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Buch

22.10.2019

Kindergarten in Buch: Ist die Wandfarbe gefährlich?

Bald soll der neue Kindergarten Purzelbaum eröffnet werden. Aus der UWG-Fraktion wurden erneut Vorwürfe gegen den Neubau laut – dieses Mal geht es um die Farbe.
Bild: Regina Langhans

Plus Marktrat Franz Eberl behauptet, dass die Fassade mit krebserregender Farbe gestrichen wurde. Der Bürgermeister bestreitet das – und erhebt seinerseits Vorwürfe.

Die Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) erhebt einmal mehr schwere Vorwürfe gegen die Gemeindeverwaltung in Buch: Die Fassade des neuen Kindergartens Purzelbaum sei mit Farbe gestrichen worden, die krebserregende Stoffe enthält und damit die Bucher Kinder in Gefahr bringt. Das behaupten die Markträte Wolfram Dauner, Gernot Mair und Franz Eberl, der hauptberuflich als Malermeister arbeitet.

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Bürgermeister Roland Biesenberger (CSU) wehrt sich gegen dererlei Äußerungen – und beschuldigt Eberl nun seinerseits, in seiner Funktion als Marktrat eine bedenkliche Farbe für die Innenräume des Kindergartens empfohlen zu haben.

Grundsätzlich werde streng darauf geachtet, dass in dem neuen Kindergarten nichts verbaut wird, das gefährlich für die Buben und Mädchen sein könnte, die dort ab November spielen sollen, sagt Biesenberger. „Für jedes Teil, das verbaut wird, muss die jeweilige Firma ein Sicherheitsdatenblatt abliefern.“ Aus diesem Dokument geht jeweils klar hervor, ob ein Bauteil tatsächlich unbedenklich ist oder nicht.

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Kindergarten in Buch: Farbe soll "Biozide" enthalten

Konkret lautet der Vorwurf der UWG-Räte, dass die Farbe sogenannte Biozide enthält, die bei Regen ausgewaschen werden und in Kontakt mit den Kindergartenkindern kommen könnten. Nach dieser Beschwerde habe man, so der Bürgermeister, direkt beim Hersteller nachgefragt. Dessen Antwort in Kurzform: Es ist bei der verwendeten Farbe keine krebserzeugende Wirkung gegeben. In Langform: Kritisiert wurde von der UWG-Fraktion vor allem der Inhaltsstoff Isoproturon, der nach Experteneinschätzung vermutlich Krebs erzeugen kann. In der betreffenden Farbe, Sto Color Silco G, ist dieser allerdings in einer Konzentration von weit weniger als einem Prozent enthalten und liegt damit deutlich unter dem vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwert.

Nach der Sitzung des Marktrates, in der über die Beschwerde der UWG gesprochen wurde, warf Eberl der Verwaltung vor, die Farbe Sto Color Silco mit der tatsächlich verwendeten Sto Color Silco G verwechselt zu haben. Biesenberger sagt dazu, die Gemeinde habe die Anfrage der UWG im Wortlaut an den Hersteller weitergeleitet. Am Ende macht es allerdings keinen Unterschied, ob Sto Color Silco oder Sto Color Silco G: In beiden Gemischen sei weitaus weniger des vermutlich krebserregenden Isoproturons enthalten, als der Gesetzgeber zulasse.

Dass man sich für eine Farbe entschieden hatte, die solche Biozide enthält, habe nach Angaben des Bürgermeisters einen guten Grund. Sie sollen Algenbildung an den Wänden verhindern. Nach der Sanierung der Bucher Grund- und Mittelschule war die Fassade nämlich nach kurzer Zeit „veralgt“ – und musste, so Biesenberger, aufwendig und unter Einsatz von tatsächlich giftigen Entfernungsmitteln neu gestrichen werden. So sollte es beim Kindergarten nicht wieder laufen.

Streit um Farbe: Was der Hersteller dazu sagt

Dass solche sogenannten Algizide bei Regen auswaschen und größere Mengen der giftigen Stoffe freigesetzt werden, stimmt laut Farbenhersteller so nicht. In einer Stellungnahme wird erklärt: Die Biozide würden verkapselt eingesetzt, seien also mit einem Bindemittel umhüllt. So lasse sich die Löslichkeit des Wirkstoffes gleichmäßig auf ein niedriges, aber wirksames Niveau einstellen.

Für Biesenberger sind die Aussagen von Franz Eberl und den anderen UWG-Räten bloße Falschbehauptungen und Provokationen. „Da werden Dinge ins unermessliche aufgebauscht“, sagt der Bürgermeister. Alles mit dem Ziel, Buch schlecht dastehen zu lassen. Er vertraue außerdem soweit in den Staat und die Zulassungsbehörden, dass in Deutschland keine bedenklichen Farben so einfach auf den Markt kommen.

Nachbesserungsbedarf könnte es allerdings im Gebäudeinnern geben. Für diese Wände habe Eberl in einer früheren Marktratssitzung eine bestimmte Farbe empfohlen, sagt Biesenberger. Diese sei inzwischen wegen des Inhaltsstoffes Titandioxid in Verruf geraten. In Frankreich wurde dieser weiße Farbstoff, der auch in vielen Lebensmitteln enthalten ist, bereits verboten. In Brüssel wird derzeit darüber diskutiert, ob es EU-weit ein solches Verbot geben soll. Biesenberger sagt dazu: „Wir beobachten, wie diese Sache weitergeht. Gegebenenfalls müssen die Räume dann mit einer Latexfarbe nachgestrichen werden.“ (mit clb)

In Buch gab es zuletzt immer wieder Ärger - nicht nur um den Kindergarten:

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