besonders wertvollen Bauwerken von bis zu 80000 Euro pro Gebäude möglich.

Termin: Am Dienstag, 8. Oktober, findet zum Thema „Ortsgeschichte“ eine Veranstaltung im Bürgerhaus Mohrenhausen statt. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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